Serie: Bundesliga-Vorschau, Borussia Dortmund - Zurück in die Zukunft

Der Countdown läuft: Am 14. August startet die Bundesliga in ihre 53. Saison. Bis dahin nimmt eurosport.de jeden Verein unter die Lupe. Heute: Borussia Dortmund.

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Nur Platz sieben! Der Deutsche Meister von 2011 und 2012 erlebte in der vergangenen Saison eine fast beispiellose Talfahrt mit. Nun steht in Trainer Thomas Tuchel ein neuer Mann auf der Kommandobrücke. Die Ära Jürgen Klopp ist Geschichte. Aber wird mit dem Neuen auch alles wieder gut? Vieles spricht dafür.
Wer kam und wer ging?
Der große Umbruch ist ausgeblieben. Auch weil die vermeintlich abwanderungswilligen Stars Mats Hummels und Ilkay Gündogan weiterhin im Kader stehen. Den Klub verlassen haben in Zlatan Alomerovic (1. FC Kaiserslautern) und Mitchel Langerak (VfB Stuttgart) zwei Torhüter. Sebastian Kehl beendete seine Karriere. Milos Jojic zog es zum 1. FC Köln, Ciro Immobile wurde an den FC Sevilla verliehen.
Dafür verstärkte sich die Borussia mit Gonzalo Castro von Bayer Leverkusen. Für den polyvalenten Routinier wurden elf Millionen Euro fällig, für Julian Weigl von 1860 München nur 2,5. In Roman Bürki sicherte sich der BVB für 3,5 Millionen Euro vom SC Freiburg eine neue Nummer eins. Dazu kamen die ausgeliehenen Moritz Leitner und Jonas Hofman zurück. Hendrik Bonman rückte als dritter Keeper aus der zweiten Mannschaft nach.
Der wichtigste Neuzugang ist aber der Trainer: Thomas Tuchel, der nach seinem Sabbatical in Dortmund unterschrieb.
So lief die Vorbereitung:
Kurz war die Einstimmung auf die neue Saison. Durch den frühen Pflichtspiel-Start in der Europa-League-Qualifikation hatte Tuchel nur knapp einen Monat, um sein Team kennen zu lernen und auf Kurs zu bringen. Angesichts dieser Umstände präsentierte man sich erstaunlich ausgereift.
Von acht Testspielen ging nur eines - gegen den VfL Bochum - verloren, die Promotion-Reise nach Asien gelang und als Sahnehäubchen schlug man zum Abschluss des Trainingslagers in Bad Ragaz den Champions-League-Finalisten Juventus Turin. Der Wolfsberger AC war schließlich in der 3. Runde der EL-Quali kein Problem. Auch im DFB Pokal zog man in Chemnitz ungefährdet in die zweite Runde ein.
Klartext:
Deutliche Worte von BVB-Kapitän Mats Hummels mit Blick auf die vergangene Pleiten-Saison. Wie der Nationalspieler zeigt sich der gesamte Verein: selbstkritisch und vorwärts gewandt. Der zwischenzeitliche Absturz in den Abstiegskampf war ein mehr als deutlicher Warnschuss. In Dortmund arbeitet man nun mit allen Mitteln daran, wieder dauerhaft in ruhige Fahrwasser zu gelangen. Damit Hummels nicht erneut aus Frust zum Kühlschrank rennen muss.
Die Wunschelf:
Ob es in der kommenden Saison eine feste Formation bei der Borussia geben wird, darf bezweifelt werden. Tuchel hat einen extrem breiten Kader zur Verfügung, der auf jeder Position mindestens doppelt besetzt ist - und das nahezu gleichwertig. Der Trainer hat also die Qual der Wahl. Aus seiner Zeit in Mainz ist zudem bekannt, dass er die vorhandenen Spieler in munterer Selbstverständlichkeit miteinander kombiniert.
Im Tor scheint Roman Bürki das Rennen gemacht zu haben und wird als Nummer eins den Großteil der Spiele machen. In der Viererkette gibt Hummels den Ton an. Als sein Nebenmann in der Innenverteidigung kristallisiert sich Sokratis heraus. Flankiert werden die beiden von Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek, die bei eigenem Ballbesitz deutlich höher stehen als noch unter Jürgen Klopp.
Taktgeber im Mittelfeld ist Ilkay Gündogan, der als offensiver Teil der Doppelsechs entweder mit Julian Weigl, Sven Bender oder Gonzalo Castro harmonieren soll. Die baldige Rückkehr von Nuri Sahin wird diesen Konkurrenzkampf noch verstärken.
In der Dreierreihe davor sind Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan gesetzt. Shinji Kagawa, Jonas Hofmann und Jakub Blaszczykowski streiten sich um den dritten Platz. Ganz vorn ist Pierre-Emerick Aubameyang erste Wahl. Der Gabuner befindet sich - wie Mkhitaryan - schon in beeindruckender Frühform.
Problemzone:
Geht man auf die Straße und fragt Menschen willkürlich nach ihrer Problemzone, werden sie überwiegend ihren "Speckgürtel" nennen. Genauso verhält es sich mit dem BVB. Der Kader ist hervorragend besetzt - in der Spitze, wie in der Breite. Nur im Sturm könnte man bei extrem kritischer Betrachtung eine minimale Backup-Vakanz herausarbeiten. Die Problemzone der Borussia ist aber das zu üppig besetzte Mittelfeld. Hier will man abspecken. 14 Spieler stehen für diesen Mannschaftsteil zur Verfügung. Tuchel vergibt aber - je nach System - höchstens fünf Plätze in der Startformation.
Erste Kandidaten für einen Abschied sind deshalb Oliver Kirch, Moritz Leitner und Urgestein Kevin Großkreutz. Das Transferfenster ist noch bis Ende des Monats geöffnet. Es kann und wird noch etwas passieren.
Player to watch:
Für gerade einmal 2,5 Millionen Euro kam Julian Weigl in der Sommerpause vom TSV 1860 München. Der Betrag ist in Relation zu den in diesem Sommer üblichen Summen so gering, das er kaum als Ablösesumme durchgeht. Bei den "Löwen" hatte der 19-Jährige ein bewegtes Jahr hinter sich. Zu Saisonbeginn in die Kapitänsrolle gehievt, nach einer Taxifahrt mit Lästerattacke degradiert. Gegen die sportliche Talfahrt machtlos verhinderte Weigl mit seinen Kollegen am Ende denkbar knapp den Abstieg in Liga drei. Im Relegationsrückspiel wurde der Mittelfeldmann eingewechselt.
Dementsprechend gering waren die öffentlichen Erwartungen als der U-19-Nationalspieler zu Beginn der Vorbereitung im schwarz-gelben Lager aufschlug. Doch Weigl zeigte sich unbekümmert, lernwillig und hochproduktiv. Attribute die Tuchel schätzt. Zudem sieht der Coach im Juwel enormes Entwicklungspotenzial. In den ersten zwei Pflichtspielen der Saison spielte weder Sven Bender noch Gonzalo Castro neben Gündogan auf der Doppel-Sechs - Weigl erhielt den Vorzug. Auch wenn Leistungsschwankungen eintreten werden, Weigl könnte zur großen Überraschung beim "neuen BVB" werden.
Eurosport-Prognose:
Die vergangene Saison war ein deutlicher Ausreißer nach unten. Nach menschlichem Ermessen wird etwas Vergleichbares nicht erneut passieren. Bleibt eine Verletzungsseuche aus, wird die Borussia sich tabellarisch also von Platz sieben nach oben orientieren. Ein Angriff auf Bayern München wäre allerdings ein unrealistisches Ziel. Tuchel sieht seine Mannschaft als Herausforderer der Teams unmittelbar hinter dem Branchen-Primus. Ein direkter Einzug in die Champions League muss dementsprechend das interne Ziel sein. Platz drei hinter den Münchnern und Wolfsburg macht aus derzeitiger Betrachtung am meisten Sinn.
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