Der FC Bayern und das Spiel mit dem Feuer: Diese Brandherde drohen Niko Kovac

Der FC Bayern München und allen voran Niko Kovac müssen im Trainingslager am Tegernsee noch an einigen Stellschrauben drehen. Das hat die Niederlage im Supercup bei Borussia Dortmund (0:2) schmerzhaft verdeutlicht. Vor allem die Defensive und das Mittelfeld scheinen noch nicht perfekt besetzt zu sein. Dennoch drohen unzufriedene Spieler. Kovac muss sich im Krisenmanagement beweisen - mal wieder.

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Der FC Bayern ist im Trainingslager am Tegernsee eingetroffen und findet sich in einem kleinen Paradies wieder. Das Panorama, die Luft und der See sollten die nach dem verlorenen Supercup aufgewühlten Gemüter wieder etwas entspannen.
Aber mit ein bisschen Erholung in der Idylle lassen sich die Probleme der Münchner nicht einfach lösen.
Die Baustellen des FC Bayern sind umfangreicher als vor dem Supercup erwartet. Niko Kovac muss sich als Dirigent in der Krise beweisen, will er aller Problemzonen Herr werden. Ein Überblick.

Bayerns Defensive überzeugt noch nicht

Der Supercup hat gezeigt, dass die Flügel bei weitem nicht die einzige Baustelle der Bayern sind. Vor allem die Defensive zeigte sich im neuen alten 4-3-3-System von Niko Kovac auf allerhöchstem Niveau weiter anfällig. Spielaufbau und Spiel gegen den Ball wirkten über weite Teile hinweg unsicher.
Jérôme Boateng erlaubte sich Schnitzer, mit einem Fehlpass hätte er in der ersten Spielhälfte beinahe das 1:0 durch Paco Alcácer eingeleitet. Neuzugang Benjamin Pavard wirkt bislang ebenfalls noch wackelig.
Die Hoffnungen ruhen auf Top-Transfer Lucas Hernández, der nach längerer Verletzung erst langsam anfängt, mit dem Team zu trainieren. Zwar schürt der Franzose Hoffnungen:
Aber hoffen heißt nicht wissen. Die Frage, ob man sich schon bald auf ihn verlassen kann, bleibt trotzdem.
Unabhängig davon gibt es auf den Außenverteidigerpositionen weiter Handlungsbedarf. Kimmich und Alaba sind links und rechts gesetzt (außer Kimmich rückt erneut ins Mittelfeld vor) - das war's dann aber auch schon mit nominellen Außenverteidigern im Kader des FCB.
Hernández und Pavard können zwar auch auf Außenverteidigerpositionen spielen, wurden in der französischen Nationalmannschaft so bereits eingesetzt. Die bayrische Defensive wirkt derzeit dennoch eher wie ein Kartenhaus als ein Bollwerk.

Thiago offenbart auf der Sechs ungekannte Schwächen

Auch vor der Viererkette offenbaren sich Probleme im Team der Bayern. Im 4-3-3 von Kovac ist Thiago als einziger Sechser und Spielgestalter eingeplant. Dafür muss er seine Leistung im Vergleich zum Supercup aber noch gewaltig steigern. Gedankenlose Fehlpässe unterliefen ihm im Supercup zu häufig.
Der dritte Querschläger landete direkt in den Füßen von Jadon Sancho und leitete schließlich das 1:0 ein.
Eine Alternative auf der Position wäre Javi Martínez, seines Zeichens kompromissloser Abräumer. Einziger Nachteil: der Spanier ist kein Spielgestalter der Klasse Thiagos. Trotzdem würde seine Anwesenheit dem Spiel der Bayern mehr Sicherheit geben.
Heißt: Auch hier bräuchte es eigentlich einen weiteren Neuzugang. Kandidaten dafür gibt es aktuell aber keine.

Bayerns größte Baustelle: Die Außenbahnen

Nach wie vor eine große Baustelle: Die Außenbahnen. Mit Coman und Gnabry hat man zwar zwei ausgezeichnete Spieler für die Positionen, beide sind aber auch verletzungsanfällig. Coman hat, seit er 2015/16 erstmals von Juventus an den FC Bayern ausgeliehen wurde, aufgrund von Verletzungen schon 56 Spiele verpasst und war ganze 320 Tage lang verletzt. Gnabrys Geschichte liest sich ähnlich. Allein in der letzten Spielzeit war der Rechtsaußen 60 Tage lang verletzt.
Die Frage ist, wie der propagierte Heilsbringer Leroy Sané - aktuell am Knie verletzt - diese Problematiken wegzaubern soll. Bayern sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
Die Gerüchte, der FC Bayern beschäftige sich trotz einer möglichen Verpflichtung von Sané weiter mit der Personalie Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam, liest sich für die meisten Fans deshalb sicherlich beruhigend.

Die Unzufriedenen: Lewandowski, Sanches und Boateng

Probleme haben die Bayern auch noch abseits des Platzes. Lewandowski zögert aus Taktikgründen seine Vertragsverlängerung heraus. Warum? Natürlich geht es ums liebe Geld – und um Sané. Denn der Flügelflitzer wird sich wohl nur mit einem mehr als fürstlichen Gehalt an die Isar locken lassen.
Lewandowski will als gestandener Spieler aber auf der Gehaltsliste weiterhin ganz oben stehen. Also wartet er auf den Transfer, fragt nach Sanés Gehalt und verlangt in seinem neuen Vertrag zwei oder drei Millionen Euro mehr. So jedenfalls lauten die Gerüchte rund um die Säbener Straße.
Renato Sanches haben die Bayern zwar zum Bleiben überreden können. Aber Sanches stellt weiter Ansprüche. "Ich brauche auch genug Spielzeit", sagte er zuletzt. Und:"„Ich will spielen! Nur das zählt für mich."
Kovac versuchte die Äußerungen des 21-Jährigen wohlwollend zu Kenntnis zu nehmen:
In Dortmund kam Sanches aber erneut nur von der Bank.
Zu guter letzt droht auch bei Boateng wieder der Stinkstiefelmodus. Eigentlich wollte der Ex-Nationalspieler im Sommer unbedingt weg, hofft insgeheim immer noch auf ein passendes Angebot. Um ihn gehen zu lassen, bräuchte Bayern aber erst noch Verstärkung. Kommt die nicht und wird Hernández schnell wieder fit, droht Boateng die Bank - und Kovac der nächste Knatsch.
Der Bayern-Trainer muss sich also als meisterhafter Dirigent beweisen, will er alle Baustellen des Spätsommers schließen.
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