FC Bayern - Werder Bremen: Erste Gala unter Carlo Ancelotti - Ganz schön frei

Der FC Bayern München macht im ersten Bundesliga-Spiel unter Carlo Ancelotti den ersten Schritt für einen Start-Ziel-Sieg in der Meisterschaft. Beim 6:0 (2:0) gegen Werder Bremen sind die Münchner schon wieder in Champagnerlaune, zeigen, wie viel Spaß der kumpelnde Trainer bereits verbreitet hat – und welche Nuancen er im Bayern-System zu welchem Zweck verändert hat.

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Aus der Allianz Arena berichtet Florian Bogner
Das erste Tor der Saison war so schön, da konnte man glatt nochmal hinsehen. Taten die Spieler auch.
Während Werder Bremen beim FC Bayern München zu seinem ersten, einzigen und sehr unwichtigen Eckball kam und die Profis auf dem Rasen gen Strafraum trabten, hoben einige die Köpfe, um oben über der Südkurve auf der Video-Leinwand die Wiederholung des Kunstwerks zu bestaunen, das Xabi Alonso kurz zuvor geglückt war.
Der Spanier hatte die 54. Bundesliga-Saison mit einem fulminanten Volleyschuss jenseits der Strafraumgrenze eingeläutet, ein gewaltiges Ding-Dong in Minute neun zum 1:0. Nach weiteren Toren durch Robert Lewandowski (13., 46., 77./Elfmeter), Philipp Lahm (66.) und Franck Ribéry (73.) zum 6:0-Sieg waren die Bayern schon in Champagnerlaune.

Ancelotti schenkt Lahm Champagner

"Ich erwarte den Champagner nächste Woche in meinem Spind", sagte Torschütze Lahm und grinste, weil ihm Trainer Carlo Ancelotti für dessen fein herausgespielten Treffer nach Doppelpass mit Thomas Müller tatsächlich eine solche Flasche versprochen hatte.
Der 6:0-Sieg zum Auftakt war aus Bayern-Sicht ganz ordentlich, aber sicher noch kein Muster für ein neues Bayern, das Carlo-Bayern – dafür war Bremen schlicht zu schlecht. Ganz schön frei standen die Bayern-Spieler die meiste Zeit in Strafraumnähe, allein Robert Lewandowski hätte auch fünf oder sechs Tore schießen können.
Ganz schön frei spielten sie aber auch; ein wenig befreit von zu viel Betonung auf Ballkontrolle, etwas defensiver in der Grundordnung zwar, dennoch zielstrebig Richtung Tor. "Wenn wir den Ball hatten, sah es nach Spielfreude aus", meinte Comebacker Mats Hummels.

Alle Freiheiten für Ribéry und Müller

Unter Ancelotti spielte die Innenverteidigung am Freitag etwas tiefer als bei Guardiola, die Mittelfeldspieler sicherten gegen Bremen zusätzlich den Raum hinter den Außenverteidigern ab.
Die nominellen Außenstürmer Franck Ribéry (links) und Thomas Müller (rechts) hatten dagegen meist alle Freiheiten; zogen oft schon früh nach innen, machten so die Außenbahn für David Alaba und Philipp Lahm frei. Oder lauerten direkt auf Zuspiele in die Tiefe.
Und so verriet auch Ancelotti nach der x-ten Beteuerung, nicht viel verändert zu haben:

Ein bisschen Heynckes, ein bisschen Guardiola

Über außen – so hatte es Pep Guardiola in seinem dritten Jahr auch probiert. Vertikal – das entspricht eher dem Stil von Triple-Gewinner Jupp Heynckes, denn dem des direkten Vorgängers. Ancelotti ist ein schlauer Trainer: von diesem was, von jenem was. Den Fußball wird er nicht neu erfinden, dass weiß er.
Das Spiel seiner Bayern verfolgte er lange stoisch mit verschränkten Armen vor dem in einen dunklen Anzug gekleideten Körper. Zum Torjubel gingen beide Fäuste in die Luft. Der Blick blieb cool. "Das war ein guter Start. Wir haben ein frühes Tor gemacht, danach hatten wir die Kontrolle", sagte Ancelotti zufrieden.
In Summe waren’s am Ende 27:4-Torschüsse, 8:1 Ecken, 71:29 Prozent Ballbesitz, 89 Prozent angekommene Pässe – nicht viel Neues.

Mittelfeld erinnert an Milan-Zeiten

Ancelottis 4-3-3 erinnerte dabei ein bisschen an seine Milan-Tage. Vor allem die drei Mittelfeldspieler: oft auf einer Höhe, bei Ballbesitz des Gegners teilweise dicht vor die eigene Abwehr postiert. Ein kleines Bollwerk gegen gegnerische Konter plant der Italiener da, zuletzt oft die Schwachstelle.
Mit anderen Wirkungen: "Unser jetziges Spiel ist auch sehr laufintensiv – das darf man nicht vergessen: Die Außenverteidiger stehen sehr hoch, was bedeutet, dass man weite Wege zurück machen muss, wenn man nicht sofort gegenpresst", dozierte Philipp Lahm: "In den letzten Jahren hatten wir durch das Pressing schnell den Ball wieder und dadurch kurze Wege."
Thomas Müller meinte zum Start mit dem neuen Coach:
Das "Aber" klang bei Müller dafür so: "Wir hatten erst drei Pflichtspiele. Es werden in einer Saison immer Probleme kommen und wenn keine kommen, werden welche gemacht. Also warten wir’s mal ab."
Das Tor von Alonso kann man sich aber ruhig nochmal anschauen.
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