Denn auf den zweiten Blick ergibt dieser Wechsel durchaus Sinn. Und er passt zur aktuellen Stimmungslage in der Formel 1: Das Mittelfeld hofft, dass es bald kein Mittelfeld mehr gibt. Dass alle Teams mit gleichen Waffen kämpfen, die Kostenobergrenze soll es möglich machen. Vettel selbst fasst das so zusammen: "Aston Martin wird wachsen, während andere Teams schrumpfen müssen. Das macht mich zuversichtlich."

Schon ab 2021 dürfen die Teams für die Entwicklung ihrer Autos nur noch 145 Millionen US-Dollar (122 Millionen Euro) ausgeben, in den folgenden Jahren geht es schrittweise weiter: 2022 sinkt das Budget auf 140 Millionen Dollar, bis 2025 dann auf 135 Millionen.

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Damit soll endlich die Vorherrschaft derer gebrochen werden, die sich dank großer Konzerne im Rücken seit Jahren ein Wettrüsten liefern können: Mercedes, Ferrari und Red Bull.

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Aston Martin liefert Sebastian Vettel starkes Gesamtpaket

In einem derart technischen Sport wie der Formel 1 gewinnt vielleicht nicht immer der, der am allermeisten ausgibt - wer aber deutlich weniger Geld zur Verfügung hat, fällt unweigerlich zurück. Es geht um Infrastruktur, um Arbeitskräfte, um Entwicklungsgeschwindigkeit. Um die Möglichkeit, schnell auf Innovationen der Konkurrenz zu reagieren, auch mal zweigleisig zu entwickeln. Und das alles geht nur mit viel Geld.

Vettels künftiger Arbeitgeber Aston Martin, der in diesem Jahr noch Racing Point heißt, hatte "in den vergangenen Jahren nicht annähernd so viel Geld wie die größeren", sagt der Hesse, "und sie haben trotzdem einen hervorragenden Job gemacht." Ab dem kommenden Jahr, so Vettel, könne das Team "endlich zeigen, was es wirklich drauf hat". In der Tat gilt Racing Point schon lange als starkes Rennsportteam mit wenig Geld.

Zudem ist das Timing für die Mannschaft aus Silverstone nun besonders günstig: Der Rennstall gehört zu jenen, die von unten an den Budgetdeckel heranwachsen können - und erhält pünktlich zum Jahr der Einführung den finanziellen Schub durch das Engagement von Aston Martin. Vettels neues Team könnte damit großer Profiteur der neuen Regelung sein.

Sebastian Vettel wechselt 2021 von Ferrari zu Aston Martin

Fotocredit: Getty Images

Sebastian Vettel sieht Mercedes weiter klar vorne

Doch auch andere im Mittelfeld sind ambitioniert. McLaren etwa, der Traditionsrennstall mit der großen Vergangenheit, freut sich auf die neue Ära. "Unser Ziel ist es", sagt der deutsche Teamchef Andreas Seidl, "künftig das effizienteste Team zu sein."

Und auch Renault will mit seinem Werksengagement endlich wieder mehr sein als nur Füllstoff für die Startaufstellung. "Die Einführung des Budget-Caps wird das Wettrüsten beenden", sagt Teamchef Cyril Abiteboul: "Die Teams können endlich an ihren sportlichen Leistungen gemessen werden."

Über eine schnelle Ablösung der Dauersieger bei Mercedes macht sich Vettel zwar keine Illusionen. "Momentan sind sie stärker als der Rest, und das wird auch über das kommende Jahr hinaus gelten", sagt er. Doch er habe in den Vertragsgesprächen mit Aston Martin erfahren, "wohin dieses Team wachsen kann. Und was ich da gehört habe, hat mir gefallen."

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(SID)

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