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Matthias Sammer: "Der DFB braucht in der Spitze mehr Kompetenz"
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Publiziert 22/08/2018 um 12:39 GMT+2 Uhr
Vor dem Eröffnungsspiel der Bundesliga zwischen dem FC Bayern und der TSG 1899 Hoffenheim (Freitag, 24. August live um 20:30 Uhr im Eurosport Player bei Eurosport 2 HD Xtra) schaut Eurosport-Experte Matthias Sammer im Vodcast Sammer Time auf die Situation von TSG-Coach Julian Nagelsmann, spricht über den Umbruch beim DFB und die Stürmersuche bei Borussia Dortmund.
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Sammer über ...
... den Zustand des deutschen Fußballs: "Es ist nicht alles in Schutt und Asche, aber wir müssen ein bisschen umstrukturieren und wieder bessere Vorgaben machen. (...) Ja, wir haben ein gewisses Maß an Fußballverstand - unsere Väter haben uns das mitgegeben. Was dabei gut war, müssen wir übernehmen: Teamspirit, gemeinsam angreifen, gemeinsam verteidigen, auch kämpfen und sich mal die Frage gefallen lassen, dass man ja gar nicht weiß, wie man das Spiel heute gewonnen hat. Das wird aber auf Dauer nicht reichen. Wir müssen gucken: Wie ist unsere Spielidee, wie können wir Dinge verfeinern, wie können wir uns mit dem Ball verbessern, wie können wir auch Individualität und Kreativität, wie können wir auch wieder Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellen? Das sind für meine Begriffe die richtigen Elemente."
... die Aufarbeitung der WM: "Das System Deutscher Fußball-Bund in der Verbindung zur Deutschen Fußball Liga mit den Vereinen muss in der Spitze der Pyramide mehr Kompetenz beinhalten. Es muss mindestens eine zusätzliche Person neben Oliver Bierhoff geben, vielleicht sogar zwei. Ich sehe Bierhoff mehr als den Manager des Ganzen. Es geht nämlich um viel mehr: Es geht um die Bundesliga, es geht um die Nachwuchsförderung. Dort braucht es zusätzliche Leute, die auch ein bisschen weg von der Nationalmannschaft argumentieren. Ich vermisse aktuell die Kompetenz, wenn es um die Jugendmannschaften und die Vorgaben an die Leistungszentren geht. Das muss einer Diskussion an allerhöchster Stelle standhalten können. Und das muss geschaffen werden."
... über eine Aufgabe beim DFB: "Ich habe gesagt, ich werde operativ nicht mehr tätig werden - außer ich werde irgendwie unruhig oder unglücklich. Das sehe ich aktuell bei mir nicht. Es gibt genug Kompetenz im deutschen Fußball - und wir müssen versuchen, das klein aber fein zu bündeln."
... den Umbruch beim BVB: "Borussia Dortmund steht über Generationen hinweg für eine gewisse Art Fußball zu spielen und eine gewisse Mentalität in Verbindung zu den Fans. Der Verein steht über allem - und da muss sich auch die Mannschaft ganz klar disziplinieren und hinterfragen. Sie haben die Champions League erreicht, aber man muss auch wieder das Gesicht von Borussia Dortmund erkennen - in Sachen des sportlichen Talents, aber auch in punkto Ergebnisse und Platzierung."
... Dortmunds neuen Kader: "Die Analyse hat ergeben, dass vieles positiv war, aber man, um auch höheren Ansprüchen des Publikums und des Vereins gerecht zu werden, zum Talent im Kader auch eine gute Mischung aus Erfahrung, Führung, Stabilität und Achse haben möchte. Gleichzeitig will man aber auch der Entwicklung junger Spieler nicht im Weg stehen. Wir werden sehen, ob das gelingt."
... Dortmunds Mittelstürmersuche: "Es muss in der Gesamtheit Sinn ergeben. Aktionismus hat noch nie was gebracht, Pragmatismus ist wichtiger. Ich bin mir nicht sicher, ob die Figur der Nummer neun besetzt werden muss. Es ist immer eine Qualitätsfrage. Was man aktuell gerne hätte, ist unmöglich zu bezahlen."
... den Liga-Auftakt Bayern gegen Hoffenheim bei Eurosport: "Ich erwarte keine Wunderdinge. Bayern München wird sehr stark sein, trifft aber auf einen mutigen Gegner, der sich klar geäußert hat - was gut ist und hoffen lässt, dass ein klein wenig mehr Mut hinter Bayern München entstehen wird."
... Julian Nagelsmanns Aussage, er möchte das Maximale - also den Titel - erreichen: "Ich bin schon immer ein Freund von Zielsetzungen, die vielleicht ein kleines bisschen höher als realistisch angesiedelt sind. (...) Ich warne alle, die gleich die Messer gewetzt haben und Nagelsmanns Aussage unrealistisch fanden: So etwas hat dem Fußball in Deutschland noch nie gutgetan."
... Nagelsmanns Herangehensweise: "Was er in Hoffenheim leistet, nötigt mir großen Respekt ab. Den höchsten Anspruch zu artikulieren, wird nicht ausreichen um Bayern München zu schlagen. Aber Ziele zu definieren, bedeutet manchmal auch, Dinge aus Spielern rauszukitzeln, von denen sie selbst gar nicht wussten, dass sie dazu in der Lage sind. (...) Nagelsmann ist ein herausragendes Trainer-Talent, gepaart mit einer ganz authentischen Art und Weise."
... Nagelsmanns Wechsel zu Leipzig: "Julian Nagelsmann ist ein sehr überlegter Trainer, ein fantastischer Mann seiner Zunft, vor dem ich allerhöchsten Respekt habe - auch vor seiner Entscheidung, seinen Wechsel zu Leipzig schon ein Jahr vorher bekannt zu geben. Das zeigt seine empathischen Fähigkeiten - dass er Klarheit braucht und nicht rum eiern will. Diese Glaubwürdigkeit wird seine Mannschaft prägen und hat seine Mannschaft geprägt. Mir imponiert das und diesen Mut werde ich immer verteidigen."
... den vermeintlichen "Lame-Duck"-Stempel auf Nagelsmann: "Das ist eine Diskussion, die nur Ahnungslose führen - ein scheinheiliger Begriff, der zwar gut klingt, aber nichts mit Leistungssport zu tun hat. Jupp Heynckes war in seiner Triple-Saison auch eine sogenannte 'lame duck' - vielleicht ist eine 'lame duck' ja auch besonders gut?! Klar hatte Heynckes mehr Erfahrung; aber Nagelsmann und seine Mannschaft haben zusammen so viel erlebt - mehr Erfahrung kannst du gar nicht haben. Klar wird es auch mal Schwierigkeiten geben, aber dann muss man zusammenstehen."
Die Interview-Reihe "Sammer Time" wird zur neuen Saison exklusiv immer zuerst als Vodcast auf eurosport.de ausgestrahlt. Im TV ist die komplette Sendung am Freitag, 24. August, um 18:30 Uhr bei Eurosport 1 zu sehen.
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