Borussia Mönchengladbach - FC Bayern München | Marcus Thuram im Fokus
Auf keinen Bundesliga-Neuzugang wurden in dieser Saison mehr Lobeshymnen angestimmt als auf Marcus Thuram. Der Angreifer hat dem Spiel von Borussia Mönchengladbach von Beginn an seinen Stempel aufgedrückt und ist einer der Hauptgründe, weshalb die Fohlen Tabellenführer sind. Die Hoffnung der Borussia: Thuram soll auch gegen Rekordmeister FC Bayern München zum entscheidenden Faktor werden.
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Die Abgrenzung zum Vater ist Marcus Thuram wichtig. "Ich bin Marcus, er ist Lilian." Es hat den Gladbacher Shootingstar natürlich geprägt, dass er schon als Juniorenfußballer gegen den Vorwurf anspielen musste, er profitiere massiv vom Ruf seines Vaters.
Der war Teil der legendären "Équipe Tricolore" um Zinédine Zidane, die 1998 Weltmeister und zwei Jahre darauf Europameister wurde. Es sei "absurd", erklärt Thuram junior im Interview mit dem französischen Fußball-Magazin "Onze", ihn vor allem als Sohn der Fußball-Legende wahrzunehmen - und nicht als der Topstürmer, der er inzwischen ist.
Thuram betritt eine neue Welt
In der Bundesliga hat Thuram dieses Problem ohnehin nicht, zumal sein Einstand alle Erwartungen übertraf. Sechs Tore und vier Assists in 13 Ligaspielen, dazu Torerfolge im DFB-Pokal (2) und der Europa League (1) - der 22-Jährige gilt ligaweit als bester Transfer des Sommers. Es waren sehr gut investierte neun Millionen Euro, die Borussia Mönchengladbach nach Guingamp überwies.
Für Thuram öffnete sich mit dem Transfer eine neue Welt. Vom Absteiger in Frankreich zum aktuellen Tabellenführer in Deutschland, von einem Klub mit gut 14.500 Zuschauern im Schnitt zur Borussia, die durchschnittlich mehr als 50.000 Anhänger mobilisiert, vom guten Ligue-1-Profi zum Shootingstar der Bundesliga. Die kometenhafte Entwicklung, sagt Thuram, hänge eng mit der Art und Weise zusammen, wie er in Gladbach aufgenommen worden sei:
Das dürfte inzwischen auch auf Bayern-Trainer Hansi Flick zutreffen, aus ganz anderen Gründen freilich. Der 54-Jährige muss seiner Mannschaft vermitteln, wie Thuram und Breel Embolo zu stoppen sind. Die beiden Angreifer haben am Samstag Schlüsselrollen inne, wenn Tabellenführer Gladbach Meister Bayern zum Tanz bittet (ab 15:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de). "Mit Thuram", so Flick, "hat Gladbach einen Spieler dazu bekommen, der enorme Qualität hat und Gefahr ausstrahlt."
Nationalelf? Ein Traum, der warten muss
In Gladbach passt derzeit ohnehin fast alles, Trainer Marco Rose - ebenfalls erst seit dieser Saison bei den Fohlen - hat aus der Borussia in kürzester Zeit ein Bundesliga-Spitzenteam geformt. "Die Schlüsselpositionen sind gut besetzt", erläutert Thuram.
Der Erfolg stelle sich auch deshalb ein, weil man "viele Nationalspieler im Team" habe. Er selbst gehört überraschenderweise nicht dazu. Seit der U17 hat der Mittelstürmer zwar alle Junioren-Nationalmannschaften in Frankreich durchlaufen, auf einen Einsatz in der A-Nationalelf wartet Thuram aber noch.
"Die französische Nationalmannschaft ist für jeden französischen Spieler ein Traum und wäre eine Riesenehre für mich", stellt der 22-Jährige klar. Vater Lilian Thuram ist übrigens mit 142 Rekord-Nationalspieler. Nimmt die Entwicklung des Sohnemanns weiter einen derart positiven Verlauf, dürfte ein Anruf von Nationaltrainer Didier Deschamps allerdings nur eine Frage der Zeit sein - auch wenn Borussia Mönchengladbach in Frankreich nicht die größte Strahlkraft besitzt.
"Dribbling, Spieler aussteigen lassen, Gefahr kreieren"
Schon die Aussprache des Vereins bereitet vielen arge Probleme. Nicht so Thuram. "Das ist doch einfach. Wahrscheinlich sind Sie es, der den Namen schlichtweg nicht aussprechen kann und den Fußball nicht richtig verfolgt", hielt Thuram dem Journalisten der "Onze" scherzhaft entgegen, nachdem dieser auf die vermeintliche Unaussprechlichkeit des Klubs anspielte. Thurams Antwort zeigt, dass er sich schon nach wenigen Monaten komplett mit der Borussia identifiziert.
Seiner Stärken ist sich der Youngster vollkommen bewusst. "Dribbling, Spieler aussteigen lassen und Gefahr kreieren" seien die zentralen Punkte seines Spiels. "Ich bin ein Angreifer, der es genießt, das Offensivspiel seiner Mannschaft zu beleben." Und weil das so gut klappt, wird wohl auch in Frankreich bald niemand mehr auf die Idee kommen, in Marcus Thuram "nur" den Sohn einer Fußball-Legende zu sehen...
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