FC Bayern: Alphonso Davies trumpft groß auf und könnte das Lewandowski-Problem lösen

Alphonso Davies überzeugt beim FC Bayern München als Linksverteidiger auf ganzer Linie: Seit der 19-Jährige die linke Seite auf und ab flitzt, hat sich die Bayern-Defensive stabilisiert. Indirekt war Davies so auch für den neuen Abwehrchef verantwortlich –könnte nun aber auch bei der Lösung des Lewandowski-Problems eine Rolle spielen. Von Kollegen und Vorgesetzten gibt es viel Lob.

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Vom FC Bayern berichtet Florian Bogner
Alphonso Davies war es ein bisschen unangenehm, aber da stand er nun, im Rampenlicht.
Nach dem 3:0 des FC Bayern München beim FC Chelsea hatten die Spieler soeben ihre obligatorische Runde vor den mitgereisten Fans gedreht, da brandeten, just als sich die Spieler auf dem Weg Richtung Kabine machten, erneut "Phonzie! Phonzie!"-Sprechchöre auf – und Robert Lewandowski schubste Davies zurück vor die Kurve, wo er verlegen lächelnd noch ein paar Sekunden alleine zurückklatschte, ehe er sich trollte.
In London hatte der 19-Jährige erneut eine bärenstarke Leistung abgeliefert – mit einer Einschränkung, wie Manuel Neuer dringend anmerken musste.

Alphonso Davies kassiert Anschiss von Manuel Neuer

"Nach vorne war das sehr gut. Aber ich musste ihn einmal voll zur Sau machen, weil er direkt vor seiner Torvorlage seinen Gegenspieler hat Richtung Sechzehner laufen lassen und ihn nicht rechtzeitig vorher außerhalb attackiert hat", meinte der Bayern-Kapitän:
"Sein Solo" war die bemerkenswerte Vorlage für das 3:0 von Robert Lewandowski (76.), die der Linksverteidiger nach knapp 70 Meter Sprint beinahe beiläufig abgegeben hatte.
Ungefähr dort, wo Davies bei seiner bemerkenswerten Aktion das letzte Londoner Abwehrbein übersprungen hatte, stand nach dem Spiel Hasan Salihamidzic auf dem Rasen und musste sich im Gespräch mit Journalisten gedanklich nochmal nach Vancouver versetzen – zurück ins Jahr 2018, als der FC Bayern München das erste Mal bei Alphonso Davies, damals erst 17 Jahre alt, vorstellig geworden war.

Das Schnäppchen aus der MLS

Andere Vereine seien auch an Davies interessiert gewesen, aber "Marco Neppe hat da einen super Job gemacht", lobte Salihamidzic zuerst mal seinen Chefscout, mit dem er in Sachen Transfers eng zusammenarbeitet. Und weiter:
Mit allen mit den Vancouver Whitecaps und der MLS vereinbarten Boni soll Davies maximal 18,8 Millionen Euro kosten – ein Schnäppchen, wenn die Entwicklung des Linienflitzers, der seit Januar 2019 für Bayern spielberechtigt ist, so weitergeht.

21 Startelf-Einsätze in Folge für Davies

Ursprünglich eher als Außenstürmer vorgesehen, überzeugte Davies den Trainerstab im vergangenen Sommer, dass er auch als Linksverteidiger ein guter Backup für David Alaba sein könnte. Damit war das erste Problem gelöst – sonst war nur Lucas Hernández für links vorgesehen, aber eigentlich eher innen eingeplant.
Bayerns Verletzungsmisere in der Hinrunde führte dann schnell zu Davies' ersten Startelfeinsätzen. Und als immer mehr Innenverteidiger ausfielen und Alaba dort aushelfen musste, blieb Davies ganz einfach links hinten und stand seinen Mann.
21 Pflichtspiele von Beginn an hat er nun in Folge gemacht, darunter alle unter Hans-Dieter Flick, und ist dabei nur einmal ausgewechselt worden (zehn Minuten vor Schluss beim 4:0 bei der Hertha). Sieben Torvorlagen sind dabei herausgesprungen.

Weil Davies glänzt, ist Alaba jetzt Abwehrchef

Indirekt hat Davies den Bayern durch seine starken Leistungen aber auch zu einem neuen Abwehrchef – Alaba – verholfen, der in Abwesenheit von Niklas Süle (Kreuzbandriss) nun das Kommando hat.
Seit beide Seite an Seite spielen, hat sich die Defensive merklich stabilisiert. Mit ihnen in der Abwehr haben die Bayern unter Flick nur 0,8 Gegentore pro Spiel kassiert. Zuvor waren es 1,4. "Er macht sich hervorragend auf der Seite, hat natürlich noch Potenzial", lobte der Trainer in London:

Davies als ultimative Konterabsicherung

Der flinke Alaba trägt sicher dazu bei – mit seiner exorbitanten Schnelligkeit ist Davies jedoch die personifizierte Konterabsicherung. Die braucht Bayern auch, weil es unter Flick deutlich aggressiver spielt, früher angreift und höher auf dem Feld postiert ist als noch unter Niko Kovac.
Zu sehen war der Davis-Effekt sehr anschaulich in London, als Gegenspieler Mason Mount nach zwei Steckpässen zwar jeweils ein paar Meter Vorsprung hatte, Davies diese aber in kürzester Zeit aufholte und den Ball zur Freude der mitgereisten Fans klärte.
"Ich höre immer noch die 'Phonzie, Phonzie'-Rufe", schwärmte Salihamidzic hinterher. "Dieser Speed ist selbst für unsere Highspeedfraktion nochmal eine Stufe mehr", meinte auch Thomas Müller beeindruckt:
Noch bemerkenswerter findet der Vize-Kapitän allerdings, "dass er in dem letzten Jahr auch taktisch deutlich dazu gelernt hat. Er kam als Linksaußen nach Deutschland, aber seine Weltklasseleistungen hat er links hinten gezeigt und da kann er uns auch am meisten helfen."

Rückt Davies jetzt in die Offensive?

Was Müller freilich sagte, bevor die Verletzung von Robert Lewandowski die Runde machte. Denn auch hier könnte Davies nun als Problemlöser auftreten. Zumindest kurzfristig. Sollte Flick nämlich Serge Gnabry als Lewandowski-Ersatz im Sturmzentrum auswählen, könnte Davies dessen Position links offensiv übernehmen.
Links hinten könnte dann Hernández zu Spielpraxis kommen. Andere Außenstürmer hat Flick derzeit schlichtweg nicht zur Hand; Ivan Perisic fällt noch ein paar Wochen mit einer Knöchelverletzung aus, Kingsley Coman zog sich in London eine Oberschenkelzerrung zu und bekam fünf Tage Trainingspause verordnet.
Und mit Coutinho sowie Thomas Müller auf den Flügeln zu spielen, misslang schon in der zweiten Halbzeit gegen RB Leipzig, weil Bayern so kaum Druck über die Flügel aufbauen und nur wenige Eins-gegen-eins-Situationen auf außen gewinnen kann.
Ein Fall für Davies? Abwarten. "Er hat große Qualitäten, Riesenspeed und seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen – man muss einem jungen Spieler aber auch irgendwann seine Ups und Downs erlauben", mahnt Salihamidzic.

Erste Botschaft an Davies: Nur nicht abheben!

Davies, der laut Flick "gut in die Mannschaft integriert ist und Spaß reinbringt", soll auch nicht verheizt werden. "Er ist ein absolut sauberer Junge, der jeden Tag an sich arbeitet. Wir passen auch auf, dass seine beiden Füße auf dem Boden bleiben", so Salihamidzic.
Deswegen erzählte Neuer auch die Geschichte mit dem Anschiss. "Ich darf ihn nicht zu sehr loben, damit er weiter solche Leistungen bringt", meinte der Bayern-Kapitän.
Sie brauchen ihn nämlich – hungrig, aber auch demütig, frisch, leistungsstark. Oder wie es Müller formulierte: "Er weiß Bescheid: Wenn er nur einen Millimeter nachlässt, bin ich hinter ihm und beiß ihm in die Waden." Nachsatz:
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