Drei Dinge, die bei Inter gegen den BVB auffielen: Systemwechsel geht nicht auf
Borussia Dortmund verliert am 3. Spieltag der Champions League mit 0:2 (0:1) bei Inter Mailand und steht damit im Rückspiel in zwei Wochen gehörig unter Druck. Trainer Lucien Favre versuchte, die Nerrazzuri in ungewohnter Grundordnung zu knacken - was jedoch nicht aufging. Ein Grund dafür war die Harmlosigkeit des BVB, dem in der Spitze schlicht der Stürmer fehlte. Was auffiel.
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1.) Systemwechsel geht nicht auf
Lucien Favre hatte sich vor dem 0:2 gegen Inter Mailand etwas ausgedacht. Statt wie gewohnt auf ein 4-2-3-1-System mit Doppelsechs zu setzen, schickte der 60-Jährige seine Mannschaft gegen die Nerrazzuri in einer neuen Grundordnung ins Champions-League-Duell.
Will heißen, der BVB agierte mit einer Dreierkette bestehend aus Manuel Akanji rechts, Julian Weigl in der Mitte und Mats Hummels auf der linken Seite. Gegen den Ball ließen sich zudem die äußeren Mittelfeldspieler Nico Schulz (links) und Achraf Hakimi (rechts) zurückfallen und formten so eine Fünferkette.
"Der Trainer hat sich was überlegt mit dieser Aufstellung", erklärte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung beim BVB, nach der Partie. Es habe auch "ganz gut aufgegangen", beim Tor allerdings "pennen wir ein bisschen", so Kehl weiter.
In der Tat stimmte die Abstimmung im ungewohnten 5-2-3-System grundsätzlich, allerdings nicht in der 22. Minute, was Inter eiskalt ausnutzte. "Nico (Schulz, Anm. d. Red.) steht einen Meter hinten drin und hebt das Abseits auf", ärgerte sich Kehl. Lautaro Martínez war so nach einem Chipball von Stefan de Vrij völlig frei vor Roman Bürki und erzielte das 1:0. Kapitän Mats Hummels sah das ähnlich:
Favres Idee war es, die eigene Mannschaft defensiv zu stabilisieren, die Null so lange wie möglich zu halten und Inter so in Risiko zu zwingen.
Hummels dazu:
Festzuhalten bleibt: Vercoacht hat sich Favre nicht, sein 5-2-3 ging aber nicht vollends auf.
2.) Dortmund fehlt Präsenz im Strafraum
Borussia Dortmund zeigte durchaus gefällige Kombinationen, war ideenreich und mutig. Allerdings beschränkte sich der ansehnliche Part des Dortmunder Spiels auf die Abwehr und das Mittelfeld. Im gegnerischen Strafraum hingegen, bekam der Bundesligist, bei dem sowohl Paco Alcácer und Marco Reus fehlten, seine Spieler nicht an den Ball. Der Grund: Der Strafraum war einfach nicht besetzt. Nur fünf Ballkontakte in der ersten Halbzeit im Sechzehner der Mailänder, insgesamt gelangen der Borussia nur zwei Abschlüsse innerhalb des gegnerischen Strafraums. Zu harmlos.
"In der ersten Halbzeit hat uns Präsenz im Strafraum gefehlt", gab auch Kehl nach dem Spiel zu.
Der BVB braucht einen Zielspieler in der Box - gerade gegen defensivstarke Mannschaften wie Inter Mailand. Favres Plan, mit den quirligen Offensivspielern Jadon Sancho, Thorgan Hazard, Achraf Hakimi und Julian Brandt rund um den Strafraum gefährlich zu werden, ging letztlich nicht auf.
Vor allem Brandt, der nominell in vorderster Front agierte, wirkte sichtlich überfordert. Mit dem Rücken zum Tor verlor der Ex-Leverkusener einen Ball nach dem anderen, sah gegen die physisch starken Inter-Verteidiger Diego Godín, Stefan de Vrij und Milan Skriniar keinen Stich.
Mario Götze, der im letzten Jahr eine ähnliche Rolle wie Paco Alcácer als Mittelstürmer innehatte, saß 90 Minuten auf der Bank. Übrigens: Der BVB hat nach drei Champions-League-Spielen nur zwei Tore auf dem Konto. Vereinsnegativrekord.
3.) Weigl wird Akanji gefährlich
Dass Julian Weigl den Job des Innenverteidigers in seiner bisherigen Karriere nur notgedrungen ausgeführt hat, ist bekannt. Das heißt aber nicht, dass der 23-Jährige ihn schlechter machen muss als ausgewiesene Spezialisten wie Manuel Akanji. Der Schweizer gilt als eigentlicher Nebenmann von Abwehrchef Hummels, zeigte sich zuletzt aber enorm fehleranfällig.
Schon im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) ließ Favre Weigl in der Innenverteidigung ran, schob Akanji auf die Rechtsverteidigerposition. Nun durfte sich der gebürtige Bad Aiblinger in der Champions League gegen zwei echte Topstürmer beweisen. "Ich habe auch in der Bundesliga gegen richtige Brocken gespielt und bin da ganz gut zurechtgekommen", gab sich der Allrounder auf der Pressekonferenz am Dienstag selbstbewusst.
Zurecht, denn am Mittwoch lieferte er. Über 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 96 Prozent Passquote in Romelu Lukaku einen Gegenspieler, der nur acht Ballaktionen vorzuweisen hatte und in der 62. Minute entnervt den Platz verließ.
Weigl macht mit dieser Leistung deutlich, dass er sich nicht vor Akanji verstecken muss.
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