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FC Bayern: Youngster Niklas Dorsch und Co. - bei Anruf Tor

Bei Anruf Tor: Bayerns Youngstertruppe führt Frankfurt vor

28/04/2018 um 19:12Aktualisiert 28/04/2018 um 21:53

Niklas Dorsch, Franck Evina und Meritan Shabani feiern beim 4:1 des FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt ihr Profi-Debüt, dazu darf Lasse Mai erneut in der Abwehr ran. Dorsch gelingt sogar ein Tor und damit etwas, was es seit 29 Jahren nicht mehr gab. Sandro Wagner sieht die Leistung der Youngster als Kompliment für die gesamte Jugend-Abteilung. Doch viele Chancen wird es nicht geben.

Aus der Allianz Arena berichtet Florian Bogner

Niklas Dorsch (20): Bei Anruf Tor

"Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen", sagte Jupp Heynckes zu seiner Maßnahme, gleich vier Nachwuchsspieler gegen Eintracht Frankfurt auflaufen zu lassen, drei davon als Debütanten. "Mein Fokus war auf Dienstag gerichtet", gab der Bayern-Trainer unumwunden zu.

Einer, der ran durfte, war Niklas Dorsch. Und es ist ja manchmal so: Da hast du eigentlich mit allem abgeschlossen und dann passiert doch das, was du dir immer gewünscht hast. "Man sagt ja oft, dass nur der Fußball solche Geschichten schreibt", sagte der junge Mann hinterher, "und das ist auch glaube ich so."

Niklas Dorsch gehört schließlich schon seit 2016 qua Vertrag zu den Bayern-Profis, darf aber nicht bei selbigen mittrainieren - die Bayern deckten mit ihm und Fabian Benko offenkundig nur den vorgeschriebenen Nachwuchsspieler-Bedarf im eigenen Profi-Kader.

Die Chance, sich im Profi-Team zu zeigen, bekam der U23-Kapitän bis Samstag nie (dreimal auf der Bank) und wird deshalb auch seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern.

"Das macht mich extrem stolz", sagte Dorsch. "Die Jungs haben mir vorher gesagt, dass ich öfter mal in die Box mitgehen soll, dann bekomme ich meine Chance. Das ist wie im Traum, megaschön."

Im 4-1-4-1 durfte Dorsch auf der Thiago- oder James-Position halblinks offensiv ran und tat sich zu Beginn noch schwer, das Spiel zu gestalten. Dorsch schirmte den Ball ein paar Mal gut gegen die körperlich stärkeren Gegenspieler ab, musste aber auch schnell lernen, dass eine unsaubere Ballannahme drei Ligen höher als sonst sofort zum Ballverlust führt.

Mit laufender Uhr kam aber auch Dorsch immer besser rein: Nach 43 Minuten lief er dann nach Kimmichs Pass auf Sandro Wagner klug in den Strafraum mit und hob den Ball nach kurzer Verzögerung schön über Abraham zum 1:0.

"Ich muss mich beim Trainer und der Mannschaft bedanken", sagte Dorsch, "sie haben mich super aufgenommen. Es ist nicht so leicht, in einem Weltklasseklub als junger Spieler reinzukommen und direkt seine Leistung abzurufen vor so vielen Zuschauern. Ich denke, dass mir das gut gelungen ist."

Und dass, obwohl Dorschs Wochenendplan eigentlich anders aussah: Regionalliga-Derby mit den Amateuren am Sonntag gegen den TSV 1860, ehe er erst am Freitag per Anruf informiert wurde, dass er bei den Profis dabei ist.

"Da war komplett Gefühlschaos", gestand Dorsch, der dennoch am Sonntag unbedingt dabei sein will. "Ob's reicht, kann ich nicht sagen. Die Beine sagen erst mal nichts Gutes."

Ein schönes Abschiedsgeschenk war's - im Sommer ist Schluss bei Bayern, das steht fest. "Ich will den nächsten Schritt gehen", sagt er. Seine Zukunft liegt offenbar bei einem noch nicht genannten Zweitligisten - oder auch in der Bundesliga, da Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg zu den Interessenten zählen sollen:

"Welche Möglichkeiten sich durch heute ergeben - keine Ahnung. Aber ich war mit ein paar Vereinen in Gesprächen."
Niklas Dorsch gegen Eintracht Frankfurt

Niklas Dorsch gegen Eintracht FrankfurtImago

Franck Evina (17): Links wie Rechts

Seinen starken rechten Fuß durfte er als Ersatz für den anderen Bayern-Franck gegen Frankfurt zunächst als Linksaußen zeigen, lieferte sich dort schöne Duelle mit Danny da Costa und trat offensiv nach Sandro Wagner als zweitauffälligster Bayer in Erscheinung, wenn auch zunächst ohne große Gefahr bei Kopfball (3.) oder Effet-Schuss (11.).

Nach Shabanis Auswechslung wechselte Evina auf rechts und bereitete eine Kopfballchance für Wagner vor, wenn auch aus Abseitsposition (63.). Kurze Zeit später wurde er unter Applaus für Niklas Süle ausgewechselt (66.).

Arbeitsnachweis: 40 Ballaktionen, 14 Zweikämpfe (57 Prozent gewonnen), drei Flanken, zwei Torschüsse, eine Torschussvorlage sowie ein erfolgreiches Dribbling – ordentlich.

"Großes Kompliment an die jungen Spieler", sagte Sven Ulreich. "Es ist nicht einfach, wenn man sich kaum kennt - aber die Jungen haben sich gut eingefügt."

Jupp Heynckes sagte:

"Er hat nur einige Male bei uns mittrainiert. Normalerweise kenne ich alle Jugend- und Amateur-Spieler, aber den hat man mir versteckt irgendwie. Ich habe ihn vorgestern das erste Mal im Training gesehen und ich habe dann auch meinen Staff gefragt, wie er sich in der Vorbereitung geschlagen hat. Dort hat er offenbar gut gespielt und dann ist er wieder irgendwo verschwunden. Ich finde, dass er so, wie ich ihn gesehen habe, eine sehr gute Veranlagung hat, aber noch das professionelle Leben lernen muss. Er braucht Führung, er braucht Korrekturen im Training. Ich glaube schon, dass Niko (Kovac, Anm. d. Red.) an ihm Freude haben könnte."

Evinas Zukunft liegt erst mal weiter beim Regionalliga-Team; dorthin war er nach der Hinrunde, nachdem er sich mit U19-Trainer Sebastian Hoeneß zerstritten hatte, hochgezogen worden (zwei Tore). Evina ist noch bis 2019 per Ausbildungsvertrag an Bayern gebunden und könnte in der kommenden Saison-Vorbereitung nach der WM wieder seine Chance im Profi-Team erhalten.

Franck Evina gegen Eintracht Frankfurt

Franck Evina gegen Eintracht FrankfurtGetty Images

Meritan Shabani (19): Kein Robben-Ersatz

Der 19-Jährige ist in der A-Jugend-Bundesliga normalerweise auf der "Zehn" zuhause (acht Tore, fünf Assists), musste bei seinem Profi-Debüt gegen Frankfurt aber den Robben-Ersatz rechts offensiv geben, wo er körperlich gegen Jetro Willems und Simon Falette doch arg an seine Grenzen stieß und bis zu seiner Auswechslung (56.) die zweitwenigsten Ballkontakte aller Bayern hatte (27).

Der gebürtige Münchner, der schon seit der U8 für die Bayern spielt, harmonierte logischerweise auch nicht so richtig mit Rechtsverteidiger Joshua Kimmich (bzw. Rafinha nach der Pause) - ein misslungener Hackentrick stand dafür sinnbildlich (18.).

Im Bayern-Nachwuchs gilt Shabani seit jeher als Spieler mit großartiger Veranlagung, hat aber möglicherweise nicht den rechten Biss, um es wirklich in die Weltspitze zu schaffen - die Konkurrenz im zentral-offensiven Mittelfeld der Bayern ist schließlich riesengroß.

Nach dem Frankfurt-Spiel weiß Shabani möglicherweise, woran es noch hapert. Ein Jahr hat er noch, um sich zu zeigen - der 19-Jährige ist bis 2019 per Ausbildungsvertrag an Bayern gebunden.

Meritan Shabani gegen Eintracht Frankfurt

Meritan Shabani gegen Eintracht FrankfurtGetty Images

Lars Lukas Mai (18): Das Tempo fehlt noch

Der Kapitän der U19 und Jugendnationalspieler hatte zuletzt immer einen Jahrgang übersprungen und gilt als großes Innenverteidiger-Talent; Mai trug sich zuletzt aber mit Wechselgedanken (Wolfsburg, Hamburg waren dran) - Bayern hat im Profi-Team nunmal mit Jérôme Boateng, Mats Hummels und Niklas Süle drei gestandene Nationalspieler auf seiner Position.

Die Lage änderte sich in der letzten Woche gravierend: Lars Lukas, genannt Lasse, bekam erst sein Startelf-Debüt mit den Profis in Hannover (3:0), unterschrieb unter der Woche dann seinen Profi-Vertrag bis 2021 und stand gegen Frankfurt wieder in der Startelf.

Dass Mai nicht der Schnellste ist, hatte sich offenbar auch bis Frankfurt rumgesprochen: Gerade in der Anfangsphase versuchte die Eintracht, schnell über links nach vorne zu spielen und Branimir Hrgota zu suchen - Mai kam da mehrfach nicht so richtig hinterher.

Am Ball ist der Innenverteidiger deutlich besser, als wenn man ihn zum Laufen zwingt: In direkten Duellen gab sich Mai keine Blöße (fünf von sechs Zweikämpfen gewonnen) und auch im Aufbauspiel wirkte der 18-Jährige mit einer Passquote von 93,5 Prozent ordentlich mit. Zudem verlor er auf Bayern-Seite die wenigsten Bälle (4).

"Der Trainer hat gesagt, dass ich frei von der Leber weg spielen soll, ganz unaufregt. Die ersten Minuten ist die Aufregung noch hoch, aber dann war der Druck weg", sagte Mai.

"Es ist schön zu sehen, dass wir auch viele gute junge Spieler beim FC Bayern haben", sagte Sandro Wagner, einst ebenfalls aus der Bayern-Jugend:

"Das ist ein großer Tag für das 'Junior-Team', nachdem die Nachwuchsabteilung zuletzt öfter in der Kritik war. Man sieht, dass die Maßnahmen Früchte tragen. Die Jungs haben vor 70.000 Leuten ihren Mann gestanden. Sie haben es super gemacht."

Und Sportdirektor Hasan Salihamidzic meinte:

"Ich bin stolz auf sie."

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