BVB ist Tabellenführer: Wo Borussia Dortmund noch besser werden kann

Vier Punkte vor Borussia Mönchengladbach, sieben Punkte vor dem FC Bayern München. Borussia Dortmund ist das Maß aller Dinge in der Bundesliga und darf zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit vom Titel träumen. Besonders beängstigend für die Konkurrenz: Der BVB hat jede Menge Luft nach oben. Wir zeigen auf, wo sich das Team von Lucian Favre noch steigern muss.

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So ein bisschen fühlen sich die älteren BVB-Fans aktuell in die Vergangenheit versetzt. Damals, rund um die Jahrtausendwende, war es der heutige Eurosport-Experte Matthias Sammer, dessen kritische Art - besonders im Erfolg - ihm den Spitznamen "Motzki" einbrachte. Heute scheint Trainer Lucien Favre, wenn auch mit einem etwas anderen Naturell, in Sammers Fußstapfen zu treten.
Nach dem hochemotionalen Sieg gegen den FC Bayern (3:2) legte der Schweizer sammeresk den Finger in die Wunde. Als die Mannschaft hüpfend vor der Südtribüne den vorläufigen Saisonhöhepunkt feierte, bremste er die Euphorie:
Schaut man sich einfach die Tabelle an, fällt es schwer, Favre zuzustimmen. Ein etwas genauerer Blick auf das bisher Gezeigte offenbart jedoch, dass es sehr wohl Bereiche gibt, in denen sich der BVB noch steigern kann und muss.

BVB hat Probleme bei Topchancen

33 Tore in elf Bundesligaspielen - ohne Zweifel ein überragender Wert, der nur wenig Raum für Kritik lässt. 108 Torschüsse feuerten die Dortmunder ab - das sind knapp 10 (9,8) pro Spiel, von denen die Hälfte tatsächlich auf den Kasten des Gegners ging (5,4).
Insgesamt verwertete der BVB 30,6 Prozent seiner Chancen - einsame Spitze in der Liga. Das Problem: Kein Team vergab mehr Topchancen als der Tabellenführer (11). Beim Sieg über Bayern standen Marco Reus und Paco Alcácer mutterseelenallein vier Meter vor dem Tor, brachten den Ball aber nicht über die Linie.
Am 2. Spieltag in Hannover vergab Reus beste Gelegenheiten auf das Siegtor, was am Ende (0:0) zwei Punkte kostete. Noch ist Dortmunds Offensivpower stark genug, um das Auslassen diverser Hochkaräter zu kompensieren. Ratsam wäre aber, gerade bei den 100-prozentigen Gelegenheiten ein bisschen cooler zu bleiben.

BVB oft mit schleppenden Anfangsphasen

Alles spricht über Favres goldenes Händchen bei Einwechslungen. Die Joker trafen regelmäßig und drehten nicht erst einmal ein Spiel nach Rückstand zugunsten der Dortmunder. 18 Joker-Tore in 17 Pflichtspielen - keine Mannschaft aus Europas Top-5-Ligen hat mehr Treffer eingewechselt.
Dass der BVB diese Quote auch dringend nötig hatte, könnte man dem Tabellenführer durchaus als Schwäche auslegen. Wettbewerbsübergreifend geriet Favres Team bereits sieben Mal in Rückstand. (5x in der Bundesliga, 1x im DFB-Pokal, 1x in der Champions League). Nur bei Atlético Madrid reichte es dann nicht für Punkte.
Die beiden Partien im DFB-Pokal gegen die Zweitligisten Greuther Fürth (2:1) und Union Berlin (3:2) entschied der BVB zudem erst in der allerletzten Minute der Verlängerung für sich. Sicher geht anders. Oftmals benötigt Schwarz-Gelb eine komplette Halbzeit, um ins Rollen zu kommen - so gesehen bei Bayer Leverkusen (4:2 nach 0:2-Rückstand) oder gegen Bayern.

Dortmunds harmloses Kopfballspiel

Den echten Brecher in der Sturmspitze hat der BVB bekanntlich nicht im Kader. Zuletzt starteten in vorderster Front entweder Mario Götze oder Alcácer. Zu Saisonbeginn versuchte sich Maximilian Philipp als Stoßstürmer. Alles keine Spieler, die für ihre Kopfballstärke bekannt sind.
Insofern verblüfft es nicht, dass nur der 1. FC Nürnberg noch weniger aufs Tor köpfte als die Westfalen (11 Mal/1 Treffer). Das liegt auch an der Anzahl der Flanken, die der BVB in die Box schlägt - kein Team tat dies seltener als Dortmund (60).
Klar, das Offensivspiel von Favre ist nicht darauf ausgelegt, dennoch dürfte es nicht schaden, hin und wieder auch mit Köpfchen zu agieren. Das macht die Borussia noch unberechenbarer.
Und endgültig zum Meisterkandidaten.
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