Eurosport
FC Bayern München | Das macht Lucas Hernández so wertvoll
Von
Publiziert 27/03/2019 um 22:11 GMT+1 Uhr
Es ist also amtlich: Lucas Hernández läuft ab der kommenden Saison für den FC Bayern München auf. Stolze 80 Millionen Euro überweist der Rekordmeister an Atlético Madrid. Dabei setzt sich die Höhe der Summe wohl vor allem aus dem Weltmeistertitel, einer kürzlichen Vertragsverlängerung und der verinnerlichten Diego-Simeone-DNA zusammen. Warum der FCB so viel Geld für einen Verteidiger ausgibt.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Corentin Tolisso und Lucas Hernández haben dieser Tage so einiges gemein. Da wäre zum einen der Umstand, dass beide im vergangenen Sommer in Russland mit Frankreich Weltmeister wurden. Da wäre zum anderen, dass beide zeitweilig der Rekordtransfer beim FC Bayern waren oder jetzt sind. 41,5 Millionen Euro überwiesen die Münchner 2017 in Richtung Lyon. Eine Summe, die nun durch die 80 Millionen Euro für Atléticos Defensivkünstler geradezu pulverisiert wurde.
"Ich bin sehr glücklich, dass wir in Lucas Hernández einen der besten Defensivspieler der Welt und Weltmeister verpflichten konnten", betonte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic in der Pressemitteilung - um nachzuschieben:
Damit spricht Salihamidzic bereits einen wichtigen Grund für die Hernández-Verpflichtung an. Denn der Weltmeister von 2018 löst gleich zwei Probleme bei den Münchnern.
Hernández - ein flexibler Krieger
Erst im vergangenen Jahr hatte Hernández einen neuen Sechs-Jahres-Vertrag bei den "Rojiblancos" unterschrieben, womit den Bayern-Bossen die Hände gebunden waren. Entweder man aktiviert die horrende Ausstiegsklausel oder man muss sich eben anderweitig umschauen. Dass sich Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zu Ersterem entschlossen, liegt auch an der Flexibilität des 23-Jährigen.
Egal, ob auf der Innenverteidigerposition oder als Außenverteidiger, Hernández ist ein Kämpfer durch und durch. Die Simeone-Mentalität, das Krieger-Gen, das bei den Hauptstädtern oberste Priorität genießt, hat der französische Nationalspieler aufgesaugt wie kaum ein Zweiter. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nur fünf Spieler in La Liga weisen bessere Zweikampfwerte auf als Hernández (68%).
Als die ersten Gerüchte rund um seinen Schützling aufkamen, schwärmte Atlético-Coach Simeone: "Er hat eine große Zukunft vor sich, egal, für welchen Verein er sich entscheidet. Ich werde ihn immer respektieren und unterstützen, weil ich ihn liebe."
Wird er außen eingesetzt, wie etwa bei der WM, erinnert der Linksfuß an einen gewissen Bixente Lizarazu. Nicht so gefährlich in der gegnerischen Hälfte, dafür aber mit dem Laufpensum eines Marathonläufers.
Mitte der Saison jedoch stoppte Hernández eine Knieverletzung. Die beiden Champions-League-Partien gegen Juventus Turin konnte er nur von der Tribüne aus verfolgen. Insbesondere im Rückspiel hätte es einen Spieler seiner Mentalität gebraucht. Denn Hernández ist ein Krieger auf dem Platz, ein Spieler, der für seinen Klub an Grenzen geht.
Hernández debütierte, kämpfte und siegte
23 Jahre ist Hernández nun alt. Schon mit 22 hatte er ein Königsklassen-Finale hinter sich und darf sich heute sowohl Europa-League-Sieger als auch Weltmeister nennen.
Dabei wäre es beinahe ganz anders gelaufen: Seit seinem fünften Lebensjahr wohnt Hernández in Spanien. Das Land habe ihm alles gegeben, betonte er einmal, während er sehnsüchtig auf den Anruf des damaligen spanischen Nationaltrainers Julen Lopetegui wartete. "Wenn mein spanischer Pass bald da ist, wäre es eine Ehre, für die Nationalmannschaft zu spielen. Ich sehe mich als Spanier."
Das Telefon klingelte zwar, dran war aber der französische Nationaltrainer. "Als mich Deschamps angerufen hat, musste ich keine Minute überlegen. Nicht mal 30 Sekunden. Ich habe sofort ja gesagt und werde dieses Trikot bis zu meinem Tod verteidigen", gab Hernández zu Protokoll.
Der Rest ist schnell erzählt. Hernández fuhr mit zur WM, spielte in sechs von sieben Partien über 90 Minuten und eroberte mit Frankreich den Weltmeister-Thron.
Wenig verwunderlich also, dass Landsmann und Ex-Profi Christophe Dugarry aufgrund der von Paris Saint-Germain ausbleibenden Bemühungen in Richtung Hernández außer sich war: "Er kann links spielen, er kann in der Mitte spielen, dazu hat er eine tadellose Einstellung. Er ist ein guter Spieler, der viele Dinge machen kann. Und er ist Franzose. Worauf warten sie?", schimpfte der Weltmeister von 1998.
Beim FC Bayern ist man derweil stolz auf den Deal, denn mit Lucas Hernández hat die angekündigte Transfer-Offensive mit einem Paukenschlag begonnen...
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung