3 Dinge, die bei FC Bayern vs. Hertha BSC auffielen: Ein Plädoyer für Coutinho
Der FC Bayern München startet nur mit einem 2:2 (2:1) gegen Hertha BSC in die Bundesliga-Saison 2019/20. Auf den Außen weiß sich Serge Gnabry hervorzutun, dafür krankt das Bayern-Spiel im Zentrum - ein klares Plädoyer für einen Spieler wie Coutinho. Hertha profitiert derweil von einer Taktikumstellung und einem starken Lukas Klünter. Was uns beim Saisonauftakt auffiel.
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Aus der Allianz Arena berichten Florian Bogner und Daniel Rathjen
1. Gnabry hört die Signale
Beim FC Bayern München führt man seit Wochen ja die Debatte, wer denn die Nachfolger für Arjen Robben und Franck Ribéry sein könnten – dabei hat man sie ja eigentlich schon im Kader. Mit Kingsley Coman (23) und Serge Gnabry (24) jedenfalls kann man durchaus jede Abwehr der Welt bespielen – was auch das Hertha-Spiel über weite Strecken zeigte.
Besonders Gnabry schien die Diskussion um all die Sanés, Hudson-Odois und Perisics (fehlte gesperrt) dieser Welt angestachelt zu haben. Der deutsche Nationalspieler pflügte jedenfalls vor allem in Durchgang eins als recht erbarmungsloses Ein-Mann-Kommando durch die Hertha-Abwehr, so dass sich der bemitleidenswerte Maximilian Mittelstädt einmal vor lauter Gnabry-Haken sogar bäuchlings hinlegte. Er war schlicht nicht mehr mitgekommen.
Das Manko der jungen Wilden auf Bayerns Außenpositionen bleibt jedoch die Effizienz: Es kommt bei all den Sprints und Haken schlicht noch zu wenig Zählbares heraus. Der letzte Pass kam auch gegen die Hertha selten so an wie geplant (Bayern 1:0 ausgenommen), manchmal passte auch der entscheidende Kontakt zur Ballmitnahme in den Strafraum nicht richtig oder man zögerte zu lange beim Abschluss.
Perisic kann man also durchaus als weniger agile, aber erfahrenere und möglicherweise auch clevere Alternative zum Duo Jung & Wild sehen. Und sollten die Bayern tatsächlich noch Leroy Sané für die Rückrunde verpflichten (können!), passt das Setup auf Außen allemal – zumal es ja auch noch Alphonso Davies gibt.
2. Ein Spiel für Coutinho
Niko Kovac hat sich festgelegt: 4-3-3 soll’s erstmal sein, mit Thiago auf der Sechs. Sehr offensiv und konteranfällig, denken da die meisten. So war’s gegen die Hertha zwar nicht, es setzte aber dennoch zwei (seltsame) Gegentore.
Es dürfte also weiter über Für und Wider dieser taktischen Variante diskutiert werden. Stichwort: Balance – das begleitete übrigens auch die Herren Pep Guardiola und Carlo Ancelotti über ihre Jahre in München.
Gegen Berlin war’s aber nicht unbedingt die Rückwärtsbewegung, die bei Bayern unrund wirkte, auch nicht das Spiel über die Außen – im Zentrum wirkten die Münchner diesmal im Spiel nach vorne nicht ausgereift, zu wenig kreativ.
Was in erster Linie an der Leistung der beiden Achter Thomas Müller und Corentin Tolisso vor Thiago lag, die sich bei der vielbeinigen Hertha sichtlich schwer taten, den Ball brauchbar zu verwerten oder aufzulegen.
“Wir haben viele klare Chancen liegenlassen und hätten schon vor Herthas Umstellung den finalen Pass besser spielen können”, tadelte Kovac, der aber seiner Mannschaft “keinen Vorwurf machen” wollte.
Ob es anders gelaufen wäre, hätte sich Leon Goretzka nicht im Abschlusstraining am Oberschenkel verletzt, ist unerheblich; nicht von der Hand zu weisen jedoch, dass ein Spieler namens Coutinho dem Bayern-Spiel sicher gut tun wird.
Gerade ein ballsicheres, quirliges, kreatives Element fehlte den Bayern nämlich im Zentrum hinter Lewandowski. So war das Hertha-Spiel auch ein bisschen ein Plädoyer für Coutinho.
Oder, Niko Kovac? “Ich freue mich, er wird uns gut zu Gesicht stehen und das zeigen, was er kann: nämlich richtig gut Fußball spielen”, sagte der Bayern-Trainer dann auch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.
3. Hallo, Klünter!
Die Hertha spielte zunächst mit dem Feuer: Im 3-5-2 gestartet, suchten die Gäste wann immer es ging ihr Heil in der Vorwärtsverteidigung, attackierten die Bayern schon im Spielaufbau rund um den Sechzehner und hatten damit auch phasenweise Erfolg.
Befreiten sich die Bayern jedoch irgendwann aus dem Pressing, brannte es eigentlich jedes Mal lichterloh in der Hertha-Abwehr. Gerade Gnabry war von Mittelstädt in der ersten halben Stunde kaum in den Griff zu kriegen und beschwor mehrfach Bayern-Chancen herauf.
Dass es nach 35 Minuten nur 1:0 durch Robert Lewandowskis Mittelstürmertor nach Gnabry-Hereingabe (24.) stand, war schmeichelhaft für die Berliner. Dann jedoch machte Coach Ante Covic das, wofür man ihn installiert hatte: Er coachte – und stellte auf 4-3-3 um. Der starke Lukas Klünter rückte von rechts-innen auf die Rechtsverteidigerposition, Matthew Leckie dafür auf Rechtsaußen.
“Wir hatten keinen Zugriff auf dem Flügel und konnten da nichts entgegensetzen”, sagte Covic nach der Partie: “Deswegen wollte ich die Flügel gedoppelt haben, also habe ich auf 4-3-3 umgestellt. Das sah dann gleich viel besser aus.”
Überhaupt: Klünter. Der junge Hertha-Profi zeigte mit seinen 23 Jahren und bis dato erst 38 Bundesliga-Einsätzen eine erstaunlich abgeklärte Leistung, nahm Kingsley Coman immer wieder den Ball ab oder verhinderte zumindest zielgerichtete Zuspiele in die Mitte. Da half dem Franzosen auch ein kunstvoll vorgetragener “Elástico” nichts.
So war es auch ein Ballgewinn von Klünter, der den schmeichelhaften Ausgleich (Lukebakio auf Ibisevics Po, 36.) einleitete. Nur zwei Minuten später stand’s sogar 2:1 für die Hertha (Grujic nach Zusammenprall mit Pavard frei, 38.) – ein Schock, von dem sich die Bayern trotz des Ausgleichs (Elfmeter Lewandowski, 60.) nicht mehr richtig erholten.
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