BVB: Marco Reus kann in Dortmund keinen vollen Kaderplatz besetzen

Marco Reus fehlt dem BVB weiterhin und auf unbestimmte Zeit. Die Verletztenakte des 31-Jährigen ist mittlerweile so lang, dass sich Borussia Dortmund die Frage stellen muss, inwieweit man noch mit dem Kapitän planen kann und will. Reus' sportliche Qualität und Wichtigkeit für die Mannschaft ist unbestritten - und dennoch besetzt er längst keine 100-Prozent-Stelle mehr im BVB-Kader.

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1043 Tage. 149 Wochen. 132 Spiele.
Marco Reus gehört ohne Zweifel zu den besten deutschen Offensivspielern der vergangenen Dekade. Schaut man auf seine Ausfallzeiten seit seinem Bundesligadebüt im Jahr 2009 (s.o.) stellt sich jedoch die Frage: Was hätte aus Marco Reus für ein Spieler werden können, hätte ihn sein Körper nicht immer wieder aus der Bahn geworfen? Eine hypothetische Frage, deren Antwort für immer im Verborgenen bleiben wird.
Im Dortmunder Fanlager und sicherlich auch vereinsintern hat man sich damit abgefunden, dass mit Reus nicht für eine komplette Spielzeit geplant werden kann. Etwas zugespitzt könnte man den Gemütszustand als Resignation beschreiben.
So verwunderte es auch am Donnerstag niemanden, als der BVB über die eigene Homepage verkündete, dass der Kapitän nach seiner im DFB-Pokalspiel bei Werder Bremen erlittenen Muskelverletzung Anfang Februar auch weiterhin und auf unbestimmte Zeit ausfallen wird.
Vor ein paar Jahren noch wäre dies eine, zugegeben etwas pathetisch, "Hiobsbotschaft" gewesen, heute ist diese Nachricht kaum mehr als eine Randnotiz.

Marco Reus: Nur noch eine halbe Stelle

Reus habe "Probleme mit einer Sehnenentzündung an der bereits zuvor verletzten Adduktorenmuskulatur" heißt es im Statement des Vereins. Der 31-Jährige habe "in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet und Fortschritte gemacht". Allerdings habe er "bei einigen Bewegungen nach wie vor Probleme". Bei der Behandlung der Verletzung werde "ein konservativer Therapieansatz" verfolgt.
Auf Deutsch bedeutet das: Die Chance, dass Reus zum Start der neuen Bundesligasaison am 18. September im BVB-Kader steht, ist verschwindend gering. Viel mehr noch, der BVB muss sich die Frage stellen, inwieweit Reus noch als volle Planstelle zählen kann und ob man nicht sogar darüber nachdenken muss, ihn zu ersetzen. In seinen gut acht Jahren bei den Schwarzgelben absolvierte der gebürtige Dortmunder lediglich 57 Prozent aller möglichen Spiele. Eine bessere Halbtagsstelle, wenn man so will.
Es ist unbestritten, dass ein fitter Reus das Spiel der Borussia noch immer befruchten und prägen kann. Was viele vergessen: Reus ist Deutschlands amtierender Fußballer des Jahres.

BVB: Dortmund kann Reus-Ausfall mittlerweile kompensieren

Die vergangene Saison hat aber auch gezeigt, dass der BVB in der Offensive mittlerweile auch ohne seine Identifikationsfigur mehr als ordentlich besetzt ist. Das war in der Vergangenheit, als ein Reus-Ausfall häufig einen Leistungsabfall nach sich zog, nicht so.
Hinzukommt, dass die Zehnerposition, auf der Reus in der vergangenen Spielzeit im 4-2-3-1 so sensationell aufspielte, im neuen 3-4-3-System von Lucien Favre gar nicht mehr da ist.
Für Reus blieben aktuell lediglich die Positionen auf dem linken bzw. rechten Flügel. Seine Konkurrenten dort sind Jadon Sancho, Giovanni Reyna, Thorgan Hazard, Julian Brandt. Spieler, die in der vergangenen Saison überzeugten und sich im neuen System bestens zurecht fanden. Der BVB ist besser darin geworden, die Ausfälle des Kapitäns zu kompensieren.
Gesetzt, soweit darf man sich sicher aus dem Fenster lehnen, wird Reus in der kommenden Saison nicht mehr sein. Eine neue Situation für den Familianvater, mit der er umgehen muss.

BVB: Reus als Backup für Haaland?

Doch vielleicht löst Reus ja ein anderes "Problem" für seinen Verein.
Die Zeit von Lucien Favre beim BVB wird von der Dauerdiskussion um die Notwendigkeit eines zweiten Mittelstürmers begleitet. Zunächst war Paco Alcácer der einzig gelernte Stürmer im Kader, nach dessen Abgang im vergangenen Winter und der Verpflichtung von Erling Haaland nimmt nun der junge Norweger diese Rolle ein. Fällt der 20-Jährige aus, müsste einer der dynamischen Offensiven als Zielspieler im Offensivzentrum einspringen. Nicht ideal.
Reus könnte diese Rolle fix einnehmen, spielte die Position schon in der Vergangenheit. Auch Haaland fehlte in der vergangenen Rückrunde hin und wieder verletzungsbedingt, zudem braucht er als junger Spieler hier und da Pausen.
Wird Reus ob seiner Unplanbarkeit also zum flexibel einsetzbaren Springer in der Offensive? Denkbar wäre es. Einen Stammplatz wird er sich jedenfalls nur dann erspielen, wenn er dauerhaft fit bleibt und einmal mehr sein altes Niveau erreicht.
Zuzutrauen ist ihm natürlich auch das.
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