FC Schalke 04 und der Fehlstart in der Bundesliga: Rudy rockt nicht
Publiziert 02/09/2018 um 22:44 GMT+2 Uhr
Sebastian Rudy soll das Spiel des FC Schalke 04 ordnen, wird aber beim 0:2 gegen Hertha BSC von seinem Schatten Ondrej Duda in selbigen gestellt. Schalke-Trainer Domenico Tedesco ist gewillt, dem Neuzugang vom FC Bayern München Zeit zu geben, muss aber nach dem Null-Punkte-Start in die Saison in der Länderspielpause dringend Lösungen für Schalker Kardinalprobleme finden.
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Über dem Berger Feld ging gerade ein sonnenpraller Spätsommertag zu Ende, als Sebastian Rudy mit leidendem Blick durch das Tiefgeschoss der blauweißen Arena schlich.
51 Minuten hatte die Schalke-Premiere des gebürtigen Schwarzwälders gedauert, sechs Minuten länger als geplant – dann zog Domenico Tedesco fürs Erste einen Schlussstrich unter die Angelegenheit.
Für Rudy kam mit dem Ex-Mainzer Suat Serdar ein weiterer Neuzugang, das Spiel des Vizemeisters aber blieb das alte – und wurde beim 0:2 gegen Hertha BSC sogar noch schwächer als vor der Pause.
Tedesco kritisiert schwache Schalker
"Uns hat die letzte Konsequenz gefehlt - defensiv wie offensiv. Gerade in der zweiten Halbzeit haben wir viele Bälle ohne Druck ins Aus gespielt, da waren schon einige Stimmungskiller bei uns im Spiel", kritisierte Tedesco.
Der Schalke-Coach gab sich große Mühe, 16,5 Millionen-Euro-Mann Rudy nach dessen Debüt in Schutz zu nehmen.
"Er hat es gut gemacht, ist noch nicht lange bei uns", relativierte der 32-jährige Coach die blasse Darbietung des Neuankömmlings, der sich einer extremen Manndeckung durch Berlins Ondrej Duda erwehren musste.
"Dafür haben wir eigentlich Lösungen parat", beteuerte Tedesco. "Aber aufgrund vieler Schlampigkeiten haben wir sie nicht gefunden." Zu allem Überfluss avancierte Rudy-Bewacher Duda auf der anderen Seite durch seine beiden Tore (15., 90.+6) zum Matchwinner.
Rudy nicht fürs DFB-Team nominiert
Und so machte der Slowake durch seine Treffer acht Tage nach dem 1:2 in Wolfsburg den Schalker Fehlstart perfekt.
Die Königsblauen können bis zum dritten Versuch in zwei Wochen bei den starken Gladbachern nun gemeinsam ihre zahlreichen Verbesserungsmöglichkeiten beleuchten.
Mit von der Partie wird dann auch WM-Fahrer Rudy sein, der auf den erneuten Ruf von Bundestrainer Joachim Löw gehofft hatte, beim Start des gestürzten Weltmeisters in die Wiedergutmachungstour gegen Frankreich und Peru aber fürs Erste in die Warteschleife gerutscht ist.
Rudy benennt Kardinalproblem
Der dringend nötigen Nabelschau der Schalker kommt das zugute, ein Kardinalproblem hat Rudy beim Debüt am Sonntag gleich ausgemacht.
"Wir haben es verpasst, unsere Stürmer besser zu bedienen", klagte der 28-Jährige sich und seine Mittelfeldkollegen an – und bemängelte:
Tedesco: Rudy braucht noch Zeit
Am Montagabend hatte der Revierklub die Verpflichtung von Rudy verkündet, am Dienstag trainierte der 26-malige Nationalspieler (ein Tor) erstmals mit den Königsblauen – und stand gegen die Hauptstädter erwartungsgemäß sofort in der Startelf.
Als gedachter Stratege im defensiven Mittelfeld gab Rudy pflichtschuldig Zeichen an seine neuen Mitspieler, bewies aber zugleich, warum Tedesco nach den ersten gemeinsamen Trainingstagen beim ihm noch ausbaufähige Offensivmuster ausgemacht hatte.
"Aber diese Zeit", so der S04-Coach, "nehmen wir uns mit ihm."
Duda macht Rudy das Leben schwer
Sehr viel Zeit für Rudy nahmen sich schon jetzt die Berliner Spieler, allen voran Duda. Der blonde Slowake verfolgte den Neu-Schalker auf Schritt und Tritt.
Die Spielimpulse von Rudy, der sich oft tapfer als Anspielstation anbot, waren entsprechend rar gesät.
Als Berlins Karim Rekik bereits nach fünf Minuten verletzt am eigenen Strafraum lag und kurz darauf auch ausgewechselt werden musste, versammelte Tedesco prompt sein komplettes Team an der Seitenauslinie, um frische Instruktionen zu verteilen. Unmittelbar neben ihm und ganz Ohr: Sebastian Rudy.
Dárdai-Taktik gegen Rudy geht auf
Dieser aufdringliche Duda, raunte er seinem Trainer zwischenzeitlich zu, werde ihn wohl bis auf die Toilette verfolgen.
"Das war eine uralte Methode, so wie vor zehn oder 20 Jahren", freute sich Hertha-Trainer Pál Dárdai diebisch über die geglückte Manndeckung und lobte Duda:
Schalke verschießt Handelfmeter
Weniger euphorisch fiel das Fazit bei den Gastgebern aus, die zwei Minuten vor Dudas erstem Treffer durch Daniel Caligiuri einen Handelfmeter verschossen.
Darüber hinaus hatten sie in dem scharf bewachten Rudy einen Neueinsteiger im Team, der mit 18 Ballaktionen und 33 Prozent gewonnenen Zweikämpfen noch reichlich Luft nach oben offenbarte.
Das erkannte der frühere Münchner, Hoffenheimer und Stuttgarter auch selbst.
"Ich habe noch ein bisschen Rückstand", sagte Sebastian Rudy nach der missglückten Premiere einsichtig.
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