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Taktik-Check: Darum ist Werder Bremen die Mannschaft der Stunde

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Werder Bremen im Taktik-Check: Max Kruse und Alexander Nouri (r.)

Fotocredit: Getty Images

VonLuca Baier
05/05/2017 Am 14:27 | Update 05/05/2017 Am 14:27

Bis zum 20. Spieltag präsentierte sich der SV Werder Bremen wie ein Abstiegskandidat. Jetzt schnuppern sie an den Europa-League-Rängen. Vor dem wichtigen Spiel beim 1. FC Köln (Freitag, 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) analysieren wir, warum die Mannschaft von Trainer Alexander Nouri mittlerweile so stark ist.

Das 5-3-2 bringt defensive Stabilität

Werder spielt seit einigen Monaten konstant im 5-3-2-System. Wie Claudio Pizarro im Interview mit eurosport.de erklärte, habe Trainer Alexander Nouri mit der Mannschaft sehr viel im taktischen Bereich gearbeitet. Der Peruaner sagt:

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Werder-Wahnsinn soll auch in Köln weitergehen: "Stolz auf unsere Serie"

05/05/2017 AM 08:23
Wir sind eine Mannschaft, die defensiv sehr kompakt steht, um dann schnell zu kontern.

Die Innenverteidigung, die von Niklas Moisander, Lamine Sané und Milos Veljkovic gebildet wird, profitiert besonders von der Umstellung von Vierer- auf Fünferkette. Alle drei sind Verteidiger, die gerne die Kette verlassen, um Druck auf die Gegenspieler zu machen. Geschieht dies in einer Viererkette, ergeben sich dahinter große Räume. Die Fünferkette hingegen sichert dieses Vorrücken ab, sodass Moisander und Co. wieder mutig attackieren können.

Prunkstück Dreiermittelfeld

Ein weiterer Faktor für die defensive Stabilität ist die defensive Dreierreihe im Mittelfeld. Drei zentrale Mittelfeldspieler vor drei Innenverteidigern: Das ergibt gleich sechs Spieler, die den wichtigsten Spielfeldbereich abdecken. Zum Vergleich: Im 4-4-2 wird dieser Raum von nur vier Spielern besetzt, die Außenbahnspieler müssen weite Wege beim Verschieben gehen, um das Zentrum zu stärken.

Mit Florian Grillitsch und Zlatko Junuzovic auf den Halbpositionen sowie Thomas Delaney oder zuletzt in dessen Vertretung Maximilian Eggestein auf der Sechserposition bietet Nouri stets laufstarke und disziplinierte Akteure im Zentrum auf. Einer von ihnen verfolgt den tiefsten zentralen Mittelfeldspieler des Gegners, um ihn beim Aufbau aus dem Spiel zu nehmen. Die Folge: Viele Gegner versuchen es gegen Werder frühzeitig über die Außenbahnen.

Florian Grillitsch, Fin Bartels, Max Kruse (Werder Bremen)

Fotocredit: Imago

Der Pass auf den gegnerischen Außenverteidiger ist für Werder das Pressingsignal. In diesen Situationen schiebt Linksverteidiger Robert Bauer etwas vor, Moisander hat dahinter ein Auge auf Bauers nominellen Gegenspieler. Zusätzlich wird der gegnerische Außenverteidiger vom ballnahen Werder-Achter (links also meist Junuzovic) angelaufen. Ein Stürmer der Grün-Weißen stellt den Rückpass auf den Innenverteidiger zu, der andere Stürmer lauert zentral auf ungenaue Pässe. Der Weg nach außen ist für den Gegner gegen Werders 5-3-2 zwar leicht, der Weg zurück in die gefährlichen Zonen dafür oft unmöglich.

Spielmachender Innenverteidiger und falsche Neuner Auch mit dem Ball haben die Bremer einige interessante Ansätze in ihrem Spiel. In Ballbesitz wird das 5-3-2 zu einem 3-1-4-2, da die Außenverteidiger weit aufrücken. Weil Sané zentral etwas tiefer steht als Moisander und Veljkovic, sieht man im Aufbau oftmals eine Raute mit dem Sechser an der Spitze. Zwischen diesen vier Spielern lassen sie den Ball geduldig laufen. Die meisten Gegner pressen mit zwei Spielern (Stürmer und Zehner), sodass Werder leicht um diese herum spielen kann.

Bartels ergänzt Kruse

So wird besonders Moisander immer wieder freigespielt. Der ehemalige Ajax-Akteur ist ein herausragender Passspieler. Mit beiden Füßen kann er lange Bälle hinter die Kette, Spielverlagerungen oder scharfe Flachpässe zwischen die Linien spielen. Diese Bälle zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners sind in der Regel an Werders unorthodox daherkommende Doppelspitze gerichtet. Max Kruse treibt sich oft und gerne im Zehnerraum herum und weicht auch oft auf die Flügel aus. Stockt es im Spielaufbau, reiht er sich teilweise sogar neben den zentralen Mittelfeldspielern ein und kurbelt das Offensivspiel an.

Sein Sturmpartner Fin Bartels ist ein gelernter Flügelflitzer. Er positioniert sich meistens zwischen dem gegnerischen Innen- und Außenverteidiger. Letzterer soll so vor Probleme gestellt werden, wenn Bauer oder Gebre Selassie weit vorrücken. Besonders gefährlich sind zudem Bartels´ gut getimte Läufe hinter die Abwehrkette. Dass zuletzt besonders das Sturmduo glänzte ist also kein Wunder – sie ergänzen sich hervorragend.

Eurosport-Check: Bis zum 20. Spieltag spielte Werder nicht selten wie ein Absteiger. Der taktische Umbruch, der nahezu jeden Spieler in seine Idealrolle gebracht hat, erforderte Mut und Kreativität. Alexander Nouri hat beides bewiesen und ist mit seinem Team nun zurecht auf Europa-Kurs. Gelingt ein Sieg beim defensivstarken 1. FC Köln, ist die Qualifikation zum Greifen nahe. Und das kann man dann getrost als neues Wunder von der Weser bezeichnen.

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