BVB mit herbem Meister-Rückschlag: Pizarro beschert Bremen ein Remis

Borussia Dortmund hat einen herben Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft kassiert. Trotz 2:0-Führung kam der BVB bei Werder Bremen am 32. Bundesliga-Spieltag nur zu einem 2:2 (2:0). Christian Pulisic (6.) und Paco Alcácer (41.) brachten Dortmund in Front, Kevin Möhwald (70.) und Claudio Pizarro (75.) glichen für Werder aus. Damit hat der BVB vier Punkte Rückstand auf den FC Bayern München.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

So lief das Spiel:

Von Dortmunder Verunsicherung aufgrund der jüngsten Derbypleite gegen Schalke war keineswegs etwas zu sehen. Gegen Werder Bremen waren die Schwarz-Gelben von Anfang an spielbestimmend. Sie suchten geradlinig den Weg nach vorne und früh den Abschluss - beides gelang ihnen in relativ vielen Fällen.
In der sechsten Minute verlor Davy Klaassen den Ball im Mittelfeld. Thomas Delaney steckte gegen hochstehende Bremer auf den sprintenden Christian Pulisic durch, der in die Box eindrang und flach an Keeper Jiri Pavlenka vorbei zum 1:0 traf.
Danach wurde Werder etwas aktiver, kam aber meist nur aus der zweiten Reihe zum Abschluss, da der BVB hinten gut verdichtete. Es folgte nach etwa 21 Minuten eine Phase, in der sich die Borussen den Ball großteils im Mittelfeld rumschoben und alles unter Kontrolle hatten.
Eine Standardsituation brachte wenige Minuten vor dem Pausenpfiff das 2:0. Paco Alcácer stand in halbrechter Position zum Freistoß, der aus einem taktischen Foulspiel von Marco Friedl an Pulisic resultierte, bereit. Der Spanier schlenzte über die Mauer und netzte halbhoch kurze Eck ein (41.).
Die Hausherren beschwerten sich anschließend mit erhitzten Gemütern bei Schiedsrichter Marco Fritz, da dieser aufgrund eines leichten Körperkontaktes zwischen Pulisic und Friedl auf Freistoß entschied.
Die Borussia erarbeitete sich in der ersten 13 Minuten nach dem Seitenwechsel gute Chancen, doch mit dem Bremer Doppelwechsel in der 60. Minute, als Claudio Pizarro für Yuya Osako kam und Kevin Möhwald Nuri Şahin ersetzte, kippten die Spielanteile zugunsten der Hanseaten. Dortmund fokussierte sich auf Ergebnisverwaltung und verspielte die Zwei-Tore-Führung.
Werder war in der Schlussphase reaktionsschneller und erzielte dank eines Patzers von Roman Bürki den Anschlusstreffer. Milot Rashica passte zu Möhwald, der aus halblinker Position, knapp vor der Box, flach abzog. Bürki versuchte den Ball aufzunehmen, dieser rutschte ihm jedoch zum 1:2 durch die Beine (70.).
Danach erhöhte Bremen den Druck und glich verdient aus. Manuel Akanji, der aufgrund akuter Personalnot als Rechtsverteidiger agierte, versuchte den Ball links neben dem Dortmunder Kasten ins Aus springen zu lassen, doch Ludwig Augustinsson schnappte ihn sich und gab nach innen, wo Edeljoker Pizarro aus geringer Entfernung zum Ausgleich traf (75.).
Drei Minuten später hatten die Gäste dann Glück, keinen Strafstoß gegen sich bekommen zu haben. Der Ball sprang Mario Götze im Sechzehner an den relativ weit ausgestreckten Arm. Der Unparteiische hatte deswegen Kontakt mit dem Video-Assistenten und sah sich Szene zusätzlich selbst am Monitor an, zeigte aber nicht auf den Elfmeterpunkt.
Es blieb beim leistungsgerechten 2:2, das beiden aufgrund der Tabellenkonstellation nicht wirklich weiterhilft.

Die Stimmen:

Florian Kohfeldt (Trainer Werder Bremen): "Ich bin nicht zufrieden, aber stolz auf die Jungs. Das ist kein Widerspruch. Trotz der nicht guten ersten Halbzeit sind wir raus und wollten gewinnen. Wir haben ein tolles Spiel gemacht, obwohl wir Schwierigkeiten in der ersten Halbzeit hatten. Jeder kann stolz sein, dass wir in schöner Regelmäßigkeit solche Spiele abliefern."
Claudio Pizarro (Werder Bremen): "Das ist mein Job. Wenn ich reinkomme, versuche ich, die Leute ins Spiel zu bringen, auch die Jungs mitzunehmen, damit wir mehr Fußball spielen. Es ist immer besonders für mich, hier zu spielen. Leider haben wir das Spiel nicht gewonnen, aber am Ende war es ein gutes Ergebnis mit dem Unentschieden. Wir werden noch um den Einzug in die Europa League kämpfen, es wird schwer, aber wir versuchen es. Ich habe immer noch Lust, Fußball zu spielen. Ich werde in den nächsten Wochen mit dem Verein sprechen, lege jetzt aber meine ganze Kraft in die letzten zwei Spiele.“
Max Kruse (Werder Bremen): "Wir haben es am Anfang sehr schlecht gemacht und nicht die Balance gefunden zwischen Pressing und Abwarten. Dortmund hat uns hergespielt, das war richtig schlecht von uns. Die zweite Halbzeit war besser, aber es ist immer schwer zurückzukommen, wenn man die erste Halbzeit so schwach spielt. Wir haben es aber trotzdem geschafft. Das Ergebnis deckt sich aber nicht mit unseren Ansprüchen. Es wird jetzt schwer. Euphorie hin oder her, wir haben einen Punkt, es ist noch alles drin, aber es wird schwierig."
Marco Friedl (Werder Bremen): "Wenn der Anschlusstreffer fällt, brennt hier das Stadion. Dann wird es für jede Mannschaft schwer, auch heute war das wieder eine Aufholjagd. Wir freuen uns über den Punkt, werden aber sicher in dieser Woche auch den verlorenen Punkten hinterhertrauern."
Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund): "Wir hatten die Gelegenheit, in der ersten und zweiten Halbzeit das 3:0 zu machen. Wir müssen ruhig bleiben, weil das passieren kann. Wir kriegen dann zwei unnötige Gegentore. Über Roman müssen wir nicht sprechen, er hat - egal was passiert - eine Top-Saison gespielt und uns viele Punkte gerettet. Beim zweiten Tor muss er (Akanji, Anm. d. Red.) den Ball spielen. Wir sind keine Träumer. Wir müssen das letzte Spiel zu Hause unbedingt gewinnen und hoffen, dass Bayern strauchelt.“
Julian Weigl (Borussia Dortmund): "Schwer zu sagen, wie wir das wieder angestellt haben. Nach so einer starken ersten Halbzeit, mit den großen Chancen aufs 3:0, das wieder herzugeben, ist unglaublich ärgerlich. Bremen hat uns reingedrückt, aber wir machen leider zwei Fehler, die zu den Toren führen. Unterm Strich geht das in Ordnung, so wie Bremen die zweite Halbzeit gespielt hat. Der Titel? Rein rechnerisch ist es noch möglich, aber es wird immer schwerer.“

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Alcácer übertrumpft ganze Mannschaften

18 Mal knipste Alcácer bereits in seiner ersten Spielzeit für den BVB. Drei Tore davon erzielte er per Freistoß, womit er schon jetzt einmal mehr per direkt verwandeltem Freistoß als die jüngsten vier Dortmunder Mannschaften (2014/15-2017/18) traf. Außerdem ist Alcácer der erste Kicker seit Norbert Dickel (1987), der in seinen ersten 24 Ligapartien im BVB-Dress 18 Treffer markierte.

Die Statistik: 11

Werder kassierte in Deutschlands höchster Spielklasse zum elften Mal in Folge mindestens einen Gegentreffer. Kein anderes Bundeligateam spielte im selben Zeitraum ebenso selten zu Null.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung