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Lange genug zugeschaut: Jetzt müssen FIFA und UEFA handeln

Lange genug zugeschaut: Jetzt müssen FIFA und UEFA handeln

17/10/2019 um 07:11Aktualisiert 17/10/2019 um 09:11

Kriegsbefürwortung, rassistische Äußerungen und Einreiseverbote - die jüngsten Vorkommnisse in der Welt des Fußballs machen deutlich, wie sehr der Sport für politische Botschaften missbraucht wird. Eurosport-Blogger Sigi Heinrich kritisiert UEFA und FIFA für ihr tatenloses Zusehen und fordert nicht zuletzt die deutsche Regierung und den DFB zu einem energischeren Handeln auf.

Der Krieg hat uns längst eingeholt. Er ist bei uns. Jener des Nato-Partners Türkei, der in Syrien einfiel. Wir fahren in den Urlaub in die Türkei. Schön dort, das blaue Meer, freundliche Menschen und alles ist so preiswert um nicht zu sagen, billig. Die Sonne scheint auch.

Nicht mehr für die Kurden in Syrien an der türkischen Grenze. Da ist kein Meer. Da sind jetzt nur noch Bomben, Granaten. Kinder und Frauen sterben und die türkische Nationalmannschaft spielt Fußball, weil man sich ja für die Europameisterschaft qualifizieren muss.

Der Sport schiebt dem keinen Riegel vor. Länder werden von großen Turnieren nicht ausgeschlossen, nur weil ein Präsident Krieg führt. Und ganz Europa lässt sich vorführen.

Die türkische Fußballnationalmannschaft ist nicht mehr und nicht weniger als die Speerspitze eines Landes, das sich einen Teufel um Menschenrechte schert.

Und die Spieler machen mit, salutieren nach Toren wie Soldaten, und deutsche Nationalspieler mit türkischen Wurzeln machen mit und gehen gedankenlos mit Bildern ihrer Kollegen um, die deutlich machen, dass sie hinter Recep Tayyip Erdogan und dessen Entscheidung zum Krieg stehen.

Es ist einfach nur eine Schande. Die deutsche Regierung lässt sich durch den Flüchtlingspakt mit der Türkei erpressen. Kein richtig böses Wort gegen Erdogan. Warum also soll dann der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Ilkay Gündogan und Emre Can disziplinieren? Ist also konsequent, wenngleich unendlich traurig.

Lächerliche Reaktionen gegen Rassismus

UEFA und FIFA sehen ebenfalls bislang nur zu. Nicht nur im Fall der Türkei.

Auch beim schlechten Beispiel der Bulgaren, deren Fans zum wiederholten Mal - diesmal gegen England - mit rassistischen Aktionen auffallen. Bis zum Hitlergruß.

Angst und bang kann einem werden. Lächerliche 50.000 Euro Geldstrafe werden angedroht und vielleicht sogar ein Spiel mal vor leeren Rängen. Das ist alles. Keine Stellungnahmen von führenden Funktionären. Nur nicht überreagieren. Man will ja schließlich wiedergewählt werden. Sport und Politik trennt in diesem Fall: nichts.

Nordkorea demütigt Südkorea

Die Nordkoreaner werden ebenfalls nicht bestraft, wenn sie in einem offiziellen Qualifikationsspiel gegen Südkorea ihren Gegner mit Verachtung strafen. Einreise über Peking. Nur dort gab es Visa für die Einreise nach Nordkorea.

Mit einem leeren Stadion beim nächsten Spiel kann die FIFA nicht drohen. Die nordkoreanischen Fußballfans durften nicht zuschauen.

Südkoreanische Fans wurden nicht ins Land gelassen. Es gab auch keine Fernsehübertragung. Nordkorea will dem südkoreanischen Verband irgendwann mal eine DVD von diesem Spiel zukommen lassen.

Das ist an Zynismus nicht zu überbieten. Auch das lässt sich die FIFA gefallen, anstatt Nordkorea auszuschließen von der Weltmeisterschaft 2022.

Aber auch hier ist die Politik erschreckendes Beispiel. Sie weist den nordkoreanischen Machthaber nicht in seine Schranken, weil das große und wirtschaftlich so bedeutende China die schützende Hand über Kim Jong-un hält.

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Das Trikot wird zur Uniform

Das so oft verbindende Wesen des Sports, das regelmäßig bei Olympischen Spielen so gerne zitiert wird, zerfällt wie die Hoffnung auf Frieden in dieser Welt.

Dabei hat der Sport eine immense Kraft. Es bräuchte nur mehr Mut. Doch die sportliche Maschinerie ist eben nur ein Spiegelbild der politischen Strukturen und der Feigheit vieler Regierungen, mit entschiedenen Reaktionen gegen das Chaos dieser Welt vorzugehen, das vornehmlich, ja fast ausschließlich von autoritären Führern losgetreten wird.

Das Trikot der Sportler darf nicht zur Uniform werden. Wenigstens das sollten wir zu verhindern wissen, statt nur stumm zuzuschauen.

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