Liebe Fußballfreunde,

Bundesliga
Bayern-Rookie Cuisance: Diese zwei Optionen hat er jetzt
29/06/2020 AM 08:16

die längste Saison aller Zeiten, 65 Tage länger als geplant, wurde also doch noch zu Ende gespielt. Wer hatte dagegen nicht alles gewettet! Was den sportlichen Wert betraf, war es nur im ersten Drittel eine überraschend gute und spannende Saison. Und am Ende alles wie immer: Mit einem Meister, den alle erwarteten und zwei Absteigern, die erwartbar waren.

Und dazwischen? Auf hohem Niveau stagnierende Dortmunder, interessante Gladbacher, irrlichternde Schalker, ein aufopferungsvolles Union Berlin und Bremer, die offensichtlich mehr Nordderbys gegen den HSV wollen. Ach ja, und der Zuschauerschnitt erst - der schwächste seit Gründung (Witz!). Und was haben wir gelernt aus dieser Krisensaison?

Man kann auch ohne Zuschauer Fußball spielen und kann als Fan endlich die Taktik der Mannschaften studieren, ein Spiel lesen lernen, auch wenn es ohne Geräuschkulisse so gut wie keinen Spaß macht. Vielleicht bräuchten die übertragenden TV-Sender für die neue Spielzeit einen Soundgenerator, der "Torjubel", "Abseitstor" oder "Platzverweis" lautmalerisch von außen aufs Bild zuschaltet. Sozusagen einen "Tonbeweis".

Apropos: Vom Videobeweis redet seit Corona kaum noch einer, obwohl die Irritationen geblieben sind. Ach ja, und auch das eine gesellschaftspolitische Errungenschaft in Covid-19-Zeiten: Ohne Zuschauer gibt es in den Stadien keinen Rassismus mehr. Man kann auch sagen: Die Fußballstadien sind der einzig rassismus-freie Raum in der Welt, wenn man nur keine Fans reinlässt.

In diesem Sinne freuen wir uns auf die Spielzeit 2020/2021, die jetzt, wo wir den Katastrophenmodus so gut drauf haben, am 11. September 2020 beginnen soll. Das scheint mir stimmig. Und hier meine Gewinner und Verlierer der abgelaufenen Saison:

Gewinner

Hans Flick: Keiner menschelt Mentalität so wie Hansi. Vielleicht noch Jürgen Klopp, okay, aber der ist ja schon ein "fünfter Beatle", wie ich gelesen habe. Woher kann der Hansi das nur? Von Jogi wohl nicht, obwohl er jahrelang dessen Assistent war.

Als Thomas Müller kürzlich monierte, dass man schlecht mit dem einbehaltenen Kurzarbeitergeld gleichzeitig Millionentransfers machen könne und sich dafür von seinem Sportdirektor Hasan Salihamidzic einen Rüffel einholte (und prompt zurückruderte und zur Medienschelte ausholte, weshalb er bei mir kein Saisongewinner ist, was er sportlich verdient hätte), sagte Herr Flick den großen Satz: "Ich verbiete keinem meiner Spieler den Mund."

Ha! Das hatte Größe, das zeugt von Unabhängigkeit den Großkopferten in seinem Laden gegenüber. Vielleicht ist das das Erfolgsrezept der Hansi-Flick-Bayern: Sie waren das mündigste Team der Liga.

Kai Havertz: Warum kaufen die Bayern eigentlich Leroy Sané?

Wo wird Kai Havertz in der nächsten Saison spielen? Der Bayer-Profi steht vor einer schwierigen Entscheidung

Fotocredit: Imago

Dietmar Hopp: Endlich musste er sich keine "Hurensohn"-Gesänge mehr anhören und in "Fadenkreuz"-Banner mit seinem Konterfei schauen - und er konnte sich mit seinem bösen Geld ganz auf die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs konzentrieren, der all seinen Hatern die Gesundheit bewahren soll.

Eine Bitte hätte ich dann doch an das Doppelmoralspiel dieser Liga: Wichtigtuerische, eitle und nicht ernstgemeinte Colin-Kaepernick-Gesten haben in den Bundesligastadien solange nichts verloren, solange wir es nicht schaffen, Bengalos, Hass-Plakate und den ganz alltäglichen Fan-Rassismus der Ultras und Normalos aus den Stadien heraus zu lassen.

Der Schalke-Fan: Man kann sagen, die Corona-Geisterspiele waren das Beste, was einem zahlenden Mitglied von S04 passieren konnte. Schalkes Rückrundenbilanz liest sich wie folgt: ein Sieg, 9:37 Tore, 9 Punkte - schlechter war nur Paderborn. Schalke hat einen Marktwert von über 200 Millionen Euro, Paderborn von 25.

Wer also auf all das verzichtet, was man für erfolgreichen Fußball braucht, wer also ohne Tore, Punkte, Taktik, System, Leidenschaft etc. spielt, der hat eine ziemlich vegane Saison gespielt. Kein Wunder, dass ihr Aufsichtsratsvorsitzender, "Schweinekönig" Clemens Tönnies, in Schwierigkeiten gerät. Weil der gute Clemens aber ein Herz hat für die Schalker Fans, wird er noch für viele weitere Lockdowns sorgen, so dass auch weiterhin keine Stadienbesuche möglich sind.

Alphonso Davies: Mein Spieler des Jahres. Schnell, trickreich, kann singen und tanzen, wie kein Zweiter (sagen sie in der Bayern-Kabine).

Alphonso Davies ist die Entdeckung der Saison

Fotocredit: SID

Verlierer:

David Wagner: Jetzt also der nächste hoch gehandelte Fußballlehrer, der Schalke nicht kann. Gut, man kann sagen, Huddersfield in der englischen Grafschaft West Yorkshire reicht als qualifizierter Hauptschulabschluss nicht aus, um diesen versauten Klub erfolgreich zu bespielen. Der einzige, der mir einfiele, der das könnte, …. warten Sie kurz,…. wer könnte das machen…? Nee, mir fällt keiner ein!

Marco Reus: Eine bittere Saison, wieder eine, für den blonden BVB-Kapitän. Ist schon wieder verletzt, keiner weiß, wann er wieder fit wird. Wird er wieder fit, weiß man überhaupt, was er hat? Das Schlimmste: Hat ihn irgend jemand vermisst, als es noch eng war um die Meisterschaft? Hat irgendjemand gesagt, den Reus, den brauchen wir, sonst klappt das nie mit dem Titel?

Nee, hat keiner! Hat Lucien Favre sein Fehlen auch nur einmal als Ausrede dafür benutzt, warum man am Ende 13 Punkte Rückstand hat auf die Bayern? Nee, hat er nicht! Hat irgendjemand gesagt, den Erling Haaland, den brauchen wir, sonst schaffen wir das nie? Ja, alle!

Marco Reus fehlte dem BVB auch in dieser Saison lange

Fotocredit: SID

Jürgen Klinsmann: Es gibt wohl kaum eine größere Trainermogelpackung als Klinsi. Deshalb immer wieder interessant, wie potente Investoren und Business-Wunderkinder wie Lars Windhorst auf den blonden Schwabenegel hereinfallen. Zum totalen Gag hatte nur gefehlt, dass nicht Wirecard Hertha zum Big City Club aufbauen wollte.

Seitdem Klinsi weg ist spielen sie in Berlin auch wieder Fußball. Bis sie allerdings dort sind, wo sie hin wollen, bräuchten sie schon die SpaceX-Rakete von Elon Musk. Sehr geehrter Herr Preetz, übrigens auch ein Top-Sponsor und total crazy. Ich würd' den mal fragen.

Die DFL: Drückte geschickt den Bundesliga-Neustart durch, als Cafés, Restaurants, Theater, Kinos und Geschäfte aller Art noch geschlossen hatten. Ein Großteil der Bevölkerung fand das, nach Umfragen, falsch. Gleichzeitig wies sie in selbstgeißelnder Manier darauf hin, dass man den Bezug zu den normalen Menschen (also ihren Kunden) nicht verlieren dürfe, dass Protzautos und Goldsteaks nicht in Ordnung sind.

DFL-Boss Christian Seifert hat immer gesagt, er mag keine Goldsteaks, von Friseurbesuchen allerdings war nie die Rede. Deshalb hat Jadon Sancho seinen Coiffeur mal kurz ins Haus bestellt. Gab einen Riesenwirbel. Dass man eine ganze Innung schlecht redet, die selbst ums Überleben kämpft, fand ich unfair.

Auf den DFL-Spagat 20/21 bin ich trotzdem gespannt. Da die Fernsehrechte vergeben sind und Zuschauereinnahmen in Zukunft kaum noch möglich, hier schon mal weltexklusiv der neue DFL-Claim: "Wir spielen für uns!"

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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