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FC Bayern: Was Jupp Heynckes bewirkt hat - und was nicht

Was Heynckes bei Bayern bewirkt hat - und was nicht

22/05/2018 um 10:16Aktualisiert 22/05/2018 um 10:27

Jupp Heynckes verlässt den FC Bayern München nach einer Mission, die als Rettungsdienst begann und fast im Triple kulminierte. Viel fehlte nicht, aber halt ein paar Prozente, einige wenige Nuancen in Champions League und DFB-Pokal. Nach der fahrigen Carlo-Ancelotti-Ägide hat Heynckes bei Bayern eine Menge bewirkt und Problemzonen kaschieren können - ohne alle zu überdecken.

Uli Hoeneß widerspricht energisch, auch Jupp Heynckes war frohgestimmter am Sonntag, als der Deutsche Fußball-Meister auf dem Münchner Rathausbalkon empfangen wurde. Einmal mehr, einmal noch. Nun denn: Zeit für Bilanzen.

Was Heynckes beim FC Bayern bewirkt hat

  • Ergebnisse liefern

"Als wir den FC Bayern am 7. Oktober übernommen haben, hatte er fünf Punkte Rückstand, und fast alle sagen, wir wären nie Meister geworden", berichtet Heynckes im Rückblick mit unterschwelligem Eigenlob.

Jupp Heynckes mit der Meisterschale für den FC Bayern München

Jupp Heynckes mit der Meisterschale für den FC Bayern MünchenGetty Images

Aus fünf Punkten Rückstand wurden 21 Vorsprung, dazu Endspiel im DFB-Pokal und Halbfinale in der Champions League samt "sehr unglücklichem" Aus (Heynckes) gegen Real Madrid. Der sechste Meistertitel in Serie hat den Mindestanspruch an Trophäen gestillt.

  • Spiel optimieren

Carlo Ancelotti hinterließ zerstreute Bayern, ab Herbst zeichnete die Elf wieder sauberes Positionsspiel, aggressiveres Gegenpressing und generell mehr Balance aus. Der Trainerstab um Heynckes, Peter Hermann und Hermann Gerland, erhöhte das Fitnessniveau, das war die Basis zu allem.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic resümiert eine "sehr, sehr gute" Saison, auffällig waren die im Vergleich zu vielen Vorjahren gefährlichen Standards (James Rodríguez!). "Wir haben über weite Strecken überragenden Fußball gespielt, den man auch hier im verwöhnten München lange nicht gesehen hat", findet Heynckes.

  • Zusammenhalt stärken

Klima, Atmosphäre, der Teamgedanke: Aus Einzelspielern der Ancelotti-Ägide wuchs eine Mannschaft. Jérôme Boateng adelt Heynckes für dessen "Menschlichkeit und Wärme, er hat den Spaß und Zusammenhalt zurückgebracht".

Bierdusche beim FC Bayern München von Niklas Süle an Robert Lewandowski (Foto: Paulaner)

Bierdusche beim FC Bayern München von Niklas Süle an Robert Lewandowski (Foto: Paulaner)Eurosport

Der Coach selbst spricht von einem "Privileg, mit großartigen Spielern zu arbeiten. Es war relativ leicht, weil sie mir so viel Respekt entgegengebracht haben. Wir hatten eine harmonische Zusammenarbeit."

  • Einzelne verbessern

James personifiziert das Klinsmann-Mantra, "jeden Spieler jeden Tag besser zu machen". Klappte vor exakt einer Dekade eher mittelgut, Routinier Heynckes aber gelang es, in einem funktionierenden Kollektiv das Individuum zu betonen.

"Viele Spieler sind besser geworden, das nehme ich mit", sagt der 73-Jährige. Speziell Boateng, Thomas Müller und David Alaba näherten sich ihrer 2013er-Form, Javi Martínez bewies im Mittelfeld gewohnte Qualität. Und Niklas Süle wird mal Weltklasse.

Was Heynckes beim FC Bayern nicht bewirkt hat

  • Egoismen verbannen
  • Säulen etablieren

Die Verluste von Bastian Schweinsteiger (2015) und Philipp Lahm (2017) haben die Hierarchie verschoben. Zwar verfügt Bayern mit Manuel Neuer, dem immer engagierteren Ersatzkapitän Müller sowie Robben oder Mats Hummels über profilierte Eckpfeiler; es gibt aber weiterhin Bedarf für Führungsanspruch.

Thiago vom FC Bayern

Thiago vom FC BayernGetty Images

Ein Beispiel dafür ist Thiago, der eigentlich alles kann, aber im ultimativ entscheidenden Moment zu selten überzeugt. Präsident Hoeneß verweigert sich 100-Millionen-Transfers, betont jedoch: "Wir brauchen den ein oder anderen Spieler, der Höchstleistungen in den wichtigen Spielen bringt - und nicht, wenn wir gegen die schwachen Gegner spielen."

  • Effizienz steigern

Letztlich platzten die Triple-Träume aus Eigenverschulden; man hat wohl selten ein schlagbareres Real gesehen als diesmal. "Mir kommt es vor, als wären es immer dieselben Gründe, hinten machen wir Fehler und vorne die Chancen nicht rein", sagt Kimmich.

Das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt verwendet Müller symbolisch für die Saison, als "Abklatsch der Spiele, in denen wir ausscheiden oder verlieren. Das ist eine Mischung aus eigenen Fehlern und nicht genutzten Torchancen."

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