Die "Alte Dame" Hertha BSC ist so gut wie noch nie, doch Pal Dardai gönnte sich nur einen ganz kleinen Moment der Freude. "Das ist ein Riesensieg", sagte der Berliner Trainer nach dem hart erkämpften 2:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln. Ansonsten gab es keine überschwänglichen Jubelarien, keine große Kampfansagen - und schon gar kein Gerede vom Bayern-Jäger oder der Champions League: Der Hauptstadtklub bleibt trotz des besten Saisonstarts seiner Bundesliga-Geschichte auf dem Boden. Trotz der Rekordausbeute von 17 Punkten, trotz des vor der Saison nicht für möglich gehaltenen zweiten Tabellenplatzes.

Hertha will kein Bayern-Jäger sein

"Zu dieser frühen Phase der Saison hat das nicht so eine wahnsinnig große Aussagekraft. Was für uns große Aussagekraft hat, ist, dass wir zu diesem frühen Zeitpunkt 17 Punkte haben. Das ist natürlich klasse", sagte Manager Michael Preetz. Und Torschütze Vedad Ibisevic ergänzte bei Sky:
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Wir spielen im Moment gut, aber Bayern-Jäger sind wir nicht. Das sind andere Mannschaften.
Doch während die favorisierten Teams wie Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen schwächeln, setzt sich die Hertha Stück für Stück in der Spitzengruppe fest. Mit akribischer Arbeit, konsequenter Entwicklung - und gegen Köln auch mit der gehörigen Portion Glück. Bis zum Schlusspfiff mussten die Gastgeber in einer dramatischen Schlussphase um den im Endeffekt verdienten Erfolg allerdings zittern.
Erst trafen die Kölner wenige Minuten vor Abpfiff Pfosten und Latte, dann verweigerte Schiedsrichter Frank Willenborg dem vermeintlichen Ausgleichstreffer von Artjoms Rudnevs in der Nachspielzeit die Anerkennung. Ibisevic (13.) und Niklas Stark (74.) hatten zuvor die Tore für die Herthaner erzielt, Anthony Modeste (65.) mit seinem achten Saisontreffer für die Kölner zwischenzeitlich ausgeglichen.

Dardai sieht "Chaos" in der Schlussphase

"Seitdem ich hier bin, war in den letzten 15 Minuten noch nie so ein Chaos", sagte Dardai zu den turbulenten Schlussminuten:
Aus der Endphase müssen wir lernen, da müssen wir uns besser präsentieren.
Allerdings habe seine Mannschaft nach dem Ausgleich auch "Moral gezeigt", betonte der Ungar.
"Die Erleichterung ist groß, so ein Spiel zu gewinnen. Wir haben nicht die Qualität, jeden Gegner aus dem Stadion zu schießen. Wichtig ist, dass man so Spiele gewinnt", sagte Ibisevic:
Der Schlüssel ist, dass wir so viel investieren. Wir haben Spaß, miteinander zu spielen.

Homophobes Plakat in der Ostkurve

Das können die Berliner bereits am kommenden Dienstag wieder unter Beweis stellen. Dann geht es im Pokal beim Zweitliga-Schlusslicht FC St. Pauli weiter um den Traum vom Pokal-Endspiel im heimischen Wohnzimmer. In der derzeitigen Verfassung wäre alles andere als ein Sieg ein herber Dämpfer.
Für Missstimmung sorgte allerdings ein homophobes Plakat in der Berliner Ostkurve. "Hertha BSC distanziert sich seit jeher von jeglicher Form von Diskriminierung!", kommentierte der Klub den Vorfall.
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