3 Dinge, die bei Bayern-Hamburg auffielen: Müller-Erkenntnis, Fan-Explosion, HSV-Offenbarung
Publiziert 25/02/2017 um 19:34 GMT+1 Uhr
Beim 8:0 des FC Bayern München über den Hamburger SV ist Thomas Müller bester Mann auf dem Platz, ohne selbst ein Tor zu erzielen. Wie das möglich ist? Mit einer Idee von Bayern-Trainer Carlo Ancelotti, der Müller und Thiago so platziert, dass beide Akzente setzen können. Den FCB-Fans gefällt's wie lange nicht, während der HSV ein "Papa-Problem" hat. Was uns beim Schützenfest auffiel.
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Aus der Allianz Arena berichtet Daniel Rathjen
1. Die Erkenntnis bei Thomas Müller: Er muss nicht treffen!
Mit 8:0 gewann der FC Bayern München gegen den Hamburger SV. Aber: Es war ein Tor-Festival ohne Thomas Müller als Torschütze! Das war jedoch für niemanden Anlass zu Kritik. "Er war an jedem Angriff beteiligt", bekannte Trainer Carlo Ancelotti. Und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge schwärmte nach der Partie:
Tatsächlich war Müller omnipräsent und stach aus einer sehr guten Mannschaft noch heraus, er kombinierte, bot sich an, stach in die Lücken und war für den Gegner nicht zu greifen. Symptomatisch die Szene vor dem 5:0, das er sieben Meter vor dem Tor mustergültig für David Alaba vorbereitete. "Es hat richtig Spaß gemacht", bilanzierte Müller selbst und fügte richtigerweise an:
In der jüngsten Vergangenheit hieß es oft, Müller oder Thiago - am Samstag hat Ancelotti bewiesen, dass auch beide von Beginn an spielen können und das Team harmoniert. Weil Xabi Alonso, der sonst im defensiven Mittelfeld seinen Platz sicher hat, verletzt passen musste, hatte sich der Trainer dazu entschlossen, Thiago etwas zurückzuziehen. Es wurde eine 4-2-4-Formation, in der sowohl Thiago als auch Müller ihre Akzente setzen konnten.
Gegen tief stehende Gegner gehört diese Lösung ab sofort wohl zur besten. Ob sie auch in der Champions League zur Geltung kommt, darf jedoch bezweifelt werden, schließlich birgt sie beim Umschaltspiel in der Defensive Gefahren.
So oder so: Müller scheint mit sich im Reinen und muss nicht treffen, damit er sich wohlfühlt. Für das Team kann ein gut aufgelegter Müller nur von hohem Wert sein.
2. "Oh, wie ist das schön!"
Die Bayern-Fans haben sich in dieser Saison oft gewundert, wohin denn nun genau die Dominanz verschwunden ist. Last-Second-Erfolge sind schön und gut, doch gewohnt sind sie etwas anderes. Beim Spektakel gegen den HSV sprang der Funke in der Allianz Arena von der Mannschaft auf die Fans nach gefühlt langer Zeit mal wieder auf das Publikum über. Ein Zeichen für Erleichterung, Freude, Genuss.
In der 69. Minute stimmte die "Südkurve" sogar das in der Triple-Saison 2012/13 entstandene "Super-Bayern! Super-Bayern! Hey, hey!" an. In den Schlussminuten sang das ganze Stadion - mit Ausnahme des HSV-Blocks natürlich - den Klassiker "Oh, wie ist das schön!"
Der Kantersieg schweißte Fans, Trainer und Mannschaft noch enger zusammen - enorm wichtig für die nun anstehende entscheidende Phase der Saison.
3. Der HSV und das "Papa-Problem"
Kyrgiakos Papadopoulos ist ein Mentalitätsmonster. Die Leihgabe von Bayer Leverkusen, die im Winter von RB Leipzig kam, verlieh dem HSV das, was dem Team lange fehlte. Denn "Papa" strahlt Selbstvertrauen aus, beweist Durchschlagskraft und hat ein Kämpferherz. In München fehlte er verletzt (Schulter), seine Kollegen blamierten sich bis auf die Knochen und zeigten kein einziges von Papadopoulos' wertvollen Attributen. Eine Tatsache, die das größte Defizit des Kaders schonungslos offenlegt.
Nach dem ersten Gegentor brach die Moral der Mannschaft komplett weg. Fehlpässe wechselten sich mit Sicherheitspässen ab, hier wurde abgewunken, dort sich beschwert. Der bemitleidenswerte Torhüter René Adler sagte:
Trainer Markus Gisdol glaubt an eine Trotzreaktion im nächsten Spiel: "Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir nach Rückschlägen schnell wieder in die Spur gekommen sind."
Natürlich ist der FC Bayern nicht der Maßstab für den Abstiegskandidaten, doch sich derartig abschlachten zu lassen, kann auch keine Lösung sein. Für den Verein wird es die größte Herausforderung sein, mehr Spieler der Sorte "Papadopoulos" zu verpflichten, um auch wieder mittel- bis langfristig Erfolg zu haben.
Ein Mentalitätsmonster wie der Grieche zieht seine Kollegen mit nach oben, gegen Bayern zogen sich die HSVer nur gegenseitig noch weiter in den Schlamassel.
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