BVB: Marcel Schmelzer spielt bei Borussia Dortmund keine Rolle mehr

Marcel Schmelzer war fast zehn Jahre unangefochtener Stammspieler bei Borussia Dortmund. Am Saisonende dürfte diese Ära aber wohl enden. Unter Trainer Lucien Favre steht der 31-Jährige auf dem Abstellgleis, kommt trotz diverser Verletzungen im Abwehrbereich nicht zu Spielzeit. Dass er in der schwierigsten Phase seiner Karriere dennoch ruhig bleibt, beeindruckt.

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Marcel Schmelzer schaute verwundert aber dennoch fokussiert in Richtung Auswechselbank von Borussia Dortmund. Nachdem sich nach Abdou Diallo mit Achraf Hakimi bereits der zweite Linksverteidiger im selben Spiel gegen den VfL Wolfsburg (2:0) verletzt hatte und ausgewechselt werden musste (Mittelfußbruch; Saisonaus), hatten alle mit einem Einsatz des 31-Jährigen gerechnet.
Dass Trainer Lucien Favre den ehemaligen BVB-Kapitän und langjährigen Stammspieler dennoch nicht herbeirief, sprach Bände und lässt nur einen Rückschluss zu: Schmelzers Zeit beim BVB ist rum.
Auch im Gipfeltreffen mit dem FC Bayern am kommenden Wochenende (Samstag ab 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) dürfte für ihn nur der Bankplatz bleiben.

Phänomen Schmelzer

Begonnen hatte Schmelzers erfolgreiche Dekade beim BVB in der Saison 2009/2010. Damals verdrängte der gebürtige Magdeburger im Alter von 21 Jahren Publikumsliebling Dédé, der zuvor ebenfalls lange Jahre eine Institution hinten links war.
Schmelzer entwickelte sich zum Dauerbrenner, zu einem echten Phänomen. Egal ob unter Jürgen Klopp (07/2008 - 06/2015), Thomas Tuchel (07/2015 - 05/2017), Peter Bosz (07/2017 - 12/2017) oder Peter Stöger (12/2017 - 06/2018): Schmelzer konnte sich seines Stammplatzes beim BVB immer sicher sein - und das, obwohl er in der Öffentlichkeit stets eher kritisch bewertet wurde.
Gerade in großen Spielen in der Champions League oder den Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern München in der Bundesliga wusste er zu überzeugen. Gegen starke Gegner war er vor allem in der Defensive gefordert - seiner großen Stärke. Schmelzer verfügt über ein starkes Stellungsspiel und ein gutes Zweikampfverhalten.
Ein Offensivspezialist war der 31-Jährige jedoch nie. Sechs Tore und 33 Vorlagen brachte er in 357 Bundesligaspielen für den BVB bislang zu Stande. Auch einer der Gründe dafür, warum es nie für den Durchbruch in der Nationalmannschaft gereicht hat. Insgesamt kommt er auf magere 16 Einsätze für das DFB-Team.

Schmelzers Situation? Ernüchternd!

In der aktuellen Bundesliga-Saison sieht die Bilanz noch düsterer aus. An den ersten fünf Spieltagen spielte er noch von Beginn an. Dann setzte ihn eine Verletzung für den Rest der Hinrunde außer Gefecht. Einzig bei der ersten Saisonpleite in Düsseldorf (1:2) durfte er aufs Feld.
Pünktlich zur zweiten Saisonhälfte meldete sich Schmelzer zwar wieder fit, wurde bis auf 20 Minuten gegen Hannover aber nicht berücksichtigt. Stammplatz auf der Bank heißt es seitdem für den Kapitän der vergangenen Spielzeit. Ernüchternd.
Bemerkenswert: Schmelzer verhält sich ruhig, macht keinen Stunk. Er weiß genau, dass er mit geschürter Unruhe das große Ziel Meisterschaft gefährden würde. In der Mannschaft gilt er nach wie vor als beliebt, vor allem bei langjährigen Weggefährten wie Lukasz Piszczek, Marco Reus oder Mario Götze. Einzig Favre scheint nicht auf den Linksverteidiger zu stehen - aus Gründen: "Es sind sportliche Gründe, denn wir haben viele Lösungen", sagte der Schweizer etwa nach dem 0:0 in Nürnberg am 22. Spieltag.
Meist favorisiert Favre eine Innenverteidigung aus Dan-Axel Zagadou und Manuel Akanji. Auf der Rechtsverteidigerposition hat aktuell Marius Wolf vor dem sich im Aufbautraining befindenden Lukasz Piszek die Nase vorn. Hinten links spielt meist der gelernte Innenverteidiger Diallo. Auch Raphael Guerreiro hilft ab und an aus.
Für Schmelzer bleibt kein Platz.

Zorc deutet Trennung an

Auch die Verantwortlichen beim BVB wissen um die schwierige Situation. Sportdirektor Michael Zorc erklärte gegenüber "Sport Bild":
Man spreche "natürlich mit ihm über seine Situation", so Zorc weiter.
Es ist wahrscheinlich, dass der Vertrag mit Favre am Ende der Saison verlängert wird. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte ließ im exklusiven Eurosport-Interview durchblicken, dass er auch über 2020 gerne mit dem Schweizer weitermachen würde. Damit wäre höchstwahrscheinlich auch Schmelzers Zeit in Dortmund beendet.
"Er ist ein außerordentlich verdienter BVB-Profi, einer unserer Meisterspieler, ein unfassbar guter Junge", lobt Zorc weiter:
Übersetzt heißt das: Man werde Schmelzer am Saisonende keine Steine in den Weg legen, wenn dieser den Verein verlassen will.
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