RB Leipzig | Taktik-Check: Drei Gründe für die Siegesserie

Mit sechs Bundesliga-Siegen in Folge geht RB Leipzig am 32. Spieltag in die Partie beim 1. FSV Mainz 05 (heute 20:30 Uhr live und exklusiv im Eurosport Player). Eurosport.de analysiert vor der Partie im Taktik-Check, warum Leipzig derzeit unschlagbar ist - und warum auch der FC Bayern München sich Sorgen machen sollte!

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Fotocredit: Eurosport

Tradition und RB Leipzig, ein heikles Thema. Aus taktischer Sicht ist eine gewisse Tradition jedoch unbestritten: Leipzig steht für Tempo-Fußball - und zwar nicht nur in der Offensive.
Leipzig läuft den Gegner aggressiv an und geht auf den direkten Ballgewinn. Anstatt Passwege zu verstellen, suchen die Spieler den Zweikampf: durchschnittlich 18,9 erfolgreiche Tacklings pro Spiel sind der Spitzenwert in der Liga, hinzu kommen im Schnitt 13,8 Fouls - ebenfalls Spitzenwert.
Beim gefürchteten Pressing der Leipziger gibt es einige sogenannte Pressingauslöser, die je nach Gegner variieren. Oftmals ist es der Pass auf den Außenverteidiger, der als Startschuss für das Anlaufen in höchstem Tempo dient. Mal ist es auch ein spielschwacher Innenverteidiger, der angespielt wird, in anderen Spielen wiederum der Torwart.
So gibt es einen klar definierten Start und die chaotisch wirkende Balljagd läuft organisiert ab. Ein kontrollierter Spielaufbau ist für den Gegner nur ganz selten möglich, oft folgt der lange Ball. Die schnellen Leipziger Abwehrspieler haben keine Probleme damit, hoch zu stehen und Befreiungsschläge des Gegners abzulaufen.

Tempo und Risiko mit dem Ball

In der Offensive ist das Leipziger Spiel ebenfalls von viel Wucht und Tempo geprägt. Der Ball soll schnell in die Spitze gespielt werden, nach dem gespielten Pass folgt idealerweise ein Sprint nach vorne. Kaum eine andere Mannschaft in den europäischen Topligen bedient sich so oft dem Stilmittel Steil-Klatsch-Steil. Nach dem Vertikalpass wird der Ball kurz abgelegt und sofort wieder tief gespielt.
Leipzig scheut dabei kein Risiko, viele Pässe sind äußerst anspruchsvoll, dementsprechend geht auch einiges schief. Nur Nürnberg, Augsburg und Frankfurt haben in der Bundesliga eine schwächere Passquote als Leipzig (durchschnittlich 75,4 Prozent). Logisch: Vertikale Bälle, die im Idealfall eine oder mehrere Linien des Gegners überwinden, können auch leichter abgefangen werden.
Für Leipzig sind diese Ballverluste jedoch nicht schlimm - gewissermaßen sind sie sogar ein taktisches Mittel. Nach Ballverlust setzen sie sofort zum Gegenpressing an. In den ersten paar Sekunden nach dem Fehlpass jagen alle Spieler in der Nähe den Ball. Da kommt es auch mal zu Szenen wie in der F-Jugend, wo fast alle Spieler dem Ball hinterherlaufen.
Unter Rangnick ist Leipzig hier noch konsequenter als in den letzten Jahren, oft gewinnen sie den Ball sofort zurück und aus dem eigentlich normalen Spielaufbau wird blitzschnell ein Konter. Mit Spielern wie Timo Werner, Yussuf Poulsen und Co. lassen sich solche Situationen natürlich besonders gut auszuspielen. Jeder Leipziger Offensivspieler ist in der Lage, in höchstem Tempo zu dribbeln und trotzdem gezielt zum Abschluss zu kommen.

Taktische Variabilität

Intensität gegen den Ball und geradliniger Tempofußball mit dem Ball - das waren auch in den Vorjahren Leipzigs Markenzeichen. In dieser Saison ist jedoch eine taktische Flexibilität hinzugekommen, die es vorher so nicht gab. Das 4-2-2-2 war lange Zeit das Stammsystem, hier wurden die nominellen Flügelspieler weit ins Zentrum gezogen, in Leipzig sprechen sie deswegen von einer "Doppelzehn". Für die typischen Steil-Klatsch-Steil-Spielzüge bietet sich eine Formation mit so vielen Ebenen in der Vertikalen natürlich an.
Darüber hinaus hat Rangnick jedoch noch zwei weitere Varianten einstudiert und etabliert. Im 4-3-1-2 agiert man mit einer Mittelfeldraute. Mit dem einen klaren Zehner wird die Doppelspitze vor allem im Pressing gegen gegnerische Dreierketten unterstützt.
Eine noch offensiver Variante ist das 3-5-2, das Rangnick zuletzt bevorzugte. Leipzig spielt gegen den Ball nicht – wie sonst bei vielen Mannschaften zu sehen - in einer Fünferkette, sondern bleibt tatsächlich bei drei Abwehrspielern. Diese schieben extrem weit durch, sodass sich auf der ballfernen Seite große Räume ergeben – zumindest theoretisch. Weil das verstärkte Mittelfeld aber so viel Druck auf den Ballführenden ausüben kann, werden die Räume auf der Gegenseite quasi nie kontrolliert bespielt.

Eurosport-Check: Bayern muss aufpassen!

Dass Leipzig sieben Spiele in Folge gewonnen hat und 2019 ohnehin erst einmal verloren hat, ist kein Zufall. Das Team von Ralf Rangnick hat seine typischen taktischen Elemente noch weiter verbessert, hinzu kommt die neue taktische Variabilität. All dies ist perfekt auf die einzelnen Spieler zugeschnitten, sodass alles auf dem Platz sehr harmonisch wirkt.
Die Titelchancen hat man in der Hinrunde verspielt, dennoch kann Leipzig durchaus noch ins Titelrennen eingreifen - wenn auch wohl nur als Spielverderber: Der FC Bayern kommt nächste Woche zum Spitzenspiel. Den Rekordmeister erwartet dort nicht weniger als die härteste Aufgabe der Saison.
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