9 Lehren vom 25. Spieltag: Geliebter Schüler, neuer Toptorjäger und ein ewig Junger

Claudio Pizarro erzielt seinen 100. Treffer für Werder Bremen, Julian Nagelsmann bekommt die ganze Härte des Abstiegskampfes zu spüren. Armin Vehs Zeit in Frankfurt ist vorbei, Julian Draxlers Zeit in Wolfsburg beginnt gerade so richtig. Außerdem: Ein Lebenszeichen von Franco Di Santo, Comeback-Bayer und ein überragender Innenverteidiger. Eurosport.de hat die neun Lehren zum 25. Spieltag.

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1. Ewig junger Pizarro schießt seinen Ex-Coach in Liga zwei

Was war das für eine Woche für Claudio Pizarro? Beim 4:1-Sieg in Leverkusen unter der Woche trifft der Peruaner gleich drei Mal und erzielt seine Tore 97, 98 und 99 im Werder-Trikot. Tor Nummer 100 sparte er sich für die eigenen Fans im Weserstadion auf - nur drei Tage später beim nächsten furiosen 4:1 gegen überforderte Hannoveraner. Pizarro zeigt damit einmal mehr, dass er trotz seines Alters - mittlerweile ist er 37 Jahre alt - nichts an Kaltschnäutzigkeit eingebüßt hat. Tore schießen verlernt man nicht, Pizarro beweist das eindrucksvoll - zum Leidwesen seines Ex-Trainers Thomas Schaaf, der mit den 96ern rasant Richtung zweite Liga steuert.

2. Neuer Trainer – keine neue Mannschaft

Ein Trainerwechsel hat oftmals einen positiven Effekt auf eine Fußballmannschaft. Als Huub Stevens überraschend zurücktrat und der erst 28-jährige Julian Nagelsmann mitten in den Abstiegskampf geworfen wurde, konnte man ebenfalls einige Veränderungen im Spiel der Kraichgauer wahrnehmen. Einem Unentschieden zum Auftakt in Bremen folgten zwei Heimsiege in Folge gegen Mainz und Augsburg. Und die erwartete Pleite in Dortmund. Die 1:5-Niederlage in Stuttgart offenbarte nun aber eines: "Nur" der Trainer ist neu, die Mannschaft nicht. Bis zum Klassenerhalt ist es noch ein weiter, steiniger Weg. Nagelsmann wird Woche für Woche hart dafür arbeiten müssen, dass seine Mannschaft die zweifelsohne vorhandene Qualität auch auf den Rasen bringt. Dies muss auch gelingen, wenn die erste Euphorie des Trainerwechsels abgeebbt ist.

3. Veh ist kein Comeback-King

Nach dem enttäuschenden 1:1 im eigenen Stadion war eigentlich klar, dass entweder Armin Veh selbst oder die Verantwortlichen der Eintracht die Reißleine ziehen würden. Worte wie: "Natürlich sind wir enttäuscht. Wir werden uns in Ruhe zusammensetzen und beraten, wie es weitergeht", bedeuten für einen Trainer selten etwas Gutes. Bruno Hübner äußerte sich in dieser Art und Weise nach dem Spiel und kurze Zeit später war dann klar: Armin Veh ist nicht mehr Trainer der Eintracht. Damit missglückt ihm nach seinem Comeback in Stuttgart Anfang vergangener Saison auch der zweite Anlauf in Frankfurt. Ingolstadt mausert sich nebenbei heimlich still und leise zum Klassenerhalt.

4. Draxler ist angekommen

Julian Draxlers letzte Auftritte glichen einem Statement: "Ich bin endgültig angekommen!" Mitten in einer nicht ganz einfachen Wolfsburger Phase, in der die Ergebnisse für die Niedersachsen fehlten und man in der Liga die internationalen Ränge aus den Augen verloren hatte. Seit dem Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale bei KAA Gent, scheint der Knoten bei Draxler endgültig geplatzt zu sein. In den letzten beiden Partien gegen Hannover und Gladbach spielte der 22-Jährige groß auf, traf in beiden Spielen und war damit an den zwei Liga-Siegen in Serie maßgeblich beteiligt. Am Dienstag kann den Wölfen dann in der Champions League mit dem Einzug ins Viertelfinale Historisches gelingen. Spielt Draxler so wie im Hinspiel, dürfte das kein Problem werden!

5. Augsburg fehlt die Abgezocktheit

Es hätte der erste Sieg der Augsburger gegen Angstgegner Leverkusen sein können - ja sogar sein müssen. Drei Tore in einem Bundesligaspiel im eigenen Stadion, das gelang den Fuggerstädtern zuletzt am 11. Spieltag gegen Mainz 05. Endergebnis: 3:3. Yoshinori Muto hatte den Mainzern damals in der 90. Minute mit seinem dritten Treffer den Punkt gerettet. Auch dieses Mal traf ein Asiate dreifach: Ja-Cheol Koo. 3:0 lag der FCA vorne, verspielte die Führung aber erneut in allerletzter Sekunde. In der Nachspielzeit machte Hakan Calhanoglu für Bayer Leverkusen vom Punkt das 3:3-Unentschieden. Ein klares Indiz für fehlende Abgezocktheit der Augsburger. Oder aber eine moralische Meisterleistung der Leverkusener? Wahrscheinlich von beidem etwas.

6. Di Santo lebt noch

Ein einziger Saisontreffer ist Franco Di Santo bislang gelungen, zuletzt schaffte es der Argentinier nicht mal mehr in den Kader der Schalker. Einzig in der Europa League brachte der Ex-Bremer die Kugel im Kasten des Gegners unter - immerhin fünf Mal in sieben Spielen. Gegen den 1. FC Köln gelang ihm sein zweites Tor in der laufenden Spielzeit. Und das war, wie schon sein erstes, nicht ganz unwichtig. Gegen Hannover 96 machte er am 15. Spieltag mit dem 3:1 in der 82. Minute alles klar und auch in Köln tütete er mit dem 3:1 in der 76. Minute die drei Punkte für Königsblau ein. Die Fans freuen sich über ein Lebenszeichen des 26-Jährigen. In der heißen Phase der Saison kann Schalke diesen auch gut gebrauchen.

7. Guardiola liebt Kimmich

Viel wurde vor dem Liga-Gipfel über das Duell Robert Lewandowski gegen Pierre-Emerick Aubameyang gesprochen. In den Fokus gespielt haben sich im Topspiel aber andere. Mats Hummels zeigte eine starke Leistung auf Dortmunder Seite, bei den Bayern überzeugten der viel kritisierte Arturo Vidal - und auch Joshua Kimmich. Gegen einen der besten Stürmer der Liga (Aubameyang) zeigte der junge Deutsche, dass er als Innenverteidiger viel mehr als nur eine Notlösung ist. Auch Pep Guardiola erklärte nach dem Spiel: "Ich liebe diesen Jungen. Er will lernen, er hat Leidenschaft, er hat alles" - kann man so sagen. Kimmich hatte mit 121 Ballaktionen die zweitmeisten im Team der Bayern, mit 64 Prozent gewonnenen Zweikämpfen hinter Lahm die beste Bilanz und brachte 94 Prozent seiner Pässe an den Mann (Bayern-Bestwert).

8. Müller der Toptorjäger

Mit einem Doppelpack gegen Hertha BSC hievte Nicolai Müller den HSV nicht nur endgültig aus dem Abstiegskampf, sondern übernahm mit jetzt sieben Treffern auch die Führung in der vereinsinternen Torjägerliste. Pierre-Michel Lasogga kommt in dieser Saison auf sechs Treffer. Auch neben seinem Doppelpack zeigte der Ex-Mainzer eines seiner besten Spiele im HSV-Dress. Defensiv arbeitete Müller vorbildlich mit, im Umschaltspiel glänzte er mit seiner Schnelligkeit und Spielintelligenz. Im Übrigen schafften die Hamburger den ersten Heimsieg seit sechs Jahren gegen den "Angstgegner" aus Berlin. Nach vier Spielen siegt der HSV also wieder und kann sich damit fast sicher sein, im nächsten Jahr immer noch den Spitznamen "Bundesliga-Dino" inne zu haben.

9. Darmstadt ist nicht Bayern

Gerade einmal drei Tage war es her, da mischte sich Mainz 05 rotzfrech in den Meisterschaftskampf ein, fügte Bayern München die erste Heimpleite der Saison zu und bescherte ganz Deutschland einen deutschen Clasico zur Primetime am Samstag. Da sollte ein Heimsieg gegen Aufsteiger Darmstadt doch kein Problem sein. Vor allem nicht, weil der Held aus München, Jhon Cordoba, von Anfang an ran durfte und die Mainzer damit schon frühzeitig auf Kurs bringen konnte. Doch kein Fußballspiel gleicht dem anderen eben komplett. Darmstadt spielte frech wie immer und entnervte die Mainzer in den vielen Zweikämpfen im Mittelfeld. Julio Donati flog in der 57. Minute vom Platz und machte die "Operation Heimsieg" damit zu einer unlösbaren Aufgabe für die "Nullfünfer". Am Ende feierten die Mainzer aber trotzdem mit den Fans den einen Punkt - Darmstadt ist eben nicht Bayern.
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