FC Schalke 04 im Taktik-Check: Darum ist Sebastian Rudy plötzlich Hoffnungsträger
VonLuca Baier
Publiziert 25/01/2019 um 09:06 GMT+1 Uhr
Nach der schwachen Hinrunde hat der FC Schalke 04 die Rückserie mit einem Sieg über Wolfsburg eingeläutet. Diese Leistung soll gegen Hertha BSC (am Freitag ab 20:30 Uhr live im Eurosport Player) bestätigt werden. Dabei kommt es vor allem auf die Schaltzentrale im Mittelfeld an: Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum Sebastian Rudy ein Schlüsselspieler und Hoffnungsträger der Schalker ist.
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Fotocredit: Eurosport
Manchmal kann es im Fußball rasend schnell gehen: Nach der schlechten Hinrunde mit zwischenzeitlichen Platzierungen im Tabellenkeller kann der FC Schalke 04 mit einem Sieg am Freitag auf drei Punkte zum siebten Platz aufschließen.
"Wir haben eine neue Dynamik und neues Selbstvertrauen, wollen unser Potential auf den Platz bringen - von Woche zu Woche immer mehr“, sagt Trainer Domenico Tedesco vor dem Spiel gegen Hertha BSC.
Rudy, der 360-Grad-Scanner
Mit "neuer Dynamik" meint er sicherlich (auch) den neuen Spielfluss. Während Schalke in der Hinrunde oft ideenlos und übervorsichtig in Ballbesitz agierte, sah man beim Sieg über den VfL Wolfsburg (2:1) einige Anpassungen im Aufbauspiel.
Sebastian Rudy agierte als umsichtiger Sechser direkt vor den drei Innenverteidigern. Der Sommer-Neuzugang ist ein Spieler mit einer nahezu perfekten Vororientierung. Das heißt: Rudy blickt sich permanent um, scannt seine Umgebung und passt seine Position und Körperhaltung an.
Aus welcher Richtung kommt der nächste Gegner? Wohin soll das Spiel fortgesetzt werden? Diese Fragen klärt Rudy in Sekundenbruchteilen, indem er sich während des Anspiels auf ihn noch durch Schulterblicke vergewissert, was um ihn herum passiert.
In der Hinrunde war diese wichtige Position nur selten besetzt. Oft stand(en) der oder die jeweiligen Sechser zu hoch und waren nicht anspielbar oder sie kamen so weit entgegen, dass die gegnerischen Stürmer gar nicht erst überspielt wurden. Die Folge war dann entweder eine mangelhafte Verbindung der Schalker Spieler, was zu langen Bällen führte oder das enorme Verlangsamen des Spielflusses.
Rudys Spiel: ruhig, aber nicht langsam
Achtet man im Spiel mal einige Minuten nur auf Rudy, fällt einem erst einmal nichts Besonderes auf. Er läuft nicht sonderlich viel und zeigt meistens einfache Kurzpässe.
Bei genauerem Hinschauen erkennt man jedoch, wie bewusst er mit kleinen Bewegungen seine Position optimiert und anspielbar wird – ohne Raum durch zu weites Entgegenkommen zu "verschenken". Die einfachen Pässe sind deshalb wichtig, da die Mannschaft im Kollektiv aufrücken kann und damit auch kompakt für die Konterabsicherung bleibt.
Schalke nimmt sich nun die nötige Zeit, um sich gut zu positionieren, ohne das Spiel zu stark zu verlangsamen. Die Dreierkette fächert breit auf, Rudy positioniert sich zentral davor. Das sorgt für viele Dreiecke und gute Winkel, sodass der Gegner auch mit zwei Stürmern nie genug Druck ausüben kann, um den Aufbau zu unterbinden.
Die Außenverteidiger der Schalker, die ihre Stärken ganz klar in der Offensive haben, können weit nach vorne rücken und dort ihre Stärken einbringen - Bastian Oczipka über links mit seinen Flanken, Daniel Caligiuri über rechts mit seinen Dribblings und Abschlüssen.
Eurosport-Check: Sebastian Rudy ist nicht nur ein unscheinbarer Typ, sondern auf den ersten Blick auch ein sehr unauffälliger Spieler.
Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man die Wichtigkeit seiner Rolle. Er organisiert das Spiel, ohne große Anweisungen zu geben; er gibt dem Team durch seine clevere Positionierung eine Struktur und verleiht dem Spielaufbau durch seine sichere, ausgewogene Art des Passspiels die nötige Ruhe, sodass die Offensivspieler in die richtigen Positionen kommen.
Weil das Ballbesitzspiel nun deutlich besser ist, fällt die Konterabsicherung auch nicht mehr so schwer. Dank der neuen Stabilität können die individuellen Fähigkeiten besser genutzt werden. Und plötzlich ist Schalke wieder eine Mannschaft, die extrem schwer zu besiegen ist. Es kann eben alles sehr schnell gehen im Fußball.
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