Bundesliga - Dortmund: Neustart beim BVB: Watzke, Favre, Zorc und Kehl treiben den Umbruch voran
Der BVB startet in seine erste Saison unter Trainer Lucien Favre. Für die Verantwortlichen gibt es bis zum Saisonstart noch jede Menge Baustellen zu bearbeiten. Die Kaderplanung ist noch nicht abgeschlossen, die Zusammenarbeit mit Berater Matthias Sammer und dem Leiter der Lizenzspielerabteilung, Sebastian Kehl, muss anlaufen. Der BVB rüstet sich für den Neustart.
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Lucien Favre leitete am Montag das erste Mal das Mannschaftstraining beim BVB.
Auf den kompletten Kader konnte er dabei nicht zugreifen. Die WM-Fahrer Marco Reus, Raphaël Guerreiro, Thomas Delaney, Manuel Akanji, Lukasz Piszczek und Shinji Kagawa befinden sich noch im wohlverdienten Urlaub. Julian Weigl fehlte wegen einer Reizung im Adduktorenbereich.
Warten auf Weigl, Jarmolenko vor Absprung
"Es gibt keinen neuen Stand bei ihm", sagte Sportdirektor Zorc. Nach seiner Rückkehr aus dem Sommerurlaub wurde der Mittelfeldmann noch einmal genau untersucht. Das Ergebnis: Weigl wird die USA-Reise der Mannschaft (18. bis 26. Juli) verpassen. Es mache "Stand jetzt keinen Sinn", so der 55-Jährige.
Ebenfalls abwesend war Andrej Jarmolenko, Top-Transfer der vergangenen Saison. Der Ukraineir wurde von der Vereinsführung freigestellt, um sich einen neuen Klub zu suchen. Ein Transfer in die Premier League zu West Ham United zeichnet sich ab.
In Dortmund hat der Flügelstürmer nach der Verpflichtung von Marius Wolf kaum noch eine Perspektive. Zwar startete Jarmolenko, der erst im vergangenen Sommer für 25 Millionen Euro von Dynamo Kiew zum BVB wechselte, vielversprechend (4 Tore, 3 Assists in den ersten zehn Bundesligaspielen), mit dem Leistungseinbruch der gesamten Mannschaft stagnierte aber auch sein Spiel. Als er sich zu Beginn der Rückrunde eine Verletzung am Fuß zuzog, war die Saison beendet.
Eine verkorkste Saison.
Umbruch braucht Zeit
Dortmund plant in Zukunft wohl ohne den 28-Jährigen. Vier Neuzugänge leistete sich der BVB bisher für die neue Saison. Inwieweit Favre in die Transfers von Marwin Hitz (ablösefrei vom FC Augsburg), Marius Wolf (5 Millionen von Eintracht Frankfurt), Thomas Delaney (20 Millionen von Werder Bremen) und Abdou Diallo (28 Millionen von Mainz 05) eingebunden war, ist nicht bekannt. Der ganz große Kracher, auf den die BVB-Fans jedes Jahr hofft, ist nicht dabei.
Watzke gibt zu:
Doch darum geht es den Verantwortlichen nach einer Saison von Unruhe und ständigen Disziplinlosigkeiten auch nicht. Sebastian Kehl, der den neugeschaffenen Posten des Leiters der Lizenzspielerabteilung bekleidet, klärt auf:
Unter diesem Gesichtspunkt passen Spieler wie Delaney oder Diallo bestens ins Anforderungsprofil.
Zudem weist Watzke darauf hin, dass man auf den Faktor Zeit setze: "Es gibt viele Dinge, die wir lösen müssen", erklärt der 59-Jährige gegenüber dem "kicker", "das werden wir nicht in einer Transferperiode schaffen." Dortmund nimmt sich Zeit für den Umbruch und damit womöglich auch für die dringendste Baustelle.
Die Suche nach einem neuen Top-Stürmer.
Problemzone Sturmzentrum?
Michy Batshuayi, der Pierre-Emerick Aubameyang nach dessen Abgang zum FC Arsenal beerbt hatte, weilt noch mit Belgien bei der WM, wird danach an die Stamford Bridge zum FC Chelsea zurückkehren. Mit Aleksander Isak steht nur ein einziger "echter" Stürmer im Kader, der allerdings noch auf seinen Durchbruch wartet.
Der BVB lässt sich vom aktuellen Mangel im Sturmzentrum nicht beeindrucken. Man setze "hohes Vertrauen" in Maximilian Philipp, erklärt Watzke. Neben dem Ex-Freiburger, der in der Vergangenen Saison nach starkem Beginn lange ausfiel, können auch Marco Reus oder André Schürrle in vorderster Front spielen. Alles annehmbare Lösungen. Wahrscheinlich ist aber, dass sich noch etwas tut.
Favre: "Bewegung in beide Richtungen"
Auf der Antrittspressekonferenz wies Favre darauf hin, dass die Kaderplanung noch nicht abgeschlossen ist. "Bewegung im Kader in beide Richtungen", kündigte der Schweizer an. Natürlich schließt das auch die Verpflichtung eines Torgaranten der Marke Aubameyang oder Batshuayi nicht aus. Übers Knie brechen wird man aber nichts:
Den vier Neuzugängen stehen aktuell nur zwei Abgänge (Sokratis und Gonzalo Castro) gegenüber. Jarmolenko wäre der dritte Streichkandidat. Der Kader ist dementsprechend aufgebläht (30 Spieler). Sebastian Rode, Erik Durm und Nuri Sahin sollen den Verein deshalb noch verlassen, Schürrle und Raphaël Guerreiro können dem Vernehmen nach bei einem passenden Angebot ebenfalls gehen. Zudem sind Isak, Jacob Bruun Larsen und Dzenis Burnic Kandidaten für eine Leihe.
Wie der BVB agiert, hängt wohl davon ab, welcher dieser Spieler den Verein noch verlässt und welches Spielsystem Favre bevorzugt.
Der wichtigste "Transfer" ist den Dortmundern mit der Rückholaktion von Kehl schon weit vor Saisonbeginn gelungen.
Schlüsselfigur Kehl
"Er besticht durch drei zentrale Punkte, die elementar wichtig sind für das Anforderungsprofil“, zählt Zorc auf:
Kehls Aufgabe ist klar. Am Trainingsgelände soll er "durch ständige Präsenz schneller Fehlentwicklungen feststellen und Reibungsverluste minimieren". Nach den ersten Tagen der gemeinsamen Arbeit war Sportdirektor Zorc durchaus angetan:
Kehl selber will "alle Fähigkeiten, die ich schon als Spieler in die Waagschale geworfen habe", dafür nutzen, die Mannschaft besser zu machen. Als Aktiver war er Anführer, Kapitän, Lautsprecher. Sein neuer Verhaltenskodex umfasst strengere Regeln und straffere Strukturen. Trotzdem setzt er auch weiterhin darauf, dass die Spieler eigenverantwortlich handeln: "Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie die Dinge auch selbst in die Hand nimmt."
Die Veränderungen im Verein machen deutlich: eine Saison wie die vergangene soll sich in Dortmund nicht wiederholen. Watzke und Zorc haben den Grundstein für den abermaligen Umbruch im Sommer gelegt. Vollziehen müssen sie ihn zusammen mit Kehl.
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