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Bundesliga-Relegation: VfL Wolfsburg gegen Holstein Kiel mit grauenvoller Schlussviertelstunde

3 Dinge, die auffielen: Wolfsburgs alarmierende Schlussviertelstunde

18/05/2018 um 07:30Aktualisiert 18/05/2018 um 10:21

Der VfL Wolfsburg gewinnt das Relegations-Hinspiel gegen Holstein Kiel auf dem Papier souverän mit 3:1 (2.1). Die Schlussviertelstunde des Bundesligisten wirft aber Fragen auf und lässt den Zweitligisten hoffnungsvoll ins Rückspiel am Montag gehen (ab 20:30 Uhr im Eurosport Player und im Liveticker). Was uns außerdem auffiel: ein überragendes Wolfsburg-Duo und ein abgemeldeter Kiel-Knipser.

1. Wolfsburgs alarmierende Schlussviertelstunde

Etwas mehr als 70 Minuten hatte der VfL Wolfsburg das Spiel komplett unter Kontrolle. 3:1-Führung, positive Körpersprache, beste Stimmung auf den Rängen. Knappe 20 Minuten später ist das Ergebnis zwar dasselbe, Körpersprache und Stimmung auf der Tribüne jedoch nicht.

Während der VfL nach kurzem Winken in die Kurve relativ schnell in der Kabine verschwand, ließen sich die Kieler in der Fan-Kurve noch Minuten nach Schlusspfiff von den 3.000 mitgereisten Fans feiern.

Wolfsburgs Maximilian Arnold analysierte:

"Wir haben das vierte Tor verpasst und kamen deswegen in der Schlussviertelstunde ins Schwimmen. Wir hatten vorne keine Entlastung mehr, so haben wir Kiel am Leben gelassen."

"Am Leben gelassen" - eine aus Wolfsburger Sicht sehr wohlwollende Formulierung für die Schlussphase, in der Kiel sich eine deutlich bessere Ausgangssituation für das Rückspiel hätte erspielen müssen.

Maximilian Arnold mit Bruno Labbadia (VfL Wolfsburg)

Maximilian Arnold mit Bruno Labbadia (VfL Wolfsburg)Imago

Gefühlte 80 Prozent Ballbesitz (60 Prozent in der zweiten Hälfte) und Torabschlüsse fast im Minutentakt. Marvin Ducksch (82.) und Aaron Seydel (84.) vergaben beste Chancen, Wolfsburg konnte sich kaum noch aus der eigenen Hälfte befreien.

Der sichtlich stolze "Störche"-Trainer Markus Anfang brachte es nach dem Spiel am Eurosport-Mikrofon auf den Punkt:

"Hinten raus muss ich sagen: Es kann sich keiner beschweren, wenn wir zwei Tore mehr schießen."

2. Origi und Malli

Bärenstark. Ein Attribut, das stellvertretend für die Leistungen von Divock Origi und Yunus Malli steht. Der Mittelstürmer und der Regisseur wirbelten 70 Minuten in der Offensive, zeigten die wohl beste Leistung der Saison im wichtigsten Spiel der Saison.

Die Statistiken sprechen für sich: Malli traf zum 3:1-Endstand, bereitete das 1:0 durch Origi aus der linken Strafraumhälfte mit einem gefährlichen Querpass in den Fünfer mit vor. Als offensiver Mittelfeldspieler gewann er 67 Prozent seiner Zweikämpfe (Team-Bestwert) und brachte 84 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler (ebenfalls Team-Bestwert).

Origi war ständiger Gefahrenherd im gegnerischen Sechzehner und von den Innenverteidigern Dominik Schmidt und Rafael Czichos kaum in den Griff zu kriegen. In der 13. Minute war er für den Abstauber zum 1:0 zur Stelle, in der Folge glänzte er mit körperlicher Präsenz und exzellenter Vorlagengeber. Das 3:1 durch Malli bereitete er nach Balleroberung mit einem perfekten Steilpass in den Lauf des 26-Jährigen vor.

3. Ducksch abgemeldet

In gewisser Weise entscheiden die Relegationsspiele nicht nur darüber, in welcher Liga der VfL Wolfsburg oder Holstein Kiel in der nächsten Saison spielen. Sie entscheiden auch, welche Leistungsträger die Kieler halten können. Gelingt der Aufstieg in die Bundesliga nicht, macht sich Sportdirektor Ralf Becker bei einer Personalie keine Hoffnungen:

"Wenn wir in der zweiten Liga spielen, werden wir keine Chance haben, Marvin Ducksch zu halten."

Der beste Torschütze der vergangenen Zweitligasaison (18 Tore in 33 Spielen) ist das Gesicht des Kieler Erfolgs. Dementsprechend groß waren die Hoffnungen, die vor dem Spiel auf ihn gesetzt wurden.

Ducksch tat sich jedoch lange Zeit schwer, war bis zur furiosen Schlussphase der Kieler komplett abgemeldet. In der ersten Halbzeit hatte er lediglich 13 Ballaktionen, keinen Torschuss und verlor mehr als 80 Prozent seiner Zweikämpfe. Erst als die "Störche" als Kollektiv zum Spielende noch einmal aufwachten, war auch Ducksch ins Spiel eingebunden.

In der 82. Minute hätte er nach Pass von Alexander Mühling auf 2:3 stellen müssen, setzte den Ball frei vor dem "Wölfe"-Tor mit dem rechten Außenrist aber knapp links oben am Winkel vorbei.

Im Rückspiel braucht Kiel nun mindestens zwei Tore. Auch dann werden die Hoffnungen wieder auf Ducksch ruhen...

Video - Torjäger Ducksch verrät: Das macht Kiel so stark

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