FC Bayern: Das Dilemma mit Philippe Coutinho: Welche Position ist seine beste?

Auf die Gala gegen Werder folgte ein unglücklicher Auftritt in Freiburg: Philippe Coutinho zeigt beim FC Bayern aktuell Licht und Schatten. Auffällig ist, dass immer noch nicht ganz klar zu sein scheint, auf welcher Position er am besten zur Geltung kommt. Vor dem Duell gegen den VfL Wolfsburg erklärt eurosport.de im Taktik-Check, warum die Suche nach Coutinhos perfekter Rolle so schwierig ist.

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Linksaußen? Zehner? Achter? Die Frage nach der perfekten Rolle für Philippe Coutinho gestaltet sich schwierig. Trotz Glanzauftritten wie am vergangenen Wochenende gegen Bremen weiß man immer noch nicht, wo der Edeltechniker am besten spielen sollte – und ob er überhaupt in die bestmögliche Elf der Bayern gehört.

Immer auf der Suche nach der finalen Aktion

Coutinho besitzt ein vollkommen anderes Fähigkeitenprofil als die anderen Offensivspieler des Rekordmeisters. Er ist kein Tempodribbler wie Kingsley Coman, kein halber Stürmer wie Thomas Müller und auch nicht so komplett wie Serge Gnabry. Coutinho fühlt sich am wohlsten in Situationen, die nicht an der Seitenlinie, aber auch nicht im Zentrum abspielen – sein Gebiet sind die Halbräume. Genauer genommen: der linke Halbraum. Hier kann der Rechtsfuß den Ball in seitlicher Stellung so empfangen, dass er mit dem Rücken zur Außenlinie steht und möglichst viel vom Feld sieht.
Der Brasilianer ist einer der wenigen Spieler, die immer die finale Aktion im Kopf haben. Schon vor, spätestens aber nach der Ballannahme gibt es also den Schnellcheck: Ist ein Schuss oder ein tödlicher Pass möglich? Diese Aktionen kann Coutinho am besten aus dem linken Halbraum starten, da er den Ball nach der Annahme sofort mit dem Gesicht zum Tor auf dem rechten Fuß liegen hat.

Flicks Anforderungen nicht zu Coutinho

Unter Hansi Flick spielt der FC Bayern ein sehr aggressives Pressing, bei dem es maßgeblich auf die Arbeit der zentralen Mittelfeldspieler ankommt. Die Flügelstürmer laufen den gegnerischen Aufbau nämlich so an, dass die Passwege ins Zentrum aufgehen. Hier wollen die Bayern den Ball gewinnen und somit einen kürzeren Weg zum Tor haben – presst man außen, gibt es selbst bei erfolgreichem Ablauf meistens maximal einen Einwurf zu „gewinnen“.
Die drei zentralen Mittelfeldspieler der Bayern spielen daher sehr mannorientiert. Sie schließen also keine vorgegebenen Räume, sondern haben eine klare Verantwortung für den Gegenspieler. Sorgen die Stürmer im Pressing für Pässe ins Zentrum, kommt es also auf direkte Zweikampfstärke an.
Zu Coutinhos Spezialitäten zählt der Defensivzweikampf definitiv nicht, auch das Verfolgen des Gegenspielers ist keine Kerndisziplin des Brasilianers. Gegen Mannschaften, die ohnehin oft zum langen Ball greifen und das Mittelfeld somit schnell überspielen, fallen Coutinhos Schwächen in Flicks Defensivkonzept nicht so eine große Rolle. Erwartet man jedoch einen mutigeren Gegner, gegen den Mann sich kontrollierte Ballgewinne im Zentrum erhofft, wird es für Coutinho schwierig – gleiches gilt für Thiago.

Freigeist auf dem Flügel – und überall

Es ist also wahrscheinlicher, dass Coutinho unter Flick vermehrt als nomineller Flügelspieler auflaufen wird. An der Linie kleben wird der leichtfüßige Neuzugang allerdings nicht. Coutinho interpretiert seine Rolle als Linksaußen gelinde gesagt frei. In der Praxis sieht dies oft so aus, dass er überall im letzten Drittel auftaucht. Das Positionsspiel, bei dem der Gegner durch eine gute Raumaufteilung ins Laufen gebracht wird, sodass bei sauberem Passspiel irgendwann ein Spieler frei wird, zählt nicht zu Coutinhos Stärken. Beim FC Barcelona, wo diese Art des Offensivspiels unumstößlich ist, wurde dem Brasilianer diese Ungeduld zum Verhängnis.
Coutinho will in Tornähe schlichtweg maximal oft den Ball haben, zu Abschlüssen kommen, flanken und Schnittstellenpässe spielen. Damit seine Umtriebigkeit und Dominanz nicht zum ausrechenbaren Problem wird, braucht er Spieler um sich herum, die viele (intelligente) Wege machen. Besonders in Kombination mit Leon Goretzka und/oder Thomas Müller von der Achterposition blüht Coutinho auf, zudem ist ein sehr offensiver Linksverteidiger wichtig.

Die richtigen Mitspieler für einen Individualisten

Mit ihren permanenten Läufen in die Tiefe drücken Spieler wie Müller und Goretzka einerseits die gegnerische Abwehrkette zurück und verschaffen Coutinho mehr Raum. Gleichzeitig sind sie potenzielle Empfänger für die gechippten Pässe hinter die Kette, die Coutinho auch gerne mal direkt aus dem Fußgelenk spielt.
Damit der linke Flügel bei Coutinhos Ausflügen nicht komplett verwaist, braucht es in dieser Konstellation einen laufstarken, sehr offensiv ausgerichteten Linksverteidiger. Dieser muss permanent die Breite halten und immer wieder nach vorne starten. Tut er das nicht, kann der gegnerische Rechtsverteidiger getrost seine Position verlassen und Coutinho in den Halbraum oder ins Zentrum verfolgen – damit wäre der Effekt der kurzzeitigen Überzahl in diesen Zonen dahin.
Eurosport-Check: Coutinho ist ein schwer zu greifender Spieler – sowohl in der Bewertung als auch für den Gegner. Der Brasilianer ist kein zentraler Mittelfeldspieler für den Fußball der Bayern, aber auch kein typischer Tempodribbler auf dem Flügel. Er kommt auch selten mit Tempo in den Strafraum wie Müller oder Gnabry. Trotzdem kann er dem Spiel etwas Besonders geben. Mit seiner extremen Risikobereitschaft und der permanenten Suche nach der letzten Aktion kann er ein Spiel jederzeit entscheiden. Dafür muss er jedoch in ein harmonisches taktisches Umfeld eingebettet sein: Macht der Linksverteidiger für ihn am Flügel Betrieb und gibt es genug Läufe aus dem Zentrum in die Tiefe, kann Coutinho glänzen – als "falscher Flügelspieler".
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