FC Schalke 04 - Borussia Dortmund: Tedescos Taktik im Eurosport-Check
VonLuca Baier
Publiziert 15/04/2018 um 10:27 GMT+2 Uhr
Im Revierderby gegen Borussia Dortmund (heute ab 15:30 Uhr im Liveticker) will der FC Schalke 04 nach dem Ausrutscher beim Hamburger SV wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und den Erzrivalen auf Distanz halten, denn der Vorsprung in der Tabelle beträgt nur noch einen Punkt. Eurosport.de analysiert vor dem Derby die variable Schalker Taktik unter "Knappen"-Coach Domenico Tedesco.
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Fotocredit: Eurosport
Wer sich Spiele des FC Schalke anschaut wird meistens nicht mit besonders viel Spektakel verwöhnt. Einige würden es als langweilig bezeichnen, andere als bieder, wiederum andere vielleicht als sehr effizient.
Fakt ist: Die Schalker stehen in der Defensive sehr stabil und werden kaum einmal ausgespielt. Da sie vorne auf mehrere Arten torgefährlich werden können - Standardsituationen, Konter, Flügelspiel, Einzelaktionen - reicht es meist zu knappen Siegen.
Es wirkt irgendwie jedes Spiel gleich: Schalke steht gut und schießt irgendwann irgendwie ein Tor. Woche für Woche. Schaut man sich die Partien allerdings unter dem Gesichtspunkt Taktik an, stellt man schnell fest, dass es ständig Veränderungen gibt. Schalke hat unter Domenico Tedesco nicht nur einen Plan A, sondern auch Plan B, C und manchmal sogar D.
Dreierkette als Basis für Stabilität
Die größte Konstante ist die Dreierkette, die in der Defensive zu einer Fünferkette wird. Die Vorteile dieser immer beliebter werdenden Abwehrformation liegen auf der Hand: Drei Innenverteidiger sind zunächst einmal eine numerische Verstärkung des gefährlichen Bereichs, zum Beispiel bei Flanken. Zudem können gegnerische Stürmer ins Mittelfeld verfolgt werden, ohne zu große Lücken im Abwehrverbund aufzureißen.
Für die Außenverteidiger bedeutet diese Formation eine bessere Absicherung bei ihren Offensivausflügen, defensiv lässt sich zu fünft die Breite des Platzes schlichtweg einfacher abdecken als in einer Viererkette. Dass Schalke mit Naldo zudem einen Abwehrspieler besitzt, der mit seinem Stärken-Schwächen-Profil perfekt in die Rolle des zentralen Innenverteidigers passt, macht die Sache endgültig rund. Dementsprechend selten weicht Tedesco von seiner Fünferkette ab.
Sechser, Achter, Zehner: Zahlenspiele im Mittelfeld
Die Positionen davor sind deutlich variabler angelegt. In der Regel wechselt Tedesco zwischen einem 5-2-3 und einem 5-3-2. Beim 5-2-3 agiert im Mittelfeld eine Doppelsechs mit recht klassischer Aufteilung: So spielt ein Ballverteiler wie Max Meyer beispielsweise mit einem eher vertikal ausgerichteten laufstarken Spieler wie Leon Goretzka zusammen.
Beim 5-3-2 hingegen gibt es unter Tedesco zwei verschiedene Varianten. Die offensivere der beiden ist eine Anordnung mit einem klaren Sechser vor der Abwehr, der von zwei laufstarken Akteuren auf den Halbpositionen unterstützt wird. Der Vorteil: Mit zwei Stürmern und zwei offensiven Spielern dahinter bindet Schalke den Gegner im Zentrum, die offensiv ausgerichteten Außenverteidiger Bastian Oczipka und Daniel Caligiuri können mit Tempo auf den frei werdenden Außenbahnen nachstoßen und ihre Stärken bei Flankenläufen einbringen.
Die zweite Variante des 5-3-2 nennt Tedesco selbst 5-2-1-2. Dabei agiert ein Zehner vor einer Doppelsechs. Diese Anordnung sieht man bei Schalke meist gegen spielstarke Gegner mit einem Dreiermittelfeld. Zuletzt agierte der fleißige Franco Di Santo hier als Zehner und hatte den klaren Auftrag, den gegnerischen Sechser eng zu decken und gar nicht ins Spiel kommen zu lassen. Sogar gegen die Bayern sah man in dieser Konstellation phasenweise sehr gut aus als Schalkes Zehner zusammen mit der Doppelspitze Bayerns Innenverteidiger und den Sechser zustellte – da musste selbst der Rekordmeister öfter mal zum langen Ball greifen.
Aktionismus? Schnelle Analyse!
Wenn Tedesco über solche taktischen Dinge spricht, mag dies auf einige Zuschauer oberlehrerhaft wirken. Dabei ist es genau das Gegenteil: Tedesco nutzt die Systemwechsel, um seinen Spielern die Aufgaben zu erleichtern. Mit klaren fußballspezifischen Begriffen, die jeder Bundesligaspieler drauf hat, kann er binnen Sekunden die Statik des Spiels verändern. Die Umstellungen haben also keinen Selbstzweck, sondern sind immer Ergebnis einer Analyse des Spiels. Tedesco schafft durch die Anpassung an den Gegner klare Zuordnungen auf dem Platz, er spiegelt sozusagen die Formation des Gegners.
Der Erfolg gibt ihm Recht, die Spieler wirken nie verwirrt, sondern fühlen sich in dem klaren Plan offensichtlich sehr wohl. Selbst bei der verdienten Niederlage in Hamburg führten die Umstellungen zu einer Verbesserung: Gegen das 4-3-3 des HSV agierte man anfangs im 5-2-1-2, um Hamburgs Sechser Matti Steinmann zuzustellen. Weil HSV-Sturmspitze Aaron Hunt allerdings wie ein zusätzlicher Zehner agierte, hatte Schalke im Mittelfeld eine Drei-zu-vier-Unterzahl während die drei Innenverteidiger sich gegenseitig auf den Füßen standen.
Tedesco stellte auf ein 4-4-2 mit Raute um, sodass die vier Schalker Mittelfeldspieler sich um Hunt und das Hamburger Dreiermittelfeld kümmern konnte. Der HSV konnte nicht mehr so leicht durchs Zentrum kommen und brauchte dann am Ende ein Traumtor aus der Distanz - das kann auch die beste Taktik nicht verhindern.
Eurosport-Check:
Auf den ersten Blick mögen Tedescos Zahlenspiele verwirrend wirken, dabei dienen sie ganz klar der Vereinfachung. Schalke steht auf dem Fundament der Fünferkette sehr stabil und stellt die meisten Gegner durch die Anpassungsfähigkeit im Mittelfeld vor Probleme. Ein Unentschieden im Derby würde den "Königsblauen" deutlich mehr helfen als Dortmund. Ob die zuletzt oft uninspirierte Elf von Peter Stöger das Schalker Bollwerk knacken kann? Auf dem Papier sieht es nach einem Spiel aus, das wie gemacht ist für Tedescos Schalker.
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