Formel 1: Ralf Schumacher hält Rücktritts-Aussagen von Max Verstappen im Fluch-Streit nicht für leere Drohung

Ralf Schumacher hat in einem Interview mit "Sky" über die Aussagen von Max Verstappen zu einem möglichen vorzeitigen Karriereende wegen der Fluch-Kontroverse in der Formel 1 gesprochen. Der Bruder von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher wollte die Äußerungen des Niederländers nicht als leere Drohung interpretieren. Einen Machtkampf mit FIA-Boss Mohammed bin Sulayem könne er aber nicht gewinnen.

Max Verstappen beim Großen Preis von Singapur

Fotocredit: Getty Images

"Ich bin jetzt in einer Phase meiner Karriere, da will ich mich mit sowas nicht mehr auseinandersetzen müssen", sagte Max Verstappen nach dem Urteil im "Maulkorb"-Eklat in der Formel 1. Und der frühere Grand-Prix-Sieger Ralf Schumacher traut Verstappen zu, dass dieser seinen Worten auch Taten folgen lässt.
Im Gespräch mit "Sky" erklärte der 49-Jährige: "Ich traue ihm zu, dass Max aufhört, wenn das eskaliert, weil er einfach unabhängig ist. Er hat Geld genug. Er hat schon oft davon gesprochen, dass er nicht ewig in der Formel 1 sein wird. Deshalb würde ich das nicht ausschließen."
Aber kann sich der gebürtige Rheinländer auch eine "Kraftprobe" zwischen Verstappen und Mohammed bin Sulayem, Präsident des Automobil-Weltverbands (FIA), vorstellen? Bin Sulayem war es schließlich, der vor dem Singapur-Grand-Prix eine verschärfte "Sprachregelung" forderte und so überhaupt erst ins Rollen brachte, was nach der Pressekonferenz in Verstappens "Sozialstunden"-Strafe mündete.
Der Bruder von Rekordweltmeister Michael Schumacher meinte: "Man hört, Max fühlt sich ungerecht behandelt. Wir kennen das alle: Da wird man stur und sagt 'Nein, das akzeptiere ich nicht.' Ich glaube aber, er hat unterm Strich keine Chance."

Verstappen kämpft "an genug Fronten"

"Ich würde andererseits bin Sulayem auch nicht zutrauen, dass er clever genug ist, das rückabzuwickeln und als Verwarnung zu deklarieren. Ich würde daher an Max' Stelle aus der Not eine Tugend machen und mir mein Herzensprojekt aussuchen und so vielleicht auch noch Kindern oder einer Sache helfen, indem er sie unterstützt. Dann ist die Kuh, glaube ich, vom Eis."
Zumal Verstappen derzeit "an genug Fronten" kämpfe, weil Red Bull die Technik am RB20 nicht im Griff habe und sich der WM-Titelkampf gegen Lando Norris im McLaren allmählich zuspitze. "Da würde sowas nur ablenken", so Schumacher. "Max braucht seine Konzentration im Auto."
In Summe breche im Moment also einiges über Verstappen herein: Erst die Horner-Affäre im Frühjahr, dann der angekündigte Wechsel von Adrian Newey von Red Bull zu Aston Martin, dann das "schlechte Auto", führte der heutige TV-Experte weiter aus: "Da kommt einfach viel zusammen und die WM gleitet ein bisschen aus seinen Händen."
Bei derzeit 52 Punkten Vorsprung aber hat Verstappen weiterhin einen großen Vorteil in der Formel-1-Gesamtwertung: Er könnte zweimal ohne Punkte bleiben in Grands Prix und er wäre immer noch Tabellenführer, unabhängig von den Ergebnissen, die Norris in diesen Rennen erzielt.

Schumacher: McLaren bei weitem das beste Auto

Deshalb sehe er die WM-Situation "realistisch", meintr Schumacher. Aber: "Der McLaren ist bei Weitem das beste Auto, und jetzt kommen alle Strecken, die dem McLaren liegen. Ich bin der Meinung, dass Lando eine echt gute Chance hat. Die einzige Sache ist: Ausfälle könnten nochmal dramatisch etwas verändern."
Umso ärgerlicher sei aus Verstappen-Sicht, was sich rund um das Singapur-Wochenende zugetragen und hochgeschaukelt hat. Den größten Vorwurf machte Schumacher hier aber dem FIA-Präsidenten: "Er spielt mal wieder eine tragische Rolle in dem Ganzen. Kommunikativ ist er ja wie unser Olaf Scholz, muss man ja fast schon sagen. Er war nicht in der Lage, die Fahrer abzuholen."
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Mohammed Ben Sulayem beim Grand Prix von Aserbaidschan

Fotocredit: Getty Images

Wenn die FIA schon neue Spielregeln erlassen wolle, "dann gehe ich doch zur [Fahrergewerkschaft] GPDA und in die Fahrerbesprechung und hole die Fahrer ab, erkläre ihnen wieso, weshalb, warum. Dann findet er auch die Unterstützung. Max jetzt so vorzuführen und auch noch zu bestrafen: Eine Verwarnung hätte auch gereicht", erklärte der 49-Jährige.
"Ich muss ganz ehrlich sagen: Bin Sulayem [ist] für mich ein Problem, weil er sich mit Susie Wolff anlegt, dann ein Riesenskandal mit Liberty Media, dann nochmal bei der FIA-Gala auch so Kommentare."

Schumacher kritisiert Fia-Boss

"Er macht eine unglückliche Figur. Er sucht die Öffentlichkeit, wo er nur kann, ständig oben auf dem Siegerpodest. Da würde ich der FIA mal empfehlen, über was Neues nachzudenken, weil das kann auf Dauer so auch nicht sein, was da passiert."
Dabei könne Schumacher den eigentlichen Ansatz von bin Sulayem in dieser Sache "nachvollziehen, dass man ein bisschen vorsichtig ist bei der Ausdrucksweise. Aber das ist natürlich völlig falsch kommuniziert worden", kritisierte er.
"Mir selbst ist das 1997 in einem Interview übrigens auch passiert, mit dem genau gleichen Wort. Damals hagelte es E-Mails. Ich musste mich dann offiziell beim englischen Fernsehen entschuldigen."
"Ich habe das gar nicht so verstanden. Wir sind ja keine Engländer. Und um mich herum, ob Eddie Jordan oder Gary Anderson, der damals das Auto gebaut hat, die haben einfach den ganzen Tag so gesprochen. Dann war das für mich Umgangssprache. Und dann wurde ich nach dem Rennen gefragt, warum das Rennen so schlecht gewesen sei. Ich sagte einfach: 'We f... up.' Und da habe ich mir gar nichts bei gedacht."
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Quelle: Perform


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