Drei Dinge, die bei FC Bayern gegen Werder Bremen auffielen: Coutinho, Coutinho, Coutinho
Philippe Coutinho drückt dem 6:1-Sieg des FC Bayern München gegen Werder Bremen am 15. Spieltag der Bundesliga mit drei Toren und zwei Vorlagen seinen Stempel auf. Der Brasilianer agiert dabei in zwei Rollen. Bei Robert Lewandowski läuft's auch wieder. Jérôme Boateng verlebt dagegen einen weniger schönen Nachmittag. Was uns auffiel.
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1.) Coutinho überall
Bedurfte es noch einem Beweis dafür, welch formidabler Kicker Philippe Coutinho ist, dann fungiert das Spiel gegen Werder Bremen ab sofort als Beweisstück A.
Fünf Torbeteiligungen sammelte der Brasilianer – drei Tore und zwei Vorlagen steuerte er bei. Kurzum: Coutinho war für Werder überhaupt nicht in den Griff zu kriegen.
Seinem 1:1 nach Spitzelpass von Serge Gnabry (45.) ließ er zwei Traumtore zum 3:1 (63.) und 6:1 (78.) folgen. Das Führungstor von Robert Lewandowski (45.+4) und das 5:1 von Thomas Müller bereitete er mit zwei nicht minder sehenswerten Zuspielen vor.
“Ich freue mich sehr für Philippe, dass bei ihm heute der Knoten geplatzt ist”, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. In der Bundesliga-Scorerliste ist er damit schon Fünfter (sechs Tore, sechs Vorlagen).
Dabei war der Brasilianer nominell auf dem linken Flügel gestartet – was aber wirklich nur auf dem Papier so Bestand hatte. Coutinho dachte nämlich gar nicht daran, wie ein Außenstürmer zu agieren; vielmehr wirbelte er schon in der ersten Halbzeit überall.
Zwar ist es von Trainer Hans-Dieter Flick durchaus beabsichtigt, dass der 27-Jährige, wenn links aufgeboten, eher im Korridor spielt. So wie Coutinho seine Rolle in Durchgang eins interpretierte, blieb aber wenig Platz für Leon Goretzka, dem er, salopp gesagt, permanent vor die Flinte lief. Was Coutinho freilich wenig störte.
Die fehlende Harmonie zwischen ihm und Goretzka bewog Flick dann allerdings dazu, zur Pause großflächig umzustellen: Mit der Hereinnahme von Ivan Perisic für Boateng rückte der Kroate auf links, Kimmich nach rechts hinten, Pavard nach innen, Thiago von der Acht auf die Sechs und Coutinho nahm die Position des Spaniers im Zentrum ein.
Dort spielte er im Endeffekt dasselbe – die Bayern hatten nur jetzt zwei Flügelstürmer auf dem Platz und waren so noch weniger ausrechenbar. Und Coutinho genoss sichtlich alle Freiheiten. “Es war ein guter Tag für mich”, sagte er danach untertreibend. “Das hat jedem, der im Stadion war, Spaß gemacht”, meinte Trainer Hans-Dieter Flick.
2.) Die Leiden des Jérôme B.
Jérôme Boateng stand in seinem 300. Pflichtspiel für den FC Bayern im Fokus und wurde bloßgestellt – im wahrsten Sinne des Wortes.
Als letzte Instanz musste er sich vor dem 0:1 dem pfeilschnellen Milos Rashica stellen und war im Eins-gegen-Eins verloren (24.) – zuvor hatte er noch Glück gehabt, dass der Kosovare ausgerutscht war (8.). Noch ein drittes Mal ließen ihn seine Mitspieler alleine gegen Rashica, Boateng wirkte wieder hilflos, doch der Bremer zielte ein Stückchen zu hoch (37.).
Das Publikum in der Allianz Arena quittierte das mit Raunen. Boateng hatte bis dato keinen Zweikampf gewonnen und für ein taktisches Foul an Davy Klaassen zudem eine Gelbe Karte kassiert (18.). Dass er nach seinem ersten gewonnenen Zweikampf mit Balleroberung an der Mittellinie prompt einen Fehlpass spielte, passte ins Bild (42.).
“Er musste sein Spiel umstellen, weil er gelbgefährdet war”, sagte Innenverteidiger-Kollege David Alaba entschuldigend.
Doch dann kam die 45. Minute, mit ihr die Wende für Bayern – und ein wenig Wiedergutmachung für Boateng. Denn sowohl vor dem 1:1 durch Coutinho als auch vorm 2:1 von Robert Lewandowski (45.+4) ging der Bayern-Angriff von einem Ballgewinn des Innenverteidigers aus. Das war nur nicht so plakativ, wie zuvor seine Geschwindigkeitsnachteile gegen Rashica.
“Wir spielen einfach mit einem sehr hohen Risiko im Moment”, erklärte Alaba: “Wir stehen sehr hoch, da kommt sowas vor. Das wissen wir. Aber wir haben als Mannschaft Charakter gezeigt.”
Aus der Halbzeitpause kam Boateng dann aber nicht mehr zurück – ausgewechselt wegen der Gelb-Rot-Gefahr. Sein Arbeitsnachweis blieb so überschaubar: 40 von 48 angekommene Pässe, nur einen von vier Zweikämpfen gewonnen. Argumente, am Mittwoch in Freiburg den Vorzug vor Javi Martínez (fehlte gegen Bremen gesperrt) zu erhalten, sammelte er damit nicht. Und im Januar ist Lucas Hernández wieder fit …
3.) Lewandowski beendet Mini-Krise
Dass Bayern zuletzt zweimal in der Liga verlor, hatte auch was mit der mangelnden Chancenverwertung von Top-Stürmer Robert Lewandowski zu tun. Da der Mittelstürmer zuvor auch beim 4:0 in Düsseldorf nicht getroffen hatte, wartete er tatsächlich seit drei Liga-Spielen auf ein Tor (was seit Ende 2016 zuvor nur einmal der Fall war).
Als Lewandowski dann auch in der ersten Halbzeit drei brauchbare Chancen liegen ließ – bei einer lag Werder-Keeper Pavlenka schon fast auf dem Boden (39.) – schwante den Bayern-Fans Böses.
Doch Lewandowski ließ sich nicht beirren, spielte erneut sehr mannschaftsdienlich und holt sich teilweise tief die Bälle ab.
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit brach er dann auch den Bann: Nach einem tollen Pass von Coutinho schloss er resolut zum 2:1 ab (45.+4) und legte in der zweiten Halbzeit nach Doppelpass mit dem eingewechselten Thomas Müller noch zum 4:1 nach (72.).
Bedeutet: jetzt 29 Tore in 23 Pflichtspieleinsätzen. Nicht verkehrt.
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