FC Bayern: Das wurde aus Kurt, Gaudino, Scholl und Höjbjerg
Unter Pep Guardiola gehörten Sinan Kurt, Gianluca Gaudino, Lucas Scholl und Pierre-Emile Höjbjerg zu den verheißungsvollsten Talenten des FC Bayern München. Mittlerweile sind einige der ehemals hoch gehandelten Youngster jedoch in der Versenkung verschwunden - Kurt ist aktuell sogar ohne Verein. Und einzig der Däne agiert aktuell noch auf höherem Niveau.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Im Juli 2013 übernahm Pep Guardiola den amtierenden Triple-Sieger FC Bayern München auf dem Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte. Der Spanier hob den Klub spieltaktisch auf eine neue Ebene und prägte in den kommenden drei Jahren eine Ära, der noch heute nicht wenige Bayern-Fans nachtrauern.
Doch auch dem oft als "besten Trainer der Welt" bezeichneten Guardiola gelang nicht alles. Unter seiner Führung sollten beispielsweise vier hochgehandelte Talente den Durchbruch beim deutschen Rekordmeister schaffen: Sinan Kurt, Gianluca Gaudino, Lucas Scholl und Pierre-Emile Höjbjerg.
Rund sieben Jahre später schauen wir, was aus den einstigen Megatalenten geworden ist.
Sinan Kurt
Schon vor seinem Transfer zum FC Bayern München im Jahr 2014 war Kurt einer breiten Masse deutscher Fußballfans bekannt. In der Dokumentation "Projekt Profi" begleitete der TV-Sender "Sky" ab Februar 2012 drei damalige U16-Nationalspieler auf dem Weg in Richtung Profifußball: das Torhütertalent Raif Husic, den bulligen Innenverteidiger Jonathan Tah und eben Sinan Kurt, den technisch beschlagenen Mittelfeldkünstler.
Der in der Jugend von Borussia Mönchengladbach ausgebildete Kurt war dabei so etwas wie der heimliche Star der Serie, wurde ihm doch das größte Talent nachgesagt. Knapp acht Jahre später weiß man: Talent ist nicht alles. Tah, der schon damals einen extrem disziplinierten Eindruck machte, ist mittlerweile Nationalspieler und Abwehrchef bei Bayer Leverkusen, Kurt seit Juli 2019 vereinslos.
"Man wartet schon auf den erlösenden Anruf und fragt nach, ob sich Klubs gemeldet haben", beschreibt der mittlerweile 23-Jährige seine Situation. Nach seinem Wechsel zum FC Bayern, für den sich unter anderem Pep Guardiola stark machte und der medial hohe Wellen schlug (drei Millionen Euro Ablöse), stagnierte die Entwicklung des Talents. Dass es Kurt an Einstellung mangele, war immer wieder zu hören.
Im Jahr 2016 ging es deshalb weiter zu Hertha BSC, wo Pal Dardai im Jahr 2017 vielsagend meckerte: "Sinan soll hier seinen Arsch bewegen."
Gelungen ist ihm das nicht. Nur vier Bundesliga-Minuten im Trikot der Hertha stehen für den Linksaußen zu Buche, als es im Januar 2019 weiter in die zweite österreichische Liga zur WSG Tirol geht. Immerhin: Mit den Tirolern schafft er den Aufstieg in die österreichische Bundesliga, bekommt anschließend aber keinen Folgevertrag.
Inzwischen wohnt Kurt wieder bei seiner Mutter in Mönchengladbach, hält sich mit Laufeinheiten im Park fit. Übrigens zusammen mit Samed Yesil, einem ehemals hochgehandelten deutschen Talent vom FC Liverpool.
Gianluca Gaudino
Gute Nachrichten gab es für den Sohn des ehemaligen Bundesligaprofis Maurizio Gaudino in den vergangenen Jahren eher selten. Im Januar 2019 jedoch unterschrieb das einstige Bayern-Talent nach absolviertem Probetraining bei Young Boys Bern einen Vertrag über zweieinhalb Jahre bis Sommer 2019. Zuvor steckte Gianluca Gaudino in der Karriere-Sackgasse, war sogar ein halbes Jahr vereinslos. Was lief da schief?
Nach seinem Bundesliga-Debüt am 1. Spieltag der Saison 2014/2015 gegen den VfL Wolfsburg (2:1) überschütteten ihn die Verantwortlichen beim Rekordmeister noch mit Lob. Von Beginn an durfte er neben David Alaba auf der Doppelsechs 90 Minuten in der Allianz Arena auflaufen, ehe er unter tosendem Applaus für Pierre-Emile Höjbjerg den Platz verließ.
"Besser kann man kaum spielen", schwärmte kein geringerer als Trainer Pep Guardiola, "Gianluca hat etwas, das schwierig zu lernen ist: Er kann richtig gut Fußball spielen", pflichtete ihm der damalige Sportvorstand des FC Bayern, Matthias Sammer, bei.
Sechs weitere und weit weniger gefeierte Auftritte sollten für Gaudino in der Bundesliga noch hinzukommen, ehe er erst aussortiert und anschließend zurück ins Regionalligateam beordert wurde. Anfang 2016 folgte die Flucht vor der übermächtigen Konkurrenz beim deutschen Vorzeigeklub - doch in die Spur fand Gaudino nicht.
"Als ich 2016 von Bayern zum FC St. Gallen verliehen und 2017 an Chievo Verona verkauft wurde, war es für mich als junger Mensch schwierig. Weit weg von zu Hause war ich plötzlich in Teams, die im Abstiegskampf steckten. Da ging es mehr ums Kämpferische. Und das war ich nicht gewohnt", erklärte der heute 23-Jährige im vergangenen Juli gegenüber "Bild".
In Bern spiele er jetzt wieder in einer Mannschaft, "die wie der FC Bayern in der Liga oben dabei ist, dominanten Fußball spielt. Das passt zu meinem Spielstil".
Als Ergänzungsspieler kämpfte sich Gaudino in seinem ersten halben Jahr bei den Young Boys heran, pendelte immer wieder zwischen Tribüne, Bank und Rasen. Nach seiner ersten vollen Sommervorbereitung unter Trainer Gerardo Seoane gehört er zum Stammpersonal und liefert durchaus annehmbare Zahlen ab.
Bis zu seinem Syndesmosebandanriss Anfang November traf er an den ersten 13 Spieltagen der laufenden Spielzeiten drei Mal und legte drei weitere Treffer auf. Leistungen, die ihm irgendwann auch wieder in die Bundesliga verhelfen könnten, auch wenn die ganz großen Klubs noch weit weg sind.
Lucas Scholl
"Lucas, du kannst fußballerisch alles, aber du musst deinen Kopf ändern.” Dieser Satz stammt von Guardiola und galt dem Sohn von Bayern-Legende Mehmet Scholl, der im Jahr 2013 zu den Stars der Zukunft beim FC Bayern gehörte.
"Damals war ich 17 und habe überhaupt nicht verstanden, was er von mir wollte", verriet Lucas Scholl nun in einem Interview mit der "Sport Bild". Eine Erklärung dafür, warum Scholl heute nicht vor ausverkauften Rängen in der Champions League, sondern vor wenigen Hundert in der Regionalliga Bayern spielt.
Beim VfR Garching wollte Scholl seine milde ausgedrückt ins Stocken geratene Karriere wieder ins Laufen bringen - doch dann kam das Virus: "Ich bin im Winter extra zu Garching gewechselt, um Spielpraxis zu sammeln und mich wieder für den Profifußball anzubieten. Nun herrscht Corona-Pause, und ich hänge in der Regionalliga fest.”
Im Profifußball war der gebürtige Münchner wenn man es genau nimmt noch gar nicht angekommen. Jedenfalls stehen keine Einsatzminuten auf Profi-Niveau zu Buche. Den FC Bayern verließ er im Januar 2017 in Richtung FSV Wacker Nordhausen (Regionalliga Nordwest), drei Jahre später ging es weiter in den Münchner Vorort Garching.
"Ich bin sicher nicht mehr der gefragteste Spieler", schätzt sich Scholl heute ein und hofft: "Vielleicht kommt ein Angebot aus dem Ausland."
Eine Alternative gibt es jedenfalls nicht in Scholls Lebensplanung - zumindest nicht im klassischen Sinne: "Ich werde sicher nicht mit einem Anzug irgendwann im Büro sitzen. Mein Plan B heißt Fußball. Wenn es mit der aktiven Karriere nichts wird, will ich unbedingt als Trainer arbeiten."
Pierre-Emile Höjbjerg
Auch Pierre-Emile Höjbjerg gehörte einst zu den größten Talenten nicht nur beim FC Bayern, sondern in ganz Europa. Für den Durchbruch auf europäischer Top-Ebene reichte es für den Dänen (noch?) nicht ganz, dafür ist er heute mit nur 24 Jahren der jüngste Kapitän in der Premier League.
Beim FC Bayern stand er als junger Profi in 25 Pflichtspielen (17 Bundesligaspiele) auf dem Platz. Die Anlagen waren da, immer fehlte jedoch das letzte Quäntchen, um sich beim Rekordmeister einen Stammplatz zu ergattern.
Bayern versuchte, Höjbjerg mit Leihgeschäften Spielpraxis zu verschaffen. Erst ging es für ein halbes Jahr zum FC Augsburg, dann für eine Saison zum FC Schalke. Bei beiden Teams spielte er Stamm, dennoch hatte man beim FC Bayern nach seiner Rückkehr 2016 keine Verwendung mehr. Höjbjerg zog es in die Premier League zum FC Southampton, wo er sein Glück fand.
Der Däne ist Aggressiv-Leader im Mittelfeld der Saints, gehörte von Tag eins zu den Leistungsträgern der Engländer, für die er seit November 2018 als Kapitän aufläuft. Sein Vertrag läuft noch bis Juni 2021.
Solange Höjbjergs Kontrakt in Southampton nicht verlängert ist, machen sich auch Bundesligisten Hoffnungen, den 24-Jährigen zurück ins Deutsche Oberhaus zu holen. Die "Berliner Morgenpost" berichtete bereits von Verhandlungen des Dänen mit Hertha BSC.
Nicht ausgeschlossen also, dass zu den insgesamt 56 Bundesliga-Einsätzen demnächst noch weitere hinzu kommen.
Das könnte Dich auch interessieren: Der "neue Iniesta" am Scheideweg: Zahlt sich Dortmunds Geduld bei Gómez aus?
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-64409486-720e-4196-b7be-ecc2673d0569-68-310-310.jpeg)