Sebastian Vettel: Bei Ferrari an den Erwartungen gescheitert

Sebastian Vettel und Ferrari gehen nach der Saison 2020 getrennte Wege. Der Heppenheimer konnte in seinen bisherigen fünf Jahren mit der Scuderia nicht die Mercedes-Dominanz durchbrechen und einen WM-Titel nach Maranello holen. Für Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich lag das in erster Linie an den zu großen Fußstapfen von Michael Schumacher. Vettel und Ferrari, das passte nie zu 100 Prozent.

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Fotocredit: Eurosport

Räder, die still stehen, bedeuten: Stillstand. Logisch. Kein Reifenwechsel, kein weiterer Service. Bloß ab und zu sollte man das Fahrzeug starten, um der Batterie eine Überlebenschance zu geben. Ich spreche da aus eigener Erfahrung während der ja noch immer anhaltenden Corona-Krise.
Es ist auch eine schwierige Zeit für den Motorsport, vor allem für die Formel 1, die vermutlich am 5. Juli in Spielberg (Österreich) wieder ihren Betrieb aufnehmen will. Ohne Zuschauer, aber mit Sebastian Vettel. Angesichts der Meldungsflut über den einzigen noch verbliebenen deutschen Fahrer (es waren früher sogar mal sieben Piloten dabei) drängte sich der Eindruck auf, Vettel sei schon in Rente. Mit 32 Jahren.
Noch ist es zum Glück nicht so weit. Sein Vertrag läuft noch bis Ende der Saison 2020, wo immer die Formel 1 dann auch fährt. Danach könnte es durchaus sein, dass ausgerechnet das Auto-Land Deutschland in der höchsten Rennserie keine deutschen Farben im Cockpit mehr findet.

Top-Teams besetzt: Vettel in der Zwickmühle

Es war so ein typischer Satz von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto, der ein Ende einläutet, wenn man die Schwingungen solcher Worte versteht: "Ich bewundere Sebastian als Mensch, als Fahrer und ich schätze ihn sehr." Pause. Und im Nachklang dann der Hinweis, man habe in Gesprächen festgestellt, dass man nicht die gleichen Ziele habe für die Zukunft.
Vettels Vertrag wurde nicht verlängert. Über Konditionen wurde wohl nie verhandelt. Ein paar Stunden später wurde dann schon bekannt gegeben, Und der weiß jetzt, was Stillstand wirklich bedeutet.
Er muss sich anbieten wie Sauerbier, denn alle Plätze in den Top-Teams sind besetzt. Die Gerüchte um eine mögliche Verpflichtung bei Mercedes sind nicht mehr als ein verbales Gnadenbrot im Augenblick. Soll er für Lewis Hamilton die Reifen wechseln beim Boxenstopp?

Schumachers Fußstapfen für Vettel zu groß

Vettel steht im Moment auf der Straße, zumal er wohl kaum bei einem kleinen Team starten will. Gnadenlos chancenlos. Er würde ins Ziel kommen, während Hamilton schon die zweite Flasche Champagner geöffnet hat. Aber wie konnte es soweit kommen? Vettel gehörte immer zu den besten Formel-1-Piloten.
Und ja, er war der Nachfolger von Michael Schumacher, mit dem Ferrari eine erfolgreiche Ära erlebte. Die Tifosi liebten Schumacher. Nicht nur, weil er so viele Rennen für Ferrari gewann, sondern weil er sich einlebte in die Maranello-Atmosphäre. Italienische Begeisterung, gepaart mit deutscher Gründlichkeit.
Die Fußstapfen in die Vettel 2015 trat, waren zu groß. Er hat nie die Liebe der Italiener gewinnen können. Und außerdem: 14 Siege mit Ferrari waren wohl auch nicht genug in all den Jahren. Die Identifikation mit seinem Arbeitgeber, die totale Hingabe zu Ferrari, fehlte wohl immer. Auch deshalb folgte jetzt das Ende einer nie gänzlich harmonischen Liaison.

Deutschland ohne Motorsport

Für Deutschlands Motorsport-Fans ist das keine gute Nachricht. Aber es passt in die Landschaft, denn in diesem Jahr ist auch Hockenheim nicht mehr im Terminkalender der Formel 1 (ob man noch, der Corona-Krise geschuldet, eventuell einspringen darf, wird derzeit diskutiert).
Und weil BMW vermutlich aus der DTM-Serie aussteigt, wird diese vielleicht auch auf Eis gelegt. Das Auto-Land Deutschland verschwindet von der Motorsport-Landkarte. Und Sebastian Vettel könnte mitgerissen werden von diesem Strudel.
Zur Person Sigi Heinrich:
Der renommierte Sportjournalist, Buchautor und vielfach ausgezeichnete Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich widmet sind in seinen Blogs der gesamten Vielfalt des Sports inklusive der komplizierten Mechanismen der Sportpolitik. Mal sehr ernsthaft, mal mit einem verschmitzten Augenzwinkern und manchmal auch bewusst provozierend. Es soll ja für alle was dabei sein.
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