Taktik-Check: Neue Chance für Mario Götze?

Nach dem Saisonaus von Mittelstürmer Michy Bathuayi muss Peter Stöger die Dortmunder Offensive umbauen. Kann Mario Götze dann endlich wieder aufblühen? Vor dem Topspiel gegen Bayer Leverkusen (Samstag, 18:30 Uhr im Liveticker) analysiert Eurosport.de im Taktik-Check die Optionen des BVB, bei denen Götze eine Hauptrolle spielen dürfte.

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Mario Götze ist kein Spieler, der besonders gut aussieht, wenn es beim Team schlecht läuft. Er fällt nicht durch eifrige Defensivarbeit, motivierenden Gesten in Richtung Publikum oder offensiven Aktionismus auf – das mag ihm dann oft negativ ausgelegt werden. "Schlechte Körpersprache", "mangelnder Einsatz und Wille" sind unter Fans dann schnell gefällte Urteile über den begabten Offensivallrounder.

Stöger-Fußball macht es Götze schwer

Viele Möglichkeiten zum Glänzen hatte Götze zuletzt nicht: als Randfigur beim 0:6 gegen die Bayern mit untergegangen, danach 90 Minuten gegen Stuttgart auf der Bank und im Derby auf Schalke für die letzten vier Minuten eingewechselt. Die Bilanz des 25-Jährigen liest sich mager.
Seit der Amtsübernahme von Peter Stöger sucht Götze seine Rolle im BVB-Spiel. Unter Peter Bosz brillierte er zu Saisonstart als Achter. Hier war Götze mitten im Geschehen, hatte sehr viele Ballkontakte und konnte frei in alle Richtungen agieren. Unter Stöger spielte Götze meist weiter vorne. Das muss grundsätzlich nicht schlecht sein – schließlich ist der Weltmeister dank seiner Stärken auf engem Raum in Tornähe eine echte Waffe. Doch Dortmund präsentierte sich zuletzt wie eine zweigeteilte Mannschaft: die Abwehr und die Sechser hinten, die Offensive vorne.
Von kollektivem Spiel mit und gegen den Ball konnte keine Rede sein, dementsprechend lief vorne das Pressing ins Leere und hinten versandete der Spielaufbau mangels Anspielstationen. Folglich griff der BVB zu ungewohnt vielen langen Bällen auf Batshuayi, die Staffelung dahinter und um ihn herum war aber zu schwach. Götze hatte dadurch schlichtweg weniger Aktionen, bei denen er auch noch weniger Mitspieler an seiner Seite hatte – Kombinationen sind da schwer zu initiieren.

Wie sieht der Sturm im Saisonendspurt aus?

Durch Batshuayis Saisonaus muss Stöger umstellen. Entscheidet sich der Österreicher für Sturmtalent Alexander Isak, wäre dies ein Zeichen, dass man weiterhin auf einen Sturmtank setzt. Es würden vermutlich weiterhin viele lange Bälle gespielt werden: schlecht für Götze.
Allerdings ist auch denkbar, dass Stöger die Verletzung Batshuayis als klaren Schnitt sieht und nun auf eine andere Herangehensweise in der Offensive setzt. So wäre es beispielsweise denkbar, die Position in der Spitze variabel von vier offensiven Spielern besetzen zu lassen. Mit Götze, Schürrle, Reus, Yarmolenko, Pulisic und Sancho stünden einige passende Akteure bereit.
Diese Option würde zwangsläufig einen Spielrhythmus erfordern, der Götze liegt. Statt langer Bälle auf einen klaren Zielspieler müsste Dortmund das Spiel kontrollierter und langsamer aufbauen. Der Gegner würde wie zu Saisonbeginn Stück für Stück zurückgedrängt, die BVB-Spieler würden im Kollektiv aufrücken. Dadurch ergäben sich wieder kürzere Passwege und kürzere Wege für das Gegenpressing. Für Götze bedeutet das: mehr Möglichkeiten für Kombinationen und größere Chancen auf defensive Erfolgserlebnisse.

WM ohne Götze?

Zuletzt wurden einige Stimmen laut, die Götze als möglichen Streichkandidaten für die WM bezeichneten. Klar, die letzte Zeit lief schlecht für den Siegtorschützen im WM-Finale 2014. Doch es wäre ein großer Fehler, diesen talentierten Fußballer abzuschreiben. Götzes Leistungen waren zwar inkonstant, zu Beginn der Saison aber sehr gut. Stellt der BVB sein Spiel für den Schlussspurt in der Bundesliga um, wird Götze wieder genug Situationen bekommen, in denen er seine Stärken ausspielen kann.
Gerade gegen tiefstehende Gegner kann er den Unterschied ausmachen, da er sich im Gegensatz zu vielen anderen Dortmundern (und auch Konkurrenten in der Nationalmannschaft) aus sehr engen Situationen lösen kann. Es ist daher eigentlich undenkbar, dass Joachim Löw auf Götze verzichtet – unabhängig davon, ob er mit dem BVB zum Saisonende wieder in die Spur findet oder nicht.
Eurosport-Check: Mario Götze hatte es in der öffentlichen Wahrnehmung nie sonderlich leicht. Ein Spielertyp wie er bietet vielen Beobachtern in schlechten Phasen eben eine simplere Angriffsfläche als ein nimmermüder Sprinter. Der spielerische Rückschritt des BVB in der zweiten Saisonhälfte hat dafür gesorgt, dass Götze weniger und schwierigere Situationen bekommt. Trotzdem sollte man den versierten Techniker nicht abschreiben: Findet Peter Stöger einen neuen Ansatz für die zuletzt lahme Offensive, kann Götze sicherlich auch wieder glänzen.
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