Taktik-Check zu Bremen - Wolfsburg: Warum Werder ein Top-Team werden kann

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Mit einem Sieg über den VfL Wolfsburg (Freitag ab 20:30 Uhr live im Eurosport Player) könnte Werder Bremen mit dem FC Bayern gleichziehen – zumindest über Nacht. Das Team von Trainer Florian Kohfeldt zeigt das, was es im Verlauf der vergangenen Saison schon angedeutet hat: Werder hat richtig viel Potenzial. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, ob sich Bremen womöglich oben festsetzen kann.

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Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg war Florian Kohfeldt voll und ganz in seinem Element: "Wolfsburg ist sehr gefährlich in der Balleroberung. Wir müssen da die richtigen Momente finden, um Ballgewinne zu erzielen – dann sind nämlich durchaus große Konterräume für uns da“, dozierte der Trainer von Werder Bremen.
Anschließend erklärte er, dass es dafür zwei unterschiedliche Herangehensweisen gebe. "Es kann Sinn ergeben, sie sehr hoch zu pressen und dort Ballgewinne zu provozieren. Es kann aber auch genauso sinnvoll sein, mal etwas tiefer stehen und dann Raum zu haben. Beides sind taktische Optionen für uns."

Werder Bremen: Flexibilität als große Stärke

Man sieht: Werder stellt sich Woche für Woche gut auf den Gegner ein. Gegen die mit einer Mittelfeldraute spielenden Stuttgarter ließ Kohfeldt seine Mannschaft im 5-3-2 auflaufen, um das Zentrum zu schließen – bis zum Platzverweis für Milos Veljkovic klappte dies hervorragend.
Zuvor gegen Hertha BSC lief man im 4-4-2 mit Raute auf und konnte über die Halbpositionen die Räume zwischen den sehr offensiv ausgerichteten Flügelspielern des Gegners und der Viererkette bespielen.
Doch nicht nur im Hinblick auf das Spielsystem sind die Bremer flexibel: Sie wechseln oft zwischen hohem Pressing und einer passiveren Konterausrichtung. Auch ihre Herangehensweise in Ballbesitz ist für den Gegner schwer vorherzusehen – mal lassen sie den Ball ruhig durch die eigenen Reihen laufen und spielen fast jeden Ball in den Fuß, mal suchen sie über zwei Stationen den Pass hinter die gegnerische Abwehrkette.

Werder Bremen: Ballbesitz als Defensivtaktik

Besonders auffällig ist die gute Konterabsicherung. Werder positioniert sich schon in Ballbesitzphasen so, dass der Gegner kaum Gelegenheit zum Umschalten finden könnte. Schaut man mal nicht auf den ballführenden Spieler, sieht man entweder einen Bremer Spieler, der sich aktiv anbietet oder aber die Bindung zum Gegenspieler sucht.
Etwas dazwischen gibt es nicht. Verstecken hinter dem Gegner? Tabu! Wer nicht anspielbar ist, muss für mögliche Ballverluste absichern.
Mittlerweile spielt Bremen in Ballbesitz sehr routiniert und zielstrebig. Nur vier Mannschaften haben durchschnittlich noch länger den Ball, lediglich Bayern und Dortmund haben ein sichereres Passspiel. Besonders Niklas Moisander trägt als Innenverteidiger viel zum konstruktiven Aufbau bei, der ehemalige Ajax-Profi ist technisch stark ausgebildet und erkennt genau, wann er in die Tiefe spielen kann.

Werder Bremen: Wechselspiele im Zentrum

Bremens Prunkstück ist ganz klar das Zentrum. Neben den starken Innenverteidigern stechen vor allem die offensiveren Akteure in der Spielfeldmitte hervor. Auf der Sechs hat man mit Nuri Sahin einen sehr ballsicheren Spieler verpflichtet, der dem Spiel von hinten heraus Struktur gibt – sei es mit kurzen Pässen oder aber mit langen Diagonalbällen auf die nachrückenden Außenverteidiger.
Neuzugang Davy Klaassen und Maximilian Eggestein fühlen sich als Achter am wohlsten, hier können sie ihre Dynamik ins Spiel bringen: Sie halten sich aus dem Spielaufbau erst einmal heraus und bieten sich im Rücken der gegnerischen Mittelfeldspieler an. Von dort leiten sie Angriffe ein und gehen selbst mit in den Strafraum.
Diese Läufe in die Spitze sind vor allem in den Situationen, in denen Stürmer wie beispielsweise Max Kruse oder Yuya Osako entgegenkommen und dadurch einen Innenverteidiger aus der Kette ziehen, schwer zu verteidigen. Diese Gegenbewegungen sind ein klar wiederzuerkennendes Muster im Spiel der Bremer, fast jeder Akteur auf dem Platz taucht mal in der Spitze auf.
Die (wettbewerbsübergreifend) 17 geschossenen Tore verteilen sich dementsprechend folgerichtig auf viele verschiedene Spieler: Elf Werderaner konnten nach sieben Pflichtspielen schon mindestens einen eigenen Treffer bejubeln, neun verschiedene Spieler gaben mindestens eine direkte Vorlage.
Eurosport-Check: An der Weser wächst etwas. Werder spielt richtig guten Fußball, ist dabei mutig und unberechenbar. Der Kader ist gerade auf den zentralen Positionen sowohl in der Tiefe als auch in der Breite so gut besetzt wie lange nicht mehr. Das sichere Spiel mit dem Ball sichert gleichzeitig die Defensive, sodass man die Spiele gegen nominell gleichstarke und schwächere Teams weitestgehend kontrolliert und teilweise sogar dominiert.
Gegen Mannschaften mit starken Einzelkönnern wie nun Wolfsburg ist Anpassungsfähigkeit gefragt, Kohfeldt und sein Trainerteam denken sich sicherlich wieder die ein oder andere taktische Option aus. Anders als viele andere Bundesligateams hat Werder (wieder) eine klare Spielphilosophie, die zumindest aktuell gefestigt und gleichzeitig aber auch flexibel genug ist, um sich im oberen Tabellendrittel festzusetzen.
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