1. FC Köln - BVB: So will der Effzeh Borussia Dortmund knacken
VonLuca Baier
Publiziert 23/08/2019 um 12:26 GMT+2 Uhr
Bei seiner Rückkehr in die Bundesliga empfängt der 1. FC Köln zum Heimspielauftakt direkt den Meisterschaftsfavoriten Borussia Dortmund. Trainer Achim Beierlorzer will die Fans gegen den haushohen Favoriten mit der neuen taktischen Ausrichtung begeistern – Vollgasfußball in Müngersdorf. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, wie der Effzeh den BVB ärgern kann.
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Angesichts des kommenden Gegners Borussia Dortmund kommt Kölns neuer Trainer Achim Beierlorzer ins Schwärmen: „Wenn man sich auf einen Gegner vorbereitet und sich Videosequenzen anschaut, dann wächst als Trainer die Vorfreude immer mehr, trotz der Qualität, die Dortmund hat", sagte der Coach des 1. FC Köln auf der Pressekonferenz vor dem ersten Heimspiel:
Außenseiter? Ja! Verstecken? Nein!
Man nehme gegen den starken Gegner gerne die Außenseiterrolle an, werde sich aber keineswegs verstecken. Verstecken passt auch gar nicht zu dem Fußball, den Beierlorzer sich vorstellt. In Köln führt er genau die Idee weiter, die er zuvor zwei Jahre lang bei Jahn Regensburg verfolgt hat: Vollgasfußball!
Der Gegner wird sehr hoch angelaufen – und das mit höchster Intensität. Regensburg hatte regelmäßig die meisten Sprints zu verbuchen, für das permanente Angriffspressing eine unabdingbare Voraussetzung.
"Ich bin nicht der Meinung, dass es gut ist, den BVB nur die letzten 30 Meter vor dem Tor anzugreifen und ihnen Raum zum Spielen zu geben“, analysiert Beierlorzer.
Der FC Augsburg hatte sich am ersten Spieltag zu tief vor das eigene Tor zurückgezogen. Gegen individuell starke Mannschaften wie Dortmund oft nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten Gegentor.
Köln: Angriffspressing als schmaler Grat
Köln wird den BVB voraussichtlich im 4-4-2 anlaufen, sodass direkt Druck auf die beiden Innenverteidiger gemacht werden kann. Hohe Intensität mit vielen Sprints bedeutet jedoch nicht blindes Anrennen – im Gegenteil: Die Kölner warten auf bestimmte Pressingsignale, um dann im Kollektiv anzulaufen.
Dies können Querpässe vom einen zum anderen Innenverteidiger sein oder aber Pässe auf den Außenverteidiger.
Ziel ist es immer, den Abstand zum Ballführenden schnell zu verkürzen und dahinter die ersten Anspielstationen mannorientiert zuzustellen.
Dabei ist es jedoch extrem wichtig, dass die anlaufenden Spieler das hohe Tempo kurz vor Erreichen des Gegenspielers anpassen, um nicht mit einem simplen Haken ausgespielt zu werden – denn dann kann ein Spieler wie Mats Hummels mit einem gezielten langen Ball die gesamte aufrückende Kölner Mannschaft knacken.
Effzeh vs. BVB: Das Zentrum ist tabu – Schlüsselduelle auf den Flügeln
Beierlorzer weiß natürlich, dass man den BVB nicht 90 Minuten lang in der gegnerischen Hälfte pressen kann, dafür sind die Schwarzgelben zu ballsicher und auch eine sehr fitte Mannschaft wie Köln braucht Pausen.
Demnach werde es auch mal passieren, "dass sie uns hinten reindrücken“, so der Coach. In diesen Situationen braucht der Effzeh eine gute Organisation, vor allem der Abstand zwischen Abwehr und Mittelfeld muss möglichst klein gehalten werden.
In diesen Räumen haben Dortmunds Kreativspieler wie Marco Reus ihre großen Stärken, können sie sich hier mit dem Ball zum Tor drehen, wird es sofort gefährlich.
Köln wird die Dortmunder in der eigenen Hälfte also weitestgehend aus dem Zentrum fernhalten wollen – und dementsprechend Räume auf den Flügeln freigeben.
Dortmund wird das Spiel oft verlagern, hier müssen besonders Kölns Außenverteidiger um Jonas Hector aufpassen, dass sie rechtzeitig wieder rausrücken, um Dribbelkünstler wie Jadon Sancho zu stellen.
Kann der Flügelspieler erst einmal Tempo aufnehmen, ist er nicht zu verteidigen. Hector wird also immer wieder genau beobachten müssen, wann sich die Verlagerung anbahnt und dann so schnell wie möglich nah an den Gegner kommen.
So kann er das sofortige Andribbeln verhindern, den direkten Weg zum Tor zustellen und auf die dringend benötigte Unterstützung seines Vordermanns warten.
Dortmund mit Umschaltspiel und langen Bällen stressen
Hat Köln den Ball, soll es schnell gehen. Bei Kontersituationen werden sie das Tempo ihrer Stürmer nutzen, die zudem körperlich sehr stark sind – für Dortmunds Innenverteidiger wird es sehr schwer, Spieler wie Jhon Cordoba und/oder Anthony Modeste auf der gesamten Fläche der eigenen Hälfte zu verteidigen.
Das Kölner Mittelfeld soll schnell nachschieben, um neue Anspielstationen zu schaffen oder nach Ballverlusten ins Gegenpressing gehen zu können.
Kölns Spiel wird also recht hektisch werden und soll permanenten Stress beim Gegner auslösen.
Ein weiterer Vorteil an dieser Spielweise ist, dass man praktisch nie gefährliche Ballverluste im Mittelfeld oder gar in der Abwehr haben wird – der Ball wird dort schlichtweg selten bzw. nur extrem kurz zu finden sein.
Für den BVB wird das in allen Spielphasen eine äußerst undankbare Aufgabe werden, da sie bei eigenem Spielaufbau unter Druck stehen, selbst kaum Umschaltaktionen haben und defensiv immer hellwach sein müssen.
Eurosport-Check: Beierlorzer hat einen klaren Plan mit dem 1. FC Köln – Tempo, Intensität und Aggressivität sollen die Zuschauer mitreißen und den Gegner stressen. Dortmund wird ein wirklich gutes Spiel machen müssen, um der Favoritenrolle auch auf der Anzeigetafel gerecht zu werden. Eine Kölner Überraschung ist unter diesen taktischen Vorzeichen durchaus vorstellbar.
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