Bereits kurz nachdem klar war, dass Sebastian Vettel über die Formel-1-Saison 2020 nicht mehr für Ferrari fahren wird, brachten einige Experten ihn mit McLaren in Verbindung. Dort hätte der Deutsche seinen eigenen Nachfolger Sainz ersetzen können. Doch nicht Vettel, sondern Ricciardo dockte bei McLaren an.

Und wie Zak Brown bestätigt, habe man Vettel als möglichen Stammfahrer für das Team im Jahr 2021 auch nie in Betracht gezogen. "Offensichtlich ist Seb ein großartiger Fahrer und ein viermaliger Champion", sagt der McLaren-CEO, doch man habe sich bereits früh anderweitig umgesehen.

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Über die Personalien Sainz und Ricciardo hinaus habe es mit niemandem ernsthafte Gespräche gegeben. Zum Zeitpunkt der Vettel-Meldung seien die eigenen Verhandlungen entsprechend fortgeschritten gewesen. Dies betonte auch McLaren-Teamchef Andreas Seidl bei "Sky Sport News HD": "Das Thema Sebastian hat sich für uns nie gestellt. Es sind nie Verhandlungen geführt worden. Es war immer Carlos, oder Daniel."

McLaren war früh über Sainz' Pläne informiert

In dem Zusammenhang verrät Brown auch, dass er über Sainz' Kontakt mit Ferrari und die Möglichkeit, dass der Spanier McLaren Ende des aktuellen Formel-1-Jahres verlassen könnte, im Bilde gewesen sei. "Ich habe gelernt, dass man in der Formel 1 nichts außer dem Unerwarteten erwarten sollte", sagt der US-Amerikaner.

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Carlos Sainz fährt ab 2021 bei Ferrari.

Fotocredit: Getty Images

"Wir begannen in der Vorsaison mit Carlos über seine Zukunft bei uns zu sprechen und darüber, ob er für McLaren oder Ferrari fahren wollte. Wir haben eine sehr starke, offene Beziehung zu Carlos, seinem Management und seinem Vater." Daher kam der Wechsel nicht überraschend, McLaren konnte so besser reagieren und planen.

"Wir waren während des gesamten Prozesses im Austausch", betont Brown. Das erkläre auch, wie schnell die Ankündigung des Nachfolgers passierte. Die Corona-Pandemie habe dabei keine Rolle spielt: "Ich denke, diese Wechsel wären wahrscheinlich mit oder ohne COVID-19 geschehen, weil wir diese Gespräche davor begonnen haben."

Brown erwartet 2020 noch mehr Ferrari-Krach

Mit Blick auf die bevorstehende Saison, in der Vettel letztmalig an der Seite von Noch-Teamkollege Charles Leclerc für Ferrari antreten wird, erwartet Brown zusätzliche Spannungen. "Offensichtlich ist es im Moment keine schöne Umgebung in der Garage, mit Fahrern und Management. Es scheint keine glückliche Familie zu sein", sagt er.

Das könnte sich auf der Strecke bemerkbar machen: "Ich denke, es wird für einige ziemlich aufregende Rennen im Jahr 2020 sorgen. Denn ich glaube, wir haben in Brasilien (teaminterne Kollision; Anm. d. R.) das Feuerwerk gesehen, das unvermeidlich war und sich aufgebaut hat. Ich rechne dieses Jahr mit mehr davon."

Was die Zukunft von Vettel in der Formel 1 über 2020 hinaus angeht, mutmaßt Brown derweil, das Renault eine Option sein könnte. Vielmehr glaubt er aber, dass der Deutsche zurücktreten wird. "Es kommt wirklich darauf an", sagt der McLaren-Boss. "Es sieht nicht so aus, als gäbe es eine Mercedes- oder Red Bull-Chance für ihn."

Auch McLaren fällt weg, die nächstbeste Option wäre also Renault. "Und die nächste Frage lautet: Möchte Seb mit einem Team fahren, das 2021 wahrscheinlich nicht gewinnen wird?" Zwar sei Renault ein großartiges Team mit Ambitionen, sich zu steigern, weiß Brown, doch Vettel könnte diese Reise schlichtweg zu lange dauern.

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