BVB | Warum Marco Reus für Borussia Dortmund die Lebensversicherung ist

Gegen Inter Mailand wurde einmal mehr deutlich: Ohne Marco Reus ist die Offensive von Borussia Dortmund nur die Hälfte wert. Im richtungsweisenden Derby beim defensivstarken FC Schalke 04 (Samstag, 15:30 Uhr im Liveticker) wird es beim BVB ganz besonders auf den Kapitän ankommen. Eurosport.de erklärt im Scouting-Report, wie Reus das Dortmunder Offensivspiel trägt.

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Nahezu unaufhaltbare Dynamik von Achraf Hakimi, spektakuläre Dribblings von Jadon Sancho, perfekte Tempowechsel von Julian Brandt, torgefährliche Abschlüssen von Thorgan Hazard - eigentlich kann man auf den ersten Blick nicht zu dem Fazit kommen, dass das Dortmunder Offensivspiel allein an Marco Reus hängt.
Das Spiel gegen Inter Mailand in der Champions League (0:2) hat jedoch einmal mehr gezeigt, dass der Kapitän die wichtigste Säule der BVB-Offensive ist - und deshalb im Derby beim FC Schalke 04 (Sa., 15:30 Uhr im Liveticker) nach überstandenem Infekt wieder die Schlüsselfigur für Borussia Dortmund sein wird.
"Es geht ihm viel besser", sagte Lucien Favre am Freitag: "Die Chancen stehen gut, dass er spielen wird."
Der BVB braucht seinen Kapitän. Denn: Gegen die von Defensiv-Guru Antonio Conte trainierten Mailänder fehlte Reus an allen Ecken und Enden. Was ihn so besonders macht? Unser Scouting-Report.

Marco Reus dosiert besser als früher

Es gab Zeiten, in denen Reus einer der laufstärksten Offensivspieler der Topteams war. Permanent riss er mit Sprints in die Tiefe Löcher in die Abwehr. Gerade unter Jürgen Klopp, als der Fokus mehr auf dem Umschaltspiel lag, waren diese Wege sehr wichtig.
Mittlerweile stehen die meisten Teams gegen den BVB sehr tief. Reus hat sein Spiel angepasst und fokussiert sich mehr auf das Positionsspiel, das er durch die beschriebene Orientierung in Perfektion beherrscht.
Diese Spielweise ist deutlich ökonomischer, Reus kann Kräfte sparen und sich die intensiven Läufe einteilen – und zwar für die Momente, in denen sie ihn oder einen Mitspieler in die wirklich gefährlichen Räume bringen.

Deutlich verbessert gegen den Ball

Gegen den Ball ist Reus mittlerweile auch ein Spieler, der sich vor allem über Spielverständnis, Timing und Technik definiert. Er ist kein Balljäger, der zwischen Innenverteidigern und Torwart hin und her hetzt. Reus verschiebt diszipliniert in der Ordnung, hat aber ein gutes Gespür für die Momente, in denen auf die Balleroberung gehen kann.
Geht er in den Zweikampf, gleicht er seine körperlichen Nachteile durch Timing und ein gutes Lauftempo aus: mit viel Tempo erhöht er den Druck auf den Gegner, bremst aber rechtzeitig ab, um nicht ausgespielt werden zu können.
Auffällig: Bei Reus selbst ist es gar nicht mal so wichtig, auf welcher genauen Position er zum Einsatz kommt. Der 30-Jährige gehört zu den ganz wenigen Spielern, die sich im letzten Drittel überall zurechtfinden.

Marco Reus: Stark, wenn er von halblinks kommt

Seine stärksten Szenen hat er in der Regel allerdings von halblinks aus, wenn er sich zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners positioniert und den Ball mit dem Rücken zur Seitenauslinie empfängt.
Diese Ausgangsposition erleichtert die Orientierung vor und während der Ballannahme. Weil Reus so alle wichtigen Räume sieht, geht der erste Ballkontakt nahezu immer in die richtige Richtung, für den Gegner ist ein Tackling im ersten Moment quasi nie möglich.
Diese Momente fehlten Dortmund bei Inter Mailand. "Es ist immer blöd, wenn Marco nicht dabei ist", hatte Sportdirektor Michael Zorc schon vor der Partie gesagt: "Wir hoffen, dass er zum Derby wieder dabei ist."

Bewegungen fürs Lehrbuch

Auch in anderen Zonen passt sich der 30-Jährige der Umgebung perfekt an: Als Sturmspitze nutzt er seine Vorteile in der Beweglichkeit gegen die meisten Innenverteidiger, indem er viele Läufe andeutet, im letzten Moment abdreht und sich wieder in den entgegengesetzten Raum bewegt.
Als Zehner wiederum schleicht er hinter den gegnerischen Sechsern umher und wirkt teilnahmslos, nur um dann im richtigen Moment in den Raum hinter der Abwehr zu starten.
In diesen Moment kann Reus das Spiel schnell machen, obwohl die Aktionen an sich gar nicht schnell sind. Kaum ein anderer Spieler führt seine Aktionen am Ball so konzentriert und sauber aus wie Reus.
Jeder Ballkontakt ist sehr bewusst, seine Körperhaltung ist bestes Lehrmaterial: Sein Standbein ist nie zu weit weg oder zu nah dran am Ball, der Oberkörper ist immer leicht nach vorne gebeugt und er dreht bei kontrollierten Schüssen mit der Innenseite die Hüfte ideal, um den Ball mit viel Tempo spielen zu können.
Was nach unwichtigen Details klingt, ist genau das, was in diesen Szenen für Tempovorteile sorgt. Nur weil Reus die Aktionen so sauber durchführt, sich vorher so gut positioniert und orientiert kann er das Spiel fehlerlos fortsetzen bzw. Angriffe abschließen.
Eurosport-Check: Marco Reus ist erwachsen geworden. Er ist nicht nur zur Führungspersönlichkeit und folglich zum Mannschaftskapitän gereift, sondern hat auch sein Spiel weiterentwickelt. Ökonomischer, präziser, bewusster, reifer. Sein Spiel sieht sehr einfach aus, ist aber höchst anspruchsvoll, weil er eben wie kaum ein anderer die Details beherrscht. Das mag nicht immer spektakulär sein und gar nicht mal in jedem Spiel auffallen. Aber es fällt merklich auf, wenn Reus nicht dabei ist wie gegen Mailand. Gegen den gut aufgelegten Erzrivalen Schalke ist Dortmunds wichtigster Spieler nun wieder gefragt – und Dortmunds Chancen steigen dadurch natürlich deutlich.
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