Viel konträrer hätten die vergangenen beiden Samstage für den BVB nicht ablaufen können.

Nur eine Woche nachdem die Dortmunder in Leipzig mit einer der besten Saisonleistungen den Vizemeister-Titel in der Bundesliga endgültig perfekt gemacht hatten, ließ sich die Truppe von Lucien Favre im Saisonfinale zuhause mit 0:4 von der TSG Hoffenheim abfideln.

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BVB-Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke sprach am Sonntagmorgen im "Doppelpass" bei "Sport1" von einer "Nichtleistung", für die sich die Schwarz-Gelben "fast schon entschuldigen müssten".

Wie es dazu kommen konnte? "Der Schlüssel für die Leistung lag in der letzten Woche gegen Leipzig", suchte Watzke nach Erklärungen: "Wir wollten RB unbedingt zeigen, wer die Nummer zwei in Deutschland ist. Das hat geklappt, aber hat zu einem extremen Spannungsabfall geführt."

So weit so gut. Hätte der BVB das Duell mit den Hoffenheimern, die durch den Viererpack von Andrej Kramaric den direkten Einzug in die Europa League perfekt machten, knapp verloren, hätte sich die Kritik sicher in Grenzen gehalten. Es war die Höhe und die fast peinliche Art und Weise, die die abgelaufene Saison vor der Sommerpause noch einmal in einem anderen Licht erscheinen ließ.

Watzke zieht Saisonfazit

Watzke kündigte zwar an, dass die Aufarbeitung der Klatsche "weniger harmonisch“ ablaufen werde, seinen Gesamteindruck von der abgelaufenen Saison hätte diese aber nicht getrübt.

"In der Bundesliga sind wir Zweiter geworden, gegen Paris in der Champions League kann man ausscheiden", resümierte der 61-Jährige. Einzig das Abschneiden im DFB-Pokal sei indiskutabel: "Wenn du zweimal im Achtelfinale gegen Werder Bremen rausfliegst (2019 & 2020; Anm. d. Red.), das ist schon schwer zu akzeptieren."

Dass man sich in der Meisterschaft erneut dem FC Bayern geschlagen geben musste, liegt für Watzke neben Ausnahmespielern wie Manuel Neuer und Robert Lewandowski vor allem am Ausgang der direkten Duelle:

"Solange Bayern 82 Punkte holt, wird es für jede andere Mannschaft schwierig. Es muss das Ziel sein, sie in den direkten Duellen zu schlagen. Als wir die letzten beiden Titel geholt haben, haben wir alle vier Spiele gewonnen. Wir wissen, dass Lewandowski druckresistenter ist als Erling Haaland. Wir haben noch sehr viele Spieler, die wir weiterentwickeln müssen, damit sie diese Mentalität kriegen."

Hat Dortmund ein Mentalitätsproblem?

Die fehlende Einstellung hatte auch Keeper Roman Bürki nach dem Hoffenheim-Debakel angeführt und damit eine Debatte aus der Hinrunde neu entfacht:

"Bayern hat diese absolute Winner-Mentalität", analysierte der Schweizer knallhart bei "Sky": "Vielleicht haben wir manchmal die falsche Mentalität und die falsche Einstellung." Ergo: So spielt kein ernsthafter Bayern-Jäger.

Roman Bürki äußerte sich nach der Klatsche gegen die TSG Hoffenheim kritisch

Fotocredit: Getty Images

Was Marco Reus dachte, ist nicht überliefert. Im September hatte der seit Monaten verletzte Kapitän gewütet, die Diskussion über "Mentalitätsscheiße" gehe ihm "auf die Eier".

Watzke hingegen wollte keine neuerliche Charakterdebatte befeuern. "Wenn du verlierst, hast du keine Mentalität, wenn du gewinnst, hast du Mentalität“, bügelte der Vorstandsvorsitzende die Kritik der Medien und Fans etwas lapidar ab.

Watzke: Favre kann mit den Vorurteilen aufräumen

Auch Coach Favre wollte Watzke für das 0:4 keinen Vorwurf machen. "Jeder Trainer der Welt hätte dieses Spiel verloren, weil es an der Mannschaft lag“, so der 61-Jährige, der noch einmal bekräftigte, dass der BVB mit dem Schweizer Übungsleiter für die kommende Saison plane.

Favres stoische und manchmal emotionslos wirkende Art hatte ihm in der Vergangenheit immer wieder Kritik eingebracht. Der Vorwurf: Der Schweizer könne sein Team besonders in großen Spielen nicht genug motivieren und lebe den absoluten Siegeswillen nicht vor.

"Ich weiß, dass es Vorurteile gegenüber Lucien gibt“, erkärte Watzke: "Damit kann er ja nächstes Jahr aufräumen. Ich denke, die Chance dazu hat er auf jeden Fall verdient."

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Favre mit deutlichen Worten: "Bayern ist besser, Punkt!"

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