BVB: Borussia Dortmund erkämpft Sieg in Favre-Endspiel bei Hertha BSC

Borussia Dortmund hat das Auswärtsspiel am 13. Spieltag bei Hertha BSC mit 2:1 (2:1) gewonnen und damit Jürgen Klinsmann die Rückkehr in die Bundesliga vermiest. Jadon Sancho (15.) und Thorgan Hazard (17.) brachten den BVB früh in Führung, die Vladimír Darida vor der Pause ausglich. Trotz der Gelb-Roten Karte von Mats Hummels (45.+1), konnte Dortmund die Führung über die Zeit retten.

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So lief das Spiel:

Ende gegen Anfang einer neuen Ära: Unter diesen Vorzeichen stand die Partie zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund. Während es für Lucien Favre ein mögliches K. o.-Spiel um den Trainerposten war, ging Jürgen Klinsmann in sein erstes Pflichtspiel als Coach des Hauptstadt-Klubs. Beide Trainer standen dementsprechend erheblich unter Druck.
Dies war auch beiden Mannschaften anzumerken - es herrschte viel Kampf und Biss, beide Teams suchten aktiv die Zweikämpfe. So entwickelte sich nur selten Spielkultur. Wenn, dann zunächst nur auf Seiten des BVB. Die Hertha wirkte zu ungestüm, holte sich bereits früh zwei Gelbe Karten ab.
Die Gäste agierten gefestigter und abgezockter. In der 15. Minute folgte die Dortmunder Führung. Julian Brandt spielte einen perfekten Steckpass aus dem Zentrum in die linke Strafraumhälfte auf Jadon Sancho. Der Engländer ging auf Thomas Kraft zu, blieb eiskalt vor dem Keeper und schob den Ball ins lange Eck.
Nur zwei Minuten später folgte der Dortmunder Doppelschlag. Achraf Hakimi hatte auf der rechten Seite keine Gegenwehr, suchte und fand Thorgan Hazard im Zentrum, der aus sieben Metern freistehend nur noch vollstrecken musste - das 2:0.
Die Führung brachte dem BVB zwar Sicherheit, dennoch hatte eine defensive Unordnung Bestand. Immer wieder kamen die Herthaner nahezu problemlos in die Offensive - jedoch lange, ohne wirklich gefährlich zu werden.
Erst in der 34. Minute folgte schließlich der Anschlusstreffer. Dodi Lukebakio spazierte ohne Gegnerdruck parallel zum Strafraum, zog aus 18 Metern ab. Vladimír Darida war auf der Höhe und brachte noch die Fußspitze an den Ball. So landete die Kugel unhaltbar im linken Toreck.
Kurz vor der Pause stiegen die Chancen der Herthaner auf die Spielwende weiter an: Mats Hummels zog gegen Davie Selke ein Foulspiel auf der letzten Linie und sah für dieses Vergehen die Gelbe Karte. Seine zweite Verwarnung in diesem Spiel und damit Gelb-Rot für den Abwehrchef.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit jubelten die Herthaner über den vermeintlichen Ausgleichstreffer (48.). Marko Grujic bediente Selke mit einem feinen Pass in die Gasse. Der Berliner versenkte anschließend ins rechte Eck. Nach Rücksprache mit dem VAR zählte der Treffer jedoch nicht, denn Selke stand beim Grujic-Zuspiel ganz, ganz knapp im Abseits.
Die Berliner blieben dran, waren im zweiten Durchgang das klar bessere Team. Von Dortmund kam nichts mehr - die Gäste setzten ausschließlich auf die eigene Defensive. Hertha BSC tat sich in der Offensive gegen kompakte Dortmunder allerdings schwer - vor allem im letzten Drittel fehlten die Ideen. So gelang den Hausherren nicht mehr der Ausgleich. Drei Punkte für Favre und den BVB - schlechter Einstand für Klinsmann.

Die Stimmen zum Spiel:

Marco Reus (Borussia Dortmund): "In der jetzigen Situation ist es egal, wie wir spielen, Hauptsache du holst mal wieder drei Punkte. Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt und nach der Roten Karte war es wichtig, dass wir uns nicht zu tief hinten hineindrängen lassen. Wir hatten vorne dann wenige Chancen und wenig Ballbesitz, aber wir haben gesagt, dass wir das unbedingt über die Zeit bringen wollen."
Jürgen Klinsmann (Trainer Hertha BSC): "Ich denke, wir hätten mehr verdient gehabt. Minimum ein 2:2. Das ist natürlich ärgerlich mit der Entscheidung, die aus Köln kam - und streitbar. Das hätte uns verdammt gut getan. Was wir besser machen müssen, ist, dass wir lernen das Tempo höher zu fahren. Gerade gegen tiefstehende Mannschaften. Da haben wir zu wenig erzwungen. Was wir spüren ist, die Mannschaft ist wach, sie ist stark."

Das fiel auf: Charakterfrage beantwortet - doch reicht das aus?

Seit Wochen kursiert ein mögliches Aus des BVB-Trainers Favre und mit jedem schwachen Auftritt der Dortmunder bekommt diese These Futter. Fest steht, dass die Dortmunder meilenweit von Form und Möglichkeit entfernt sind. Die Auftritte sind zumeist zäh, uninspiriert und ängstlich. Zwar zeigte die Borussia gegen Hertha BSC eine kämpferisch starke Partie, brachte den knappen Vorsprung so trotz Unterzahl über die Zeit und beantwortete hiermit die offene Charakterfrage. Doch auffällig ist, dass die spielerische Note nicht auf gewünschtem Niveau ausfällt. Es fehlt an Selbstbewusstsein, Spielidee und Überzeugung. Ebendiese Faktoren bekommt die BVB-Elf offenbar nicht vollends von ihrem Coach vermittelt.
Nun geht es darum, einen Weg zu finden, diese Faktoren wieder zugänglich zu machen. Ein Spiel auf Zeit ist unsinnig, weil gefährlich: Die Saisonziele der Borussia sind akut gefährdet. Die Lösung heißt Entlassung und Neustart. Ein neuer Trainer bringt neuen Schwung, setzt womöglich den Dortmunder Spielspirit wieder frei. Und die jüngsten Beispiele in der Bundesliga zeigen, dass Entlassungen - trotz der verbundenen Schwere - manchmal unumgänglich sind.

Der Tweet zum Spiel:

Die Statistik: 3871

Das Debüt für Klinsmann als Hertha BSC-Trainer war sein erster Bundesliga-Auftritt nach genau 3871 Tagen. Zuletzt saß er im April 2009 in der Bundesliga auf der Trainerbank. Damals bei einer 0:1-Niederlage seines Ex-Klubs FC Bayern München gegen den FC Schalke 04.
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