Zur Macho-Welt Männerfußball haben Frauen nach wie vor Probleme, Zutritt zu erlangen. Deutschlands Sportart Nummer eins gleicht noch immer einem geschlossenen System - doch es regt sich auch Widerstand.
"Es gibt überhaupt keinen sachlichen Grund, warum Frauen dieses Land oder Wirtschaftskonzerne führen können, aber keinen Fußballverein", sagte Katja Kraus (47) der Frankfurter Neuen Presse.
Kraus arbeitete beim Hamburger SV als erste Frau im Vorstand eines Bundesligisten, in den 1990er Jahren als Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt, seit 2013 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der Sportmarketingagentur Jung von Matt/sports. Frauen als Spitzenkräfte im Fußball sind jedoch auch heute noch die Ausnahme.
Fußball
Schiedsrichterin Steinhaus Hannovers Sportlerin des Jahres
24/01/2018 AM 11:07
In einem Interview mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag sagte Kraus:
Noch immer liegt Männern daran, das Managen eines Fußballklubs zu einer Geheimwissenschaft zu erklären. So hermetisch grenzt sich ansonsten nur noch die katholische Kirche gegen weibliche Führungskräfte ab.
Eine Entscheider-Position auf dem Platz nimmt Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (Langenhagen) ein. Die 38 Jahre alte Polizeihauptkommissarin leitete am 10. September 2017 als erste Frau ein Bundesliga-Spiel. Vor und nach der Partie entwickelte sich ein wahrer Medienhype. "Bibi war die Beste", titelte die Bild - auch international wurde ihr Auftritt positiv aufgenommen. Die spanische Mundo Deportivo nannte Steinhaus eine "Pionierin im Weltfußball".

Bibiana Steinhaus ist Schiedsrichterin des Jahres

Fotocredit: SID

Eine Trainerin in der Männer-Bundesliga scheint dagegen noch utopisch. Selbst in der Frauen-Eliteklasse gibt es bei zwölf Teams momentan nur zwei Cheftrainerinnen. Die Geschlechterstrukturen im Fußball sind noch deutlich verkrusteter als in der Politik oder Wirtschaft. Erst 1970 erlaubte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) überhaupt den Frauenfußball, da spielten die Männer schon ihre siebte Bundesliga-Saison.

Keine Frauen auf der Trainerbank

Eine absolute Ausnahme auf der Trainerbank eines Männer-Profiteams ist die Französin Corinne Diacre (43). "Ich war noch nicht angekommen und steckte bereits in der Schublade. Alle wussten schon, was ich als Frau im Fußball zu leisten vermochte. Nämlich nichts", sagte die heutige Frauen-Nationaltrainerin dem Magazin 11Freunde im Rückblick auf ihre Vorstellung 2014 beim französischen Zweitligisten Clermont Foot, den sie drei Jahre lang betreute.
"Der Kern der Skepsis ist nicht mangelndes Fachwissen, sondern das Problem, dass niemand elf gestandenen Männern zutraut, die Anweisungen einer Frau ernstzunehmen", sagte Kraus der FAZ. Diese ultimative Herausforderung des Testosterongeschäfts Männerfußball hat die frühere Nationalstürmerin Inka Grings sich zum Ziel gesetzt. Sie will als erste Frau ein Bundesliga-Team trainieren. Dazu wechselte sie im Sommer von den Bundesliga-Frauen des MSV Duisburg zu den B-Junioren von Viktoria Köln.
Im 17-köpfigen DFB-Präsidium sitzt in Hannelore Ratzeburg lediglich eine Frau. Die 66-Jährige ist für Mädchen- und Frauenfußball zuständig - im Männerbereich hat sie folglich keine Befugnisse.
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