Julian Weigl drückte den Rücken durch, holte Luft und redete Klartext. "Es fühlt sich an wie eine Niederlage", sagte er, "wir müssen das hart analysieren und unsere Lehren daraus ziehen." Weigl, das war ihm anzusehen und seinen Worten zu entnehmen, wollte sich mit diesem wilden 3:3 (0:2) beim FC Ingolstadt, das vor allem aus Sicht von Borussia Dortmund einer Fahrt auf einer Achterbahn glich, nicht abfinden. Ein Unentschieden bei einem Tabellenletzten, nur zwei Punkte aus den letzten drei Spielen, nein, das entspricht nicht dem Selbstverständnis eines Nationalspielers.

Verletztenmisere ist allgegenwärtig

Thomas Tuchel sah sich deshalb nach einem Spiel, in dem seine Mannschaft aus einem 0:2 und einem 1:3 beinahe noch einen Sieg gemacht hätte, dazu berufen, das große Ganze zu betrachten. "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht", sagte er, außerdem:
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UPDATE 22/10/2016 UM 19:29 UHR
Du kannst Erfahrung nicht herbeireden, man muss sie einfach machen.
Übersetzt heißt dies: Diese junge Mannschaft kann die hohen Erwartungen, die in Borussia Dortmund gesetzt werden, nicht von heute auf morgen erfüllen. Und schon gar nicht, wenn sie ständig von Verletzungssorgen geplagt wird. Denn auch in Ingolstadt fehlten wie zuletzt üblich wieder acht Spieler verletzungsbedingt. Emre Mor saß rotgesperrt auf der Tribüne.

Erste Hälfte zum vergessen

Wie stark die Leistungen der Dortmunder in dieser Saison oszillieren, war in den knapp 94 Spielminuten in Ingolstadt bestens zu betrachten. Die erste Halbzeit - eine Katastrophe. "Die erste Halbzeit war mit der Halbzeit bei Odds BK die schlechteste Mannschaftsleistung, die ich bisher erlebt habe", sagte ein fassungsloser Matthias Ginter unmittelbar nach der Partie.
"Völlig wertfrei", sagte Tuchel, wolle er festhalten, dass seine Mannschaft in der ersten Halbzeit nicht bereit gewesen sei, "Bundesliga zu spielen, in keinem Bereich". Und ja, räumte er ein, "es war möglich, noch höher zurückzuliegen, so hoch zurückzuliegen, dass kein Comeback mehr möglich ist." Den Sieg, der kurz vor dem Abpfiff noch möglich gewesen wäre, "hätten wir nicht wirklich verdient gehabt".
Tatsächlich hätte Ingolstadt den Gästen schon vor der Pause den K.o. versetzen können, wenn nicht müssen. Almog Cohen (6.) und der starke Dario Lezcano (29.) trafen nach Freistößen von Markus Suttner - und allein Lukas Hinterseer hatte noch zwei Treffer auf dem Fuß. Dann gelang den Dortmundern der Anschluss durch Pierre-Emerick Aubameyang (59.), die Schanzer konterten durch Lezcano (60.), und hätte Moritz Hartmann nicht Sekunden später den Pfosten getroffen ... (61.). Adrian Ramos (69.) und der eingewechselte Christian Pulisic (90.+1) retteten den Punkt.

Tuchel: "Es geht viel besser"

Dortmund ist einstweilen Tabellensechster in der Bundesliga, nach einem furiosen Start in die Saison muss sich die Mannschaft quälen. "Es geht viel besser", betonte Tuchel, "aber in der Summe der Spiele, in der Summe dessen, was wir da verlangen, habe ich da schon auch Verständnis." Gegenüber "Sky" machte er deutlich, warum dieses Verständnis für seine Mannschaft derzeit so groß ist:
Wir spielen seit längerem englische Wochen mit A-Jugend-Spielern.
Seine sehr junge Mannschaft ist noch längst nicht so weit, die mentalen und körperlichen Anforderungen, die unter schwierigen Bedingungen an einen Champions-League-Teilnehmer gestellt werden, so mir nichts, dir nichts zu bewältigen. "Es ist normal", sagte er, "solche Phasen auch zu erleiden."

Warten auf die Rückkehrer

Und deshalb, betonte Tuchel, sei er auch "sehr weit davon entfernt", seiner Mannschaft nach Spielen wie in Ingolstadt einen Vorwurf zu machen. Auch, wenn einige meinen, ein Unentschieden fühle sich an wie eine Niederlage.
In den nächsten Wochen sollen beim BVB einige Stammspieler wieder zurück zur Mannschaft stoßen. André Schürrle, Marco Reus, Raphaël Guerreiro, Sokratis und Marcel Schmelzer - alles bereits Kandidaten für das "wichtigste" Spiel der Hinrunde: das Revierderby gegen Schalke 04 am kommenden Samstag-Abend. Die perfekte Gelegenheit für die Borussia, eine neue positive Serie in der Liga zu starten.

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