Bundesliga: Borussia Dortmund will in der kommenden Saison den Kader schlagkräftiger machen
Borussia Dortmund ist trotz inkonstanter Leistungen im Soll. Platz drei in der Liga, Achtelfinale in der Champions League, Viertelfinale im Pokal. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sieht was den Kader angeht deshalb nur bedingt Handlungsbedarf. Es soll ein "Mentalitätsspieler" geholt werden, um den Kader "schlagkräftiger" zu machen. Eurosport macht den Check und zeigt, wo es im Kader noch hapert.
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Unter Jürgen Klopp verdiente sich der BVB den Spitznamen des "Mentalitätsmonsters". In der aktuellen Saison, der zweiten Spielzeit unter "Kloppos" Nachfolger Thomas Tuchel, ist vom "alten" BVB jedoch nicht mehr viel zu sehen.
Kein Wunder: Insgesamt acht Spieler verließen vor oder in der laufenden Saison den Verein. Leistungsträger wie Mats Hummels, Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan befinden sich auf der Verlustseite. Ersetzt wurden sie durch eine Mischung aus blutjungen Talenten wie Ousmane Dembélé, Mikel Merino oder Emre Mor und erfahrenen Führungsspielern wie André Schürrle, Sebastian Rode und Mario Götze. Doch gerade die Abteilung "Erfahrung" konnte bislang nicht liefern.
Die Führungsetage der Borussia hat das erkannt und muss nach der Saison reagieren. Einen weiteren Rekordsommer mit Ausgaben von rund 112,5 Millionen Euro, so viel gab zuvor noch nie ein deutscher Klub innerhalb eines Transferfensters für neue Spieler aus, schließt Hans-Joachim Watzke aber aus.
Es scheint also, ein Mentalitätsleck beim BVB zu geben. Wo genau sich dieses befindet? Eurosport.de macht den Kadercheck.
Tor:
Auf der Torwartposition ist die Borussia gut besetzt. In seiner Premierensaison 2015/2016 tauschte Thomas Tuchel Neuzugang Roman Bürki gegen die jahrelange Nummer eins Roman Weidenfeller. Nach anfänglichen Unsicherheiten, die aufgrund einer starken Saison nicht weiter ins Gewicht fielen, ist der Schweizer mittlerweile ein echter Rückhalt, vielleicht sogar ein Leader. An Mentalität mangelt es im Tor nicht.
Abwehr:
Der Abgang von Abwehrchef und Kapitän Mats Hummels vor der Saison wog schwer. Weder Marc Bartra, der als Hummels-Nachfolger vom FC Barcelona geholt wurde, noch Sven Bender, Matthias Ginter oder Sokratis konnten das entstandene Loch im Abwehrzentrum zufriedenstellend schließen. Das Ergebnis: Der BVB kassierte bereits 23 Gegentreffer, liegt in dieser Statistik nur auf dem siebten Rang in der Bundesliga. Zum Vergleich: In den Meisterjahren 2011 und 2012 hatte der BVB zum selben Zeitpunkt zwölf und 14 Gegentreffer auf dem Konto.
Diese Entwicklung ist jedoch wenig verwunderlich. Ohne Hummels fehlt der absolute Leader in der Viererkette. Schon vor der Saison bemühte sich der BVB deshalb um Wunschspieler Ömer Toprak, dem allerdings von Leverkusens Sportchef Rudi Völler die Freigabe verweigert wurde. Alternativ wurde Bartra, Bankspieler vom FC Barcelona, verpflichtet, der diese Rolle bisher nicht ausfüllen konnte.
Der BVB hat deshalb bereits nachgebessert und Toprak per Ausstiegsklausel (12 Mio. Euro) für die kommende Spielzeit verpflichtet. Ein Spieler, der durchaus als "Mentalitätsspieler" durchgehen würde. Zusammen mit Sokratis könnte er dann die Stamm-Innenverteidigung bilden. Mit Bartra, Ginter und Bender wären die Dortmunder auch in der Tiefe und für eine eventuelle Dreierkette gut bestückt.
Mittelfeld:
Das Mittelfeld der Borussia ist hochkarätig besetzt. Spieler wie Shinji Kagawa, Gonzalo Castro, Sebastian Rode, Nuri Sahin, André Schürrle und Mario Götze mischen in der Theorie die nötige Erfahrung unter die jungen Wilden. Das Problem: Regelmäßige Spielzeit bekommen sie nicht.
Der 21-jährige Julian Weigl, der 19-jährige Dembélé oder der 18-jährige Christian Pulisic sind die Konstanten im Mittelfeld. Die WM-Helden Götze und Schürrle laufen ihrer Form oder Fitness hinterher, der als Kämpfer bekannte Rode kommt wegen ständiger Verletzungen nicht in den Rhythmus (nur 11 BL-Einsätze), Kagawa (10 BL-Einsätze) und Sahin (1 BL-Einsatz) stehen mehr oder weniger auf dem Abstellgleis.
Einen echten Leader sucht man im BVB-Mittelfeld vergeblich. Hier würde ein "Mentalitätsspieler", ein international erfahrener Spieler, an dem sich die Weigls und Dembélés orientieren können definitiv Sinn machen. Ob die kolportierte Verpflichtung von Mönchengladbachs Mahmoud Dahoud diese Lücke schließt ist zumindest fraglich.
Sturm:
Den Sturm der Borussia bilden nach dem Abgang von Adrian Ramos der Gabuner Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus und Neuzugang Alexander Isak. Letzterer stieß erst in der Winterpause zum Kader, ist bislang noch ohne Einsatz und braucht laut Tuchel noch Zeit. Wirkliche Tiefe sieht anders aus. Doch fehlt es an Mentalität? Eher nicht. Aubameyangs Torquote spricht auch in dieser Saison trotz schwachen Leistungen in Darmstadt und Lissabon wieder für sich: 21 Tore in 28 Pflichtspielen. Darunter natürlich auch Treffer gegen "kleine" Mannschaften.
Auch Marco Reus meldete sich nach langwieriger Schambeinverletzung in starker Form zurück und ist nicht für Mentalitätspronbleme bekannt. Das ganze könnte sich jedoch ändern, sollten Reus oder Aubameyang den Verein nach der Saison verlassen.
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