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Der BVB verspielt die Meisterschaft: Auf der Suche nach Mentalität

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Axel Witsel, Manuel Akanji, Thomas Delaney und Dan-Axel Zagadou von Borussia Dortmund

Fotocredit: Imago

VonNico Scheck
06/05/2019 Am 12:39 | Update 06/05/2019 Am 12:42

Meisterschaft adé? Nach dem nächsten Dämpfer gegen Werder Bremen hat Borussia Dortmund den Titel wohl endgültig verspielt. Dabei hatte der BVB zwischenzeitlich neun Punkte Vorsprung auf den FC Bayern. Wie schon im vergangenen Jahr stellt sich nun die Frage: Wo sind die Spieler, die voran gehen? Fehlt es noch immer an Mentalität und war der Transfer-Sommer womöglich doch nicht so großartig?

Zwei Jahre sollte er dauern, der große Umbruch beim BVB. Vor allem Vereinsboss Hans-Joachim Watzke wurde nie müde zu betonen, dass der Neuanfang unter Trainer Lucien Favre Zeit benötigen würde. Auch die personelle Umstrukturierung des Kaders würde eben diese zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Nun muss man den Schwarz-Gelben zugutehalten, dass sie nach einem Jahr wohl deutlich besser im Plan liegen, als von vielen zunächst erwartet. Dass es direkt in Jahr eins unter Favre zu einem offenen Meisterschaftskampf mit dem großen FC Bayern kommen würde, kam, nüchtern betrachtet, überraschend.

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Und dennoch bleibt der fade Beigeschmack, dass in diesem Jahr doch so viel mehr möglich gewesen wäre.

Witsel und Delaney nur Mitläufer statt Mentalitätsspieler?

Die Münchner kriselten phasenweise wie seit Jahren nicht mehr, der BVB spielte eine Hinrunde wie seit Jahren nicht mehr. Sicher, das Saisonziel der Borussen, die Qualifikation für die Champions League, ist längst erreicht und doch: Ist es nicht enttäuschend, wenn man mehr als nur gute Karten auf die Meisterschaft hat und diese am Ende kläglich verspielt?

Einer der größten Kritikpunkte der Saison 2017/18 bei Dortmund war die fehlende Mentalität innerhalb der Mannschaft. Man benötige Führungsspieler, wurde dem BVB von allen Seiten geraten. Gesagt, getan.

Favre beförderte Marco Reus zum Kapitän und es wurden Axel Witsel und Thomas Delaney verpflichtet. Neben ihren spielerischen Vorzügen, Partien im Mittelfeld zu dominieren und vor allem defensiv nichts anbrennen zu lassen, sollten sie dem Team Mentalität verleihen.

Axel Witsel, Marco Reus (Borussia Dortmund vs. FC Bayern München)

Fotocredit: Getty Images

So bezeichnete Sportdirektor Michael Zorc Delaney nach dessen Verpflichtung als "physisch und charakterlich starken Spieler". Einer, der voran geht. Eben einen, den es beim BVB dringend brauchte. Nach einer furiosen Hinrunde fühlte man sich bestätigt. Sowohl Witsel als auch Delaney gingen auf dem Platz voran, die Mentalität schien zurück in Dortmund.

Kritische Stimmen hingegen prophezeiten: Mentalität zeigt sich erst, wenn es mal nicht läuft. Und sie sollten Recht behalten. Seit es beim deutschen Meister von 2012 nicht mehr läuft, sind auch Witsel und Delaney nicht mehr als stille Mitläufer. Ein sichtbares Aufbäumen oder Dazwischenhauen à la Mark van Bommel? Fehlanzeige.

Die oft mühsame Debatte über Mentalität: In Dortmund sollte sie auch in diesem Sommer erneut zumindest angesprochen werden.

Ausgerechnet Götze

Da passt es umso mehr ins Bild, dass ausgerechnet der in den vergangenen Jahren so heftig kritisierte Mario Götze in der Rückrunde zum wohl besten Borussen aufstieg. Nahezu alles lief in den vergangenen Partien über ihn. Wurde es vor dem gegnerischen Tor gefährlich, hatte meist Götze seine Füße im Spiel.

Der Beleg: Zwei Treffer und ein Assist in den letzten vier Bundesligaspielen.

Dabei hatte man gerade bei Götze angezweifelt, ob er je wieder zu alter Stärke zurückfinden würde. Er, der in den Anfangsmonaten unter Favre nahezu keine Rolle spielte. Er, der in Zeiten der Misere der einzige im BVB-Dress zu sein scheint, der sich mit aller Macht dagegenstemmt.

Bei all den negativen Ergebnissen in den vergangenen Wochen, die Entwicklung Götzes verlief in die entgegengesetzte Richtung.

Transfer-Flop oder nur ein Zwischenschritt?

Ist das Problem - trotz vieler Transfers - also geblieben? Braucht Borussia Dortmund nach wie vor Mentalitätsspieler? Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Immerhin liegt der Verein im eigens herausgegebenen Zwei-Jahres-Plan mehr als im Soll. Es ist davon auszugehen, dass auch im Sommer der eine oder andere Neuzugang den Weg ins Ruhrgebiet finden wird.

Zudem sollte man auch erfahrenen Spielern wie Delaney und Witsel eine gewisse Eingewöhnungszeit gewähren. Immerhin befindet sich der ganze Verein im Umbruch. Nur hat die furiose Hinrunde und der zwischenzeitlich deutliche Vorsprung an der Tabellenspitze die Erwartungshaltung vermutlich etwas überspitzen lassen.

Und dennoch: Ein fader Beigeschmack wird am Ende wohl bleiben. Es hätte eben auch direkt die deutsche Meisterschaft sein können.

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