FC Bayern: Trainer Hansi Flick auf den Spuren von Pep Guardiola

Hansi Flick ist seit seiner Amtsübernahme beim FC Bayern nicht aufzuhalten. Seine Mannschaft eilt von Sieg zu Sieg, steht mittlerweile unmittelbar vor dem Gewinn der achten Meisterschaft in Folge. Für den 55-Jährigen wäre es die erste als Cheftrainer. Statistisch ist Flick schon jetzt der beste Trainer der Vereinsgeschichte. Doch auch diese Bestmarke kann nur eine Zwischenstation sein.

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Hansi Flick hat kein Ohr für Wasserstandsmeldungen.
"Statistiken und Rekorde interessieren mich aktuell nicht", sagte der Bayern-Trainer nach der nächsten beeindruckenden Vorstellung seiner Mannschaft in der Bundesliga, die auch ihn persönlich auf ein neues Level hievte.
Beim locker-lässigen 5:0-Sieg seines Teams gegen Fortuna Düsseldorf hat sich Flick selbst mit einem gut lesbaren Stift in den vereinseigenen Geschichtsbüchern eingetragen.
So ist der 55-Jährige der erste Trainer des deutschen Rekordmeisters seit dem Aufstieg in das Oberhaus 1965, der 22 seiner ersten 25 Pflichtspiele gewinnen konnte. Selbst Pep Guardiola, dem Trainer, der an der Säbener Straße seit seinem dreijährigen Engagement als Ideal gilt, waren in diesem Zeitraum "nur" 21 Siege gelungen.
Flicks Siegquote liegt bei lächerlich hohen 88 Prozent. Nie zuvor in der Geschichte der Bundesliga gelangen einem Team nach 29 Spieltagen zudem mehr als die 86 Tore der diesjährigen Bayern. Alleine 61 Treffer erzielten Robert Lewandowski und Co. dabei unter der Leitung von Hansi Flick.
Den Trainer tangiert das alles nicht. "Mir geht es nur darum, dass wir eine erfolgreiche Saison spielen. Bei Bayern München ist es so, dass du Meister werden musst. Das Ziel haben wir, aber es ist noch einiges zu spielen", betonte er gegenüber "Sky".

Flick weiß, dass alles noch scheitern kann

Denn genau das ist es, was ihm noch zu Guardiola und all den anderen bayrischen Trainerlegenden fehlt: die Silberware. Flick weiß, dass bei seinem Klub eine Saison immer nur so gut ist, wie ihr letztes Spiel.
Er war hier fünf Jahre lang auch Spieler, kennt den Klub. Mit der Bundesliga - die höchstwahrscheinlich gewonnen wird - ist der Job nicht getan. DFB-Pokal-Halbfinale und ein potenzielles Endspiel stehen genauso noch auf dem Programm, wie die Beendigung der Champions League.
Die derzeit komplizierte Lage durch die Pandemie verlangt von leitenden Angestellten besonderes Fingerspitzengefühl. Der FCB-Trainer will seine Mannschaft deshalb um sich versammeln, ihre Konzentration hochhalten aber auch Freiheiten gewähren. Das ist sein Stil.
Zu beobachten war die ganze Bandbreite auf dem Rasen der leeren Allianz Arena am Samstagabend.
Flick versammelte den kompletten Kader um sich, hielt eine kurze Ansprache mit ernstem, aber stolzem Gesichtsausdruck. Zum Schluss verteilte er Zuckerbrot - zwei Tage frei. Als der Business-Aspekt schließlich abgehandelt war, lieferte er sich eine Neckerei mit Serge Gnabry, analysierte mit Kapitän Neuer und verteilte einen Klaps an Michael Cuisance und Oliver Batista-Meier.

FC Bayern spielt Flick-Ball

Es stimmt zwischen Team und Coach.
Das ist nicht nur während der Partien - die immer mehr zur großen Show werden - deutlich zu sehen. Die Spieler respektieren den Mann, der sich schon als Co-Trainer seines Vorgängers Niko Kovac ihr Vertrauen verdient hatte.
Nun ist er der Chef und drückt dem Team seine Philosophie auf. Wie schon Pep Guardiola, der seinen Tiki-Taka-Stil proklamierte, hat auch der heutige Bayern-Dompteur seinem Ensemble eine eigene Art von Fußball verschrieben.
Die Flick-Bayern spielen schönen-Fußball. Mal wild und unaufhaltsam über die starken Außen, mal unaufhaltsam durch die Mitte. Immer als Kollektiv. Immer offensiv. Immer dominant. Immer mit Spaß auf dem Platz.
"Man merkt auch in der Mannschaft selbst, wie man sich coacht und pusht. Das ist in dieser Situation so, wo wenige Zuschauer da sind, die Emotionen und die Lautstärke nicht von den Rängen kommen, dass man das auch hört als Mitspieler. Das tut uns ganz gut. Die Mannschaft setzt das hervorragend um", lobt Flick selbst die Selbstständigkeit seiner Jungs.

Lob von Löw und Schweinsteiger

Flick, dessen Aufrücken auf den Kovac-Posten zunächst belächelt wurde, hat seine Kritiker mit klaren Überzeugungen und nachvollziehbaren Maßnahmen schnell zum Schweigen gebracht.
Er stärkte Thomas Müller, Jérôme Boateng und Manuel Neuer den Rücken, machte David Alaba nach den Verletzungen von Lucas Hernández und Niklas Süle zum Innenverteidiger und schuf dadurch Platz für Linksverteidiger-Rakete Alphonso Davies. In 15 von 25 Pflichtspielen unter Flick stand danach hinten die Null.
Konstanz ist das Zauberwort der Flick-Regentschaft. Konstanz und Stabilität.
"Die Mannschaft ist unter ihm zu einem Team geworden, das Stärke und Selbstbewusstsein ausstrahlt“, lobt auch Bundestrainer Joachim Löw seinen einstigen Assistenten bei der Nationalmannschaft. "Daher glaube ich, dass die Meisterschaft entschieden ist. Beide zusammen waren 2014 in Brasilien Weltmeister geworden.
Bayern-Legende Bastian Schweinsteiger sieht in Flick gar einen ganz großen der Mia-san-mia-Historie. "Er hat gewisse Züge eines Jupp Heynckes. Flick ist ein sehr positiver, ruhiger, sachlicher Mensch. Trotzdem hat er eine klare Ansprache", sagt der Champions-League-Sieger von 2013.
Flick selbst fühlt sich bei diesem Vergleich natürlich geehrt: "Er war für mich mit Abstand der beste Trainer, den ich in meiner Profikarriere hatte", sagte er schon vor Wochen. "Er war mit seiner Art und Weise schon damals besonders."
Nun ist er es selbst.

Flick könnte eine Bayern-Ära prägen

Vereins-Patron Uli Hoeneß sprach am Rande des Düsseldorf-Spiels von einer gerade beginnenden neuen, sehr erfolgreichen Episode des FC Bayern.
"Ich kann mir gut vorstellen, wenn alles optimal läuft, dass bei Bayern München gerade eine neue Ära beginnt", sagte der langjährige Präsident. Er begründete dies mit der aktuellen, jungen Spielergeneration um Joshua Kimmich, Niklas Süle und "hoffentlich David Alaba, Thiago und auch Leroy Sané".
"Eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft", sei dies, führte Hoeneß aus. Was er nicht sagte, war trotzdem offensichtlich. Ihr Entwickler kann nur Hansi Flick sein.
Der Trainer plant die Zukunft ohnehin schon im Hintergrund. Sein Vertrag läuft bis ins Jahr 2023. Für die Zeit ab dem Sommer holte er sich Miroslav Klose als Co-Trainer hinzu. Er kann gut mit Salihamidzic, Kahn und Rummenigge - der Führungsetage.
Gut möglich also, dass Hansi Flick mit seinem Team noch jede Menge Rekorde brechen wird.
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