Youngster der Woche: Bayer Leverkusens Neuzugang Panagiotis Retsos - Gott der Polyvalenz
Bayer Leverkusen angelte sich kurz vor Ende der Transferperiode in Panagiotis Retsos eines der begehrtesten Defensivtalente Europas. Schlappe 17,5 Millionen Euro waren der Werkself die Dienste des 19-jährigen Griechen wert, dessen größte Stärke seine Vielseitigkeit ist. In Leverkusen könnte er aus einem bestimmten Grund schon früh sehr wichtig werden.
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Griechenland, das Land der Mythologie, der Ort des antiken Götterkultes. Wohl kaum ein Fleckchen Erde ist so berühmt für seine Geschichte. Seit Jahrtausenden ziehen Zeus, Poseidon, Athene, Dionysos und Co. die Menschen in ihren Bann, dienen als Vorbilder etlicher Schaffenswerke der Popkultur oder zumindest als Namensgeber für sämtliche griechische Gaststätten rund um den Globus.
Während sich Poseidons Tätigkeitsfeld auf alles, was mit Wasser zusammenhängt beschränkt, Dionysos Wein, Weib und Gesang frönt und Hermes seine schützende Hand über alle Reisende und Händler hält, dürfen sich die Hellenen seit geraumer Zeit über einen frischen, jungen Himmelsstürmer freuen: Panagiotis Retsos, der angehende Gott der Vielseitigkeit, dessen Aufnahmegesuch in den Olymp sich derzeit noch in Bearbeitung befindet.
Aber mal Pathos beiseite: Mit dem 19-Jährigen hat sich Bayer Leverkusen die Dienste eines der vielversprechendsten Defensivtalente Europas gesichert. 17,5 Millionen Euro überwies der Werksklub für den Rohdiamanten auf das Konto des griechischen Spitzenvereins Olympiakos Piräus. Am Dienstagabend schlug Retsos, der in der vergangenen Woche sein Länderspieldebüt für die A-Nationalmannschaft gegeben hatte, in der Farbenstadt auf. Aber Trainer Heiko Herrlich plant noch nicht mit dem Neuankömmling für die Bundesliga-Begegnung bei Mainz 05.
Griechenland-Trainer Skibbe voll des Lobes
Doch was zeichnet den Youngster aus, über den Griechenlands Nationaltrainer und Ex-Bayer-Coach Michael Skibbe im Gespräch mit "Bild" sagt:
Retsos wurde in der südafrikanischen Metropole Johannesburg geboren und kehrte im Alter von vier Jahren mit seinen Eltern in deren Heimatland zurück. Nur ein Jahr später, mit fünf, startete er seine Karriere als Fußballer beim Athener Vorstadtklub Thyella Agiou Dimitriou, ehe Olympiakos auf das Talent aufmerksam wurde und es 2008 in die Hafenstadt lockte, wo Retsos alle Jugendmannschaften durchlief und in diversen U-Nationalmannschaften zum Einsatz kam.
Als 17-Jähriger wurde der Defensivspezialist in die erste Mannschaft des Dauermeisters hochgezogen, kam in seiner Debütsaison, die Piräus als Meister abschloss, allerdings nur zu drei Kaderberufungen in 48 möglichen Pflichtspielen.
Jüngster Kapitän der Klubgeschichte
Der Durchbruch ließ aber nicht lange auf sich warten. In der abgelaufenen Spielzeit setzte sich Retsos durch, wurde mal als Rechts-, zumeist jedoch als Innenverteidiger aufgeboten – und wusste stets aufgrund seiner Kopfballstärke und seines starken Aufbauspiels zu überzeugen. Der Lohn: Retsos avancierte zwischenzeitlich, im Alter von 18 Jahren, fünf Monaten und 30 Tagen, zum jüngsten Kapitän der Vereinsgeschichte.
Besonders seine bereits angesprochene Vielseitigkeit im Defensivverbund weckte das Interesse einiger europäischer Schwergewichte. Ist es doch mittlerweile im Fußball gang und gäbe, dass man als verheißungsvoller Spieler im Idealfall alle positionsspezifischen Rollen bekleiden kann: Links-, Innen- oder Rechtsverteidiger, bestenfalls sogar auch mit Qualitäten als Sechser aufwartend, erfreuen sich polyvalente Profis immer größerer Beliebtheit.
Zähes Ringen um Retsos
"Panagiotis hatte einige Angebote von Topklubs, die in diesem Jahr international spielen, umso erfreulicher ist es für uns, dass er sich für Bayer 04 entschieden hat", gab Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler im Anschluss an den abgewickelten Deal zu Protokoll, Herrlich schloss sich an:
Dabei macht der Transfer tatsächlich für beide Seiten Sinn, obwohl die Rheinländer in dieser Saison ausnahmsweise nicht am internationalen Geschäft teilnehmen. Bei Bayer 04 werden Retsos die idealen Rahmenbedingungen geboten, um sich in aller Ruhe zu einem gestandenen Spieler entwickeln zu können.
Schon bald wichtig?
Die Chancen, dass ausreichend Spielzeit generiert wird, sind enorm, wirft man nur mal einen Blick auf die Situation in Leverkusens Hintermannschaft: Sven Bender und Jonathan Tah bilden aktuell das Duo in der Innenverteidigung, wobei besonders der ehemalige Dortmunder in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde, Tin Jedvaj wird aufgrund eines Haarrisses im Schienbein noch geraume Zeit fehlen, Aleksandar Dragovic (Leicester City) und Ömer Toprak (Borussia Dortmund) haben die Werkself verlassen. Auf den Außenverteidiger-Positionen sind Benjamin Henrichs und Wendell gesetzt, ohne bislang auch nur den Hauch von Konkurrenz fürchten zu müssen.
Retsos selbst schwärmte bei seiner Vorstellung am Mittwoch in den höchsten Tönen von seinem neuen Arbeitgeber: "Ich bin sehr glücklich, dass ich hier bin. Es ist eine große Ehre für mich für einen Verein wie Leverkusen zu spielen. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt", erklärte "Panos", wie er von seinen Freunden genannt wird. Dabei enthüllte er auch, dass Ex-Leverkusen-Verteidiger Kyriakos Papadopoulos bei dem Transfer eine wichtige Rolle gespielt habe:
Und so bleibt aus Bayer-Sicht zu hoffen, dass die Vorschusslorbeeren, mit denen Retsos sich – Stand jetzt – schmücken darf, in etwas Zählbarem münden. Mit der Zeit wird sich herauskristallisieren, ob die enthusiastischen Griechen schon in naher Zukunft ein neues Mitglied im Olymp, den Gott der Polyvalenz, anbeten dürfen - oder ob am Ende doch der Pathos über "Panos" siegt.
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