Es ist nicht allzu lange her, da stürzten sich die Hersteller auf dieses große, neue und innovative Projekt. Die Formel E mit ihrem zukunftsorientierten Elektroantrieb sollte das Zugpferd werden, das der Automobilbranche als Entwicklungsplattform und Schaufenster zugleich dient. Heute, sechs Jahre nach der Premieren-Saison, hat sich Ernüchterung breit gemacht - und die ersten Hersteller wenden sich wieder ab.

Die deutschen Automobilriesen BMW und Audi verkündeten innerhalb von nur zwei Tagen, dass sie nach der Saison 2021 aus der Formel E aussteigen werden. Die Möglichkeiten des Technologietransfers bei der Entwicklung von E-Antrieben im Wettbewerbsumfeld der Formel E seien "inzwischen im Wesentlichen ausgeschöpft", hieß es in der BMW-Mitteilung. Dies liegt allerdings auch daran, dass die Formel E die Entwicklungsmöglichkeiten stark einschränkt, um Kosten zu reduzieren.

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BMW folgerte daraus: Das Unternehmen hat in der Formel E die Erkenntnisse gewonnen, die es auch mit Blick auf die Produktion der elektrischen Serienfahrzeuge haben wollte - und aus sportlicher Sicht ist der Wettbewerb nicht reizvoll genug, um ihn weiter mit vollem Werkseinsatz zu betreiben. Von den Kosten ganz zu schweigen, die ein solches Projekt verschlingt. Zumal auch die Automobilbranche wegen der Belastungen der Coronakrise kämpft.

Ungeachtet dessen bleiben die Macher der Formel E kämpferisch und treiben die Vorbereitungen auf die siebte Saison voran, die am 16. Januar 2021 in Chile beginnen soll. Und die erstmals als offizielle Weltmeisterschaft ausgetragen wird.

Hoffnung macht, dass weiter einige Hersteller am Start sind. Darunter Porsche und Mercedes, wobei auch die Marke mit dem Stern ihren Verbleib an Bedingungen knüpft. "Jetzt ist der Moment, wichtige Entscheidungen bei den technischen und finanziellen Richtlinien zu treffen und die richtigen Rahmenbedingungen für die Jahre festzulegen, die vor uns liegen", sagte Ian James, Teamchef von Mercedes, auf SID-Anfrage. Man sei "entschlossen, aktiv zur Weiterentwicklung der Formel E beizutragen und eine nachhaltige Zukunft für die Rennserie zu schaffen".

Ein Einsatz auf der Rennstrecke hat wenig mit dem Verhalten von Elektroautos auf der Straße gemeinsam. In der Formel E rasen die Autos mit Höchsttempo, unter maximaler Belastung sind auch die Batterien entsprechend schnell leer. Im gewöhnlichen Straßenverkehr ist anderes gefragt, die Batterie, um bei dem Beispiel zu bleiben, soll möglichst langlebig und ausdauernd sein.

Audi steigt 2022 in Wüstenklassiker ein

Während BMW noch kein Konzept für seine künftige Ausrichtung im Motorsport veröffentlicht hat, ist Audi einen Schritt weiter. Ab 2022 wollen die Ingolstädter, die zuletzt auch aus der DTM ausgestiegen sind, erstmals bei der Rallye Dakar "mit einem innovativen Prototyp" starten. Das Ziel bleibt gleich: Innovative Technologien sollen unter extremen Bedingungen getestet und entwickelt werden, um sie später im besten Fall auch bei Serienfahrzeugen einzusetzen.

"Die härteste Rallye der Welt ist hierfür die perfekte Bühne", sagt Markus Duesmann, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG. Das Fahrzeug, das in zwei Jahren durch die Wüste jagen soll, befindet sich in der Entwicklung. Klar ist bereits, dass es sich um ein Hybrid-Auto mit einem "hocheffizienten Energiewandler" handeln wird.

Das Thema Wasserstoff könnte in Zukunft ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Der ADAC wird ab 2023 eine Rennserie ins Leben rufen, die auf diesen Antrieb setzt. Unter anderem Porsche treibt zu diesem Thema Entwicklungen voran, und die DTM präsentierte zuletzt einen Elektro-Prototypen für eine mögliche künftige "DTM Electric".

Möglichkeiten für die Hersteller gibt es also genug. Sie können sich das Motorsport-Projekt aussuchen, das am ehesten zu der Ausrichtung des Unternehmens passt.

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(SID)

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