FC Bayern München auf dem Transfermartkt: Corentin Tolisso ist erst der Anfang
Mitte Juni hat der FC Bayern auf dem Transfermarkt schon ordentlich zugelangt. Rund 70 Millionen Euro wurden bereits in neue Spieler investiert - jedoch vornehmlich in junge Talente als in gestandene Hochkaräter. Ein Großangriff? Nein. Zu diesem Zeitpunkt heißt das aber noch gar nichts. Die heiße Phase hat für den Rekordmeister gerade erst begonnen, wie Beispiele aus vergangenen Jahren belegen.
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Corentin Tolisso, Niklas Süle, Sebastian Rudy, Serge Gnabry. Der FC Bayern hat sich Stand jetzt mit drei jungen Talenten und einem gestandenen Bundesligaspieler (Rudy) verstärkt.
Während der Meisterfeier auf dem Münchner Rathausbalkon hatte Präsident Uli Hoeneß noch von "Granaten" gesprochen, die es brauche, um den derzeitigen Münchner Kader zu verstärken.
Nach einer Saison, in der die Münchner den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurden (Meisterschaft als einziger Titel), erwarten Fans und Experten eine Transferoffensive, wie es sie bei einem deutschen Klub lange nicht oder noch gar nie gegeben hat.
Die "Kategorie Sanchez"
Nach dem unglücklichen Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund sagte Bayern-Legende und ARD-Experte Mehmet Scholl: "Ich glaube, dass Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß verrückte Dinge machen werden."
Und weiter:
Scholl sprach damit aus, was sich das Gros der Bayern-Fans denkt, wünscht und vielleicht auch verlangt. Dabei geht es dem FC Bayern nicht nur darum, wie selbstverständlich ins Pokalfinale nach Berlin einzuziehen und den goldenen Pott mit nach Hause zu nehmen.
Es geht auch um einen Fingerzeig in Richtung Real Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin und Paris Saint-Germain. Es geht um die Champions League.
Dass die Bayern seit Wochen in der "Kategorie Sanchez" denken, ist bekannt. Mit Marco Verratti, Adrien Rabiot, Romelu Lukaku oder James Rodriguez haben sie eine Menge "Granaten" auf dem Zettel, jedoch nicht im Kader. Verpflichtet hat der Rekordmeister bisher, bei allem Respekt, nur China-Böller.
"Granaten" kommen spät
Aber: Wer denkt, die Bayern hätten ihr Pulver bereits verschossen, irrt sich. Es läuft alles nach Plan in München, das zeigt die Vergangenheit. Die echten Kracher aus dem Ausland wurden regelmäßig - frei nach dem Motto "hinten ist die Ente fett" - relativ spät verpflichtet. Dabei scheint es darauf anzukommen, ob der Wunschspieler aus dem In- oder Ausland nach München wechselt.
Ein Beispiel: Von den sechs teuersten Bayern-Transfers, bei denen Spieler aus dem Ausland an die Isar wechselten, wurden nur zwei vor Juli verpflichtet (Renato Sanches, 10. Mai 2016 und Corentin Tolisso 14. Juni 2017). Javi Martinez (29. August 2012), Arturo Vidal (23. Juli 2015), Douglas Costa (01. Juli 2015) und Medhi Benatia (27. August 2014) kamen allesamt später.
Im Vergleich dazu wurden die teuersten fünf Verpflichtungen von Spielern aus der Bundesliga eher früh getätigt. Mario Götze (23. April 2013), Mats Hummels (10. Mai 2016), Mario Gomez (26. Mai 2009), Manuel Neuer (01. Juni 2011) und Niklas Süle (15. Januar 2017).
Es passt also ins Bild, dass Rudy, Süle und Gnabry schon weit vor Beginn der Sommervorbereitung ihre Verträge in München unterzeichnet haben, Weltstars aber noch auf sich warten lassen.
Rummenigge und Hoeneß lassen Tür offen
Hoeneß prognostizierte im "Bayrischen Rundfunk", es werde "sicherlich einen Mix zwischen erfahrenen Spielern und Spielern mit Zukunft" geben.
Da bisher vermehrt auf letzteres zugegriffen wurde, hört sich das genauso wenig nach Beendigung der Aktivitäten für diesen Sommer an, wie Rummenigges Statement auf der vereinseigenen Homepage nach dem Tolisso-Deal:
Und das können sie auch gar nicht. Schließlich könnten durch Verkäufe weitere offene Planstellen entstehen, die einerseits frisches Geld in die Kassen spülen würden, andererseits hochkarätig besetzt werden müssten. Für Costa, an dem Juventus Turin dran ist, wären dem Vernehmen nach rund 45 Millionen Euro fällig.
Auch der Verbleib von Jérôme Boateng, der sich in der Innenverteidigung nach langer Verletzungspause meist auf der Bank hinter Mats Hummels und Martinez wiederfindet, und Sanches, der in seinem ersten Jahr enttäuschte, ist noch nicht gesichert.
Sollten nach Xabi Alonso und Philipp Lahm (beide Karriereende) weitere Topstars den Bayern-Kader verlassen, dürfte die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt ein für alle Mal vorbei sein.
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