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Die Bundesliga als Turnier - das wär's gewesen

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BVB gegen FC Bayern (Ligastheniker)

Fotocredit: Eurosport

VonThilo Komma-Pöllath
11/05/2020 Am 10:05 | Update 11/05/2020 Am 10:41

Der LIGAstheniker wirft vor dem Bundesliga-Neustart am Wochenende einen Blick auf das Hygienekonzept der DFL. Dabei kommen ihm Zweifel, ob auf diese Art und Weise die Liga wirklich zu Ende gespielt werden kann. Ein Turnier-Konzept, wie es die BBL plant, wäre wohl realistischer durchzuführen gewesen. DFL-Boss Christian Seifert erhält indes Lob für seine Krisenmanagement.

Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath

Liebe Fußballfreunde,

Bundesliga

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11/05/2020 AM 05:41

Die Funktionäre des Fußballs kommen bei mir, in aller Regel, nicht sonderlich gut weg. Das liegt meist daran, dass die Lobbyisten des Spiels nicht über den Tellerrand ihres Multi-Millionenspektakels hinausschauen wollen.

Das kann man DFL-Boss Christian Seifert in der aktuellen Krisensituation nicht vorwerfen. Seifert, wie am Wochenende im "ZDF-Sportstudio", versucht den Sport im gesamtgesellschaftlichen Kontext zu sehen. Ähnlich wie auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge vermittelt er in diesen Tagen eine Gesprächsbereitschaft, eine Kritikoffenheit, die es so im Bundesliga-Geschäft lange nicht mehr gegeben hat.

Wie es sein könne, dass Profiklubs mit ihren Millionenumsätzen und -gehältern schon nach wenigen Wochen Pause vor der Pleite stehen? Es stimme schon, so Seifert, man müsse an das Lizensierungsverfahren heran und ein nachhaltigeres Wirtschaften einfordern mit den entsprechenden Rücklagen. Auch er spricht von einer Obergrenze für Gehälter, Ablösen und Provisionen und einmal vom "vielzitierten goldenen Steak".

Sie erinnern sich: Der Kollege Ribéry während eines Bayern-Trainingslagers vor ein paar Jahren, in einem dieser Scheichtümer, gepostet über seinen Social-Media-Kanal. Seifert macht deutlich, dass er das alles heute für eine große Geschmacksverirrung hält. In der Krise hat der Mensch die Möglichkeit, sein bisheriges Leben auf den Prüfstein zu stellen und zu korrigieren. Kaum einer hat das so nötig wie der Homo Calcio. Christian Seifert bemüht sich um den richtigen Ton.

Christian Seifert macht einen guten Job, findet der LIGAstheniker.

Fotocredit: Getty Images

Überholtes Hygienekonzept

Am Samstag also soll sie beginnen die Geisterspielzeit der Saison 2019/2020, die wohl endgültig am 30. Juni 2020 enden muss, weil dann viele Spielerverträge auslaufen. Ob es zu einem regulären Saisonende kommen wird, ist spätestens seit der Entscheidung des Gesundheitsamtes Dresden, nach positiven Tests die gesamte Mannschaft von Dynamo Dresden in eine zweiwöchige Quarantäne zu schicken, mehr als fraglich.

Das Hygienekonzept der DFL ist das eine, die virologische Wirklichkeit das andere. Das Konzept, das die Deutsche Fußball-Liga der Politik vorgelegt hatte, und das in der Sportwelt, auch international, viel Beifall gefunden hat, ist spätestens seit Dresden überholt.

Die DFL wollte nur die Spieler in Quarantäne schicken, die selbst positiv getestet wurden, nicht aber die ganze Mannschaft. Klar, weil sonst der Spielbetrieb gar nicht mehr durchzuführen wäre. Wie sich die DFL das wünscht, hat eine Woche zuvor das Gesundheitsamt in Köln durchexerziert. Auch hier gab es positiv auf Corona getestete Spieler, und obwohl, wie Birger Verstraete erklärte, andere intensiven Kontakt zu ihnen hatten, wurden sie nicht in Quarantäne geschickt.

Verstraete nannte das in einem TV-Interview "bizarr" und wer möchte ihm da widersprechen. Abgesehen davon, dass Verstraete aus gutem Grund Angst um seine eigene Gesundheit haben darf, sollte auch nur eine einzige Kontaktperson positiv sein, könnte diese den ganzen FC-Kader infizieren und damit wäre Köln spätestens in der nächsten Testphase in Quarantäne. Für jeden Normalbürger, der nachweislich mit einem Corona-Infizierten zu tun hatte, gilt die Quarantäne mit sofortiger Wirkung.

Fehlende Transparenz

Die Qualität und die Unabhängigkeit der Bundesliga-Tests ist das nächste Problem, wie das vermeintliche Skandalvideo von Herthas Salomon Kalou gezeigt hat. Diverse Experten, die den von Kalou abgefilmten Abstrich bei Jordan Torunarigha analysiert haben, gehen davon aus, dass er nicht korrekt durchgeführt wurde und zu einem falschen Testergebnis geführt hat.

Der Abstrich gehe zu schnell, dadurch werde unter Umständen zu wenig Viruslast aufgenommen, dass mit demselben Stäbchen Rachen und Zunge abgestreift werde, verdünne die Probe, so die Kritik von Wissenschaftlern. Schon jetzt gibt es Meldungen von Testergebnissen bei Borussia Mönchengladbach oder Union Berlin, wonach zahlreiche unklare Befunde nicht zugeordnet werden können, weil offenbar fehlerhaft getestet wurde.

Dass die Abstriche von den Klubs selbst vorgenommen werden und dass positive Tests nicht automatisch öffentlich gemacht werden müssen, sorgt nicht für die dringend nötige Transparenz, um Vertrauen zu schaffen. Mit ärztlicher Schweigepflicht hat das nichts zu tun. Selbst wenn die positiven Tests namentlich nicht zugeordnet werden, ein Spieler XY, der am nächsten Spieltag nicht mehr im Kader steht, bei dem ist klar, warum.

Vorbild Basketball

Die Frage, ob der Zeitplan der Liga unter diesen Umständen überhaupt einzuhalten sei, wies Seifert als hypothetisch zurück. Anders als die Fußball-Bundesliga hat die BBL ein gänzlich anderes Format gewählt, um ihre Saison sportlich zu Ende zu bringen. Ein Turnier an einem Ort, alle Basketball-Teams im selben Hotel und zuvor gehen alle Mannschaften in Quarantäne, damit auch ja kein positiv getesteter Spieler, Mitarbeiter oder Funktionär durchschlüpfen kann.

Spitzensport hermetisch abgeriegelt. Auch die Bundesliga hätte, als die EURO frühzeitig verschoben wurde, an eine solche Turnieridee denken können. Das wäre sicher komplizierter geworden als in der BBL, mit mehr Teams, mehr Spielorten, mehr Hotels, aber immer noch realistischer als das, was uns die nächsten Wochen erwarten könnte.

Wenn das Vorgehen des Gesundheitsamtes Dresden Schule macht, dann ist ein reguläres Saisonende mit einem sportlich gefundenen Deutschen Meister vor allem eines: utopisch.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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