SC Freiburg - BVB | 4 Tore, 3 Erkenntnisse: Dortmund braucht Guerreiro

Borussia Dortmund hält das Meisterschaftsrennen durch ein am Ende souveränes 4:0 beim SC Freiburg offen. Der Rückstand auf den FC Bayern beträgt auch nach Spieltag 30 nur einen mickrigen Zähler. Neben dem nackten Ergebnis lieferte das Duell im Schwarzwald-Stadion aber noch weitere Erkenntnisse, die dem BVB sowohl Hoffnung, als auch Sorgen bereiten dürften.

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"Vom Ergebnis her ein perfekter Nachmittag", fasste ein einmal mehr überragender Marco Reus (1 Tor, 2 Vorlagen) das Auswärtsspiel beim SC Freiburg zusammen. Gegen die Breisgauer erzielte er sein erstes Bundesligator als Papa und legte zum ersten Mal einen Treffer für Jadon Sancho sowie Kumpel Mario Götze auf.
Ganz so deutlich, wie es das Ergebnis vermuten lässt, ging es auf dem Rasen aber nicht zu. Dass der BVB zur Halbzeit mit 1:0 führte, war keine Selbstverständlichkeit. Denn Souveränität gab es vor dem Seitenwechsel nur für zehn Minuten nach der Führung durch Sancho (12.). Danach drückte des SCF auf den Ausgleich.
"Es war immer eng. Nicht nur gegen Mainz, auch heute", gab auch Trainer Lucien Favre, der nach einer guten und vor allem effizienten zweiten Hälfte am Ende aber vornehmlich positive Erkenntnisse mit nach Hause nimmt, zu.
Aber es gibt auch Wermutstropfen.

1. Hinten rechts wird’s immer enger

So schön das Dortmunder Spiel in der Offensive auch anzuschauen war, in hinterster Reihe muss man sich als Anhänger der Westfalen langsam Sorgen machen. Mit Achraf Hakimi (Mittelfußbruch), Lukasz Piszczek (Fußverletzung) fallen zwei nominelle Außenverteidiger mutmaßlich für den Rest der Saison aus. Piszczeks Ersatzmann hieß in den vergangenen Wochen Marius Wolf.
Doch ausgerechnet der ehemalige Frankfurter verletzte sich in der zweiten Halbzeit in Freiburg und musste ausgewechselt werden. Hinterher sagte Wolf:
Das hoffen eine Woche vor dem anstehenden Revierderby gegen den FC Schalke 04 (Samstag ab 15:30 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) auch die Verantwortlichen bei Schwarz-Gelb. Dass Wolf nach dem Spiel leicht humpelnd ohne Schuh am linken Fuß über den Rasen lief und sogar die 60 Meter zur Gästekurve in Kauf nahm, um mit den Fans zu feiern, darf als positives Zeichen gewertet werden.
Von einer dicken Bandage oder gar Krücken war jedenfalls nichts zu sehen.
Fakt ist: Der BVB braucht Wolf in der spannenden Schlussphase dringend. In Freiburg spielten nach Wolfs Verletzung mit Manuel Akanji und Abdou Diallo zwei nominelle Innenverteidiger auf den defensiven Außenbahnen. Ideal ist anders.

2. Der BVB braucht Guerreiro

Dass Raphael Guerreiro beim BVB zu den besten Fußballern im Kader gehört, ist hinlänglich bekannt. Schon der jetzige Pariser und ehemalige BVB-Coach Thomas Tuchel sagte einst über seinen Lieblingsschüler, er sei "zu gut, um auf eine Position festgelegt zu werden".
In Freiburg war genau diese Vielseitigkeit das große Plus für den BVB. Der Portugiese steht sprichwörtlich für die Balance im Dortmunder Spiel. Favre stellt ihn vornehmlich im linken offensiven Mittelfeld auf, trotzdem denkt der gelernte Linksverteidiger von Natur aus auch defensiv.
Eine Qualität, die Jacob Bruun Larsen, der in Guerreiros Abwesenheit zuletzt den linken Flügel bekleidete, noch nicht besitzt. Der junge Däne brachte zu Saisonbeginn zwar unschlagbare Offensiv-Argumente mit sich, in Sachen Defensivarbeit hat er aber noch Luft nach oben.
Guerreiro hingegen ist ein kompletter Spieler, nach vorne wie nach hinten. Mit ihm in der Startelf hat der BVB eine weitere, ballsichere Anspielstation in der Offensivreihe. Das nimmt den Druck von Sancho, der mit seinen erst 19 Jahren bereits zum absoluten Leistungsträger avanciert ist. Mit Guerreiro an seiner Seite kann der Engländer freier und unbeschwerter agieren.
Daher ist Guerreiro im Liga-Schlussspurt der Schlüssel für den BVB - vielleicht sogar zur Meisterschaft.

3. Weigl ist Dortmunds bester Innenverteidiger

Zum Ende der Rückrunde stand er im Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach in der Innenverteidigung seinen Mann, auch beim schweren Auswärtsspiel bei RB Leipzig am 18. Spieltag half er als zentraler Verteidiger mit, die Null zu halten. Zuletzt stablisisierte er beim 0:5 in München im zweiten Durchgang eine verunsicherte BVB-Elf. Die Rede ist von Julian Weigl.
Dass der 23-Jährige deutlich lieber im defensiven Mittelfeld auflaufen würde, daraus macht er keinen Hehl. Dort jedoch setzt Favre auf Axel Witsel und Thomas Delaney. Kein Platz für Ex-1860-Profi Weigl.
Zudem zeigt der gelernte Mittelfeldspieler durch seine Leistungen in der Abwehrzentrale, dass er auch auf dieser Position mehr als nur eine Notlösung sein kann.
Sein Spielaufbau, seine Passsicherheit und Übersicht kommen dem BVB zugute. Zudem ist Weigl auch im Zweikampf mit einem guten Timing ausgestattet, scheut keinen Körperkontakt. Da Diallo aller Voraussicht nach bis zum Saisonende auf der Linksverteidigerposition spielen wird und der junge Dan-Axel Zagadou im Formtief steckt, dürfte Weigl wohl noch häufiger in der BVB-Startelf stehen.
Und Bauchschmerzen hat damit keiner.
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